MELLRICHSTADT

Energiepolitik zerstört, was bewahrt werden soll

Enoch zu Guttenberg1
Ist gegen die „unsäglich verlogene Energiepolitik“ in Deutschland.

Ein Blatt vor den Mund zu nehmen war noch nie das Ding Enoch zu Guttenbergs. Der Dirigent von Weltruf und etablierte Experte in Sachen Umwelt und Naturschutz hat im Raum 7 einen beeindruckenden Vortrag über die derzeitige Energiewende in Deutschland gehalten. Ein gutes Haar hat er dabei an Windenergie, Biogas und Photovoltaik nicht gelassen. Er verteufelte diese Arten der Energiegewinnung nicht grundsätzlich, wohl aber die damit einhergehenden Geschäftsmodelle um die vermeintlich umweltfreundlichen Energien.

Eingeladen zu dem Vortrag mit dem namhaften Referenten hatten der Verein zum Schutz der Umwelt und des Kulturerbes Rhön-Grabfeld sowie die Kreisgruppe des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern. Der Vorsitzende beider Vereine, Bert Kowalzik, begrüßte im Raum 7 die zahlreichen interessierten Zuhörer und überließ bald Enoch zu Guttenberg das Podium. Was folgte, war eine mehr als einstündige Abrechnung mit der gegenwärtigen Energiepolitik nebst umfangreicher Begründung, warum die Energiewende in ihrer jetzigen Form scheitern muss. Wenn sie nicht schon längst gescheitert ist.

Die „märchenhaft verwunschenen Landschaften der Rhön und die lieblichen Saaleauen“ kennt Guttenberg noch aus seiner Kindheit, in der er immer wieder auf der Salzburg in Bad Neustadt zu Gast war. Doch auch hier muss er mittlerweile zahlreiche Photovoltaikanlagen auf Feldern, Biogasanlagen und – sein schlimmster Albtraum – Windkraftanlagen entdecken. Wie schon im Frankenwald, wo er heute zuhause ist. „Wir müssen dieser Energiewende mit ihrem Windkrafthorror, der Biogasmanie und dem Solarirrsinn endlich Einhalt gebieten“, sagte Enoch zu Guttenberg und hob den Schutz der Heimat als das höchste Gut empor.

„Heimat wächst nicht nach“, sagte Guttenberg, „und austauschbare Artefakte der Industrie schaffen keine Identität.“ Die zunehmende Anzahl von Windrädern zur Energiegewinnung sieht Guttenberg als ein Grundübel der Energiewende. „Windräder bedeuten 100 Prozent Landschaftszerstörung und Heimatverlust“, so Guttenberg. „Ich bekomme Heimweh in meiner Heimat!“

Niemand außer Wirtschaftsbossen und Großgrundbesitzern profitiert vom Aufstellen der Windkraftanlagen. „Das ist eine ökonomische wie ökologische Katastrophe.“ Der Stromverbraucher in seinem Eigenheim muss die Zeche für den Ausbau der erneuerbaren Energien bezahlen, um die Geldbörsen weniger Unternehmer zu füllen. Bis ins Jahr 2035 soll der Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit 30 auf 65 Prozent ausgebaut werden. „Dabei ist die Energiewende schon heute krachend gescheitert“, rechnet Guttenberg vor: „Der deutsche Stromverbrauch beträgt nur ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist somit kein nennenswerter Beitrag an der Energiewende“, sagt er.

„Lediglich zwei Prozent des gesamten Energiebedarfs wird heute durch 28.000 Windkraftanlagen in Deutschland gedeckt.“ Wenn in Zukunft millionenfach Elektroautos durch die Gegend fahren und auch das Heizen mit Strom wieder attraktiver wird, dann müssten noch weitere hunderttausende Windenergieanlagen errichtet werden. Unter anderem auch in Waldgebieten, der blanke Horror für Enoch zu Guttenberg, der solcherlei Maßnahmen als „hanebüchenen, verlogenen Unsinn“ bezeichnet.

„Windkraft ist ineffektiv“, resümiert Guttenberg. Derweil die Kosten für die Energiewende in Deutschland explodieren, die Speicherproblematik von Strom praktisch ungelöst ist, der Stromverbrauch in der immer weiter grassierenden Konsumgesellschaft drastisch ansteigt, auch in Zukunft steigen wird und damit einhergehend auch der Kohlendioxidausstoß.

„Wenn wir weiter auf so großem Fuße leben, wird der Lebensraum Erde uns nicht mehr lange zur Verfügung stehen“, befürchtet Guttenberg. „Solche Sorgen lassen mich oft nicht schlafen.“ Wie der zunehmende Energiebedarf in Deutschland wie in der ganzen Welt gedeckt werden kann, ließ Guttenberg weitestgehend offen. Effizienzsteigerungen, Abwrackprämien für alte und energiefressende Maschinen aller Arten sowie eine ehrliche Energiepolitik müssen der planlosen Erstellung von immer mehr Windkraftanlagen in der Landschaft entgegen gesetzt werden, fordert er. „Mit unserer Energiepolitik zerstören wird das, was wir eigentlich bewahren wollen. Der Konsumrausch frisst zudem, was die Welt zum Leben braucht“, so Guttenberg. „Das Schlimmste aber“, befürchtet er, „kommt erst noch. Nur ein Weniger auf allen Gebieten wird helfen.“