MÜNNERSTADT

Gegen den Menschenhandel

Beim Projekttag zum Thema „Menschenhandel, Zwangsprostitution und Prostitution“ am BBZ Münnerstadt ...

Angeregt durch eine Studierende und eine Lehrkraft der Fachakademie für Sozialpädagogik fand am BBZ Münnerstadt ein Projekttag zum Thema „Menschenhandel, Zwangsprostitution und Prostitution“ statt. Erzieher und Heilerziehungspfleger kommen immer wieder mit dieser Thematik in Berührung, da sie in ihren vielfältigen Arbeitsbereichen auch mit Opfern von Menschenhandel und Menschen in der Prostitution in Kontakt kommen können. Der Projekttag wurde inhaltlich von zwei Organisationen gestaltet: Zum einen von lightup Germany e.V., die es sich zur Aufgabe gemacht hat, auf Basis der Peer-Education junge Menschen über Menschenhandel und die Situation von Frauen in der Prostitution zu informieren, zum anderen von SOLWODI Bad Kissingen, eine Beratungsstelle für Opfer von Zwangsprostitution, Zwangsheirat und Gewalt.

Kerstin Neuhaus aus Augsburg, die Vertreterin von lightup und Poetry-Slammerin ist, klärte die Studierenden und Schüler über die Problematik auf. Sie sprach über verschiedene Arten von Menschenhandel in Deutschland und weltweit und wie dieser in Form der sexuellen Ausbeutung auch in der Prostitution vorkommt. Ihr war es wichtig, die Teilnehmenden zu einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Themen zu bewegen und mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Auch konkrete Möglichkeiten, wie jeder sich engagieren kann, zeigte sie auf.

Inhalte des Einführungsvortrags waren die Unterscheidung von Menschenhandel und Menschenschmuggel, sowie verschiedene Ausbeutungsarten und konkrete Zahlen von Menschenhandel in Deutschland. In ihrem darauf folgenden Workshop zeigte Neuhaus auf, dass es zwischen Zwangsprostitution und Prostitution fließende Übergänge gibt und in welch prekärer Lage sich viele Frauen, die in der Prostitution tätig sind, befinden. Eine Anwerbestrategie des Menschenhandels, die auch in Deutschland häufig vorkommt, ist die Loverboy-Methode. Hier spielen sogenannte Loverboys, meist junge Männer, Mädchen eine Liebesbeziehung vor. Sie bringen diese in eine emotionale Abhängigkeit und führen sie nach und nach in die Prostitution, um sie dort auszubeuten. Mit dieser Problematik beschäftigten sich die Teilnehmenden in einem weiteren Workshop.

Renate Hofmann, die Leiterin der Beratungsstelle und Frauenschutzwohnung von SOLWODI in Bad Kissingen, und ihre Kollegin Veronika Richler berichteten über ihre Unterstützungsangebote für die betreuten Klientinnen. SOLWODI hilft Frauen, mit dem Leid der erfahrenen Gewalt fertig zu werden, damit leben zu lernen und nicht zu verzweifeln. Gemeinsam mit den Frauen versuchen die Mitarbeiterinnen neue Perspektiven für ihr Leben zu finden und diese konkret umzusetzen. In ihrem Workshop zeigten sie Möglichkeiten auf, wie Erzieher und Heilerziehungspfleger diese Frauen und ihre Kinder mit unterstützen können. Hofmann betonte, dass Solidarität ohne falsche Toleranz gewagt werden müsse, ganz nach dem Motto von Schwester Dr. Lea Ackermann, der Gründerin von SOLWODI: „Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Würde und Freiheit, ohne Elend, Unterdrückung und Ausbeutung.“ Sie gab den jungen Menschen mit auf den Weg, bei Ungerechtigkeit aufzustehen und „Nein“ zu sagen gegen Gewalt und Ausbeutung, auf Fremde zuzugehen und sich für Andere zu interessieren sowie Farbe zu bekennen durch Übernahme von Verantwortung – auch öffentlich in Politik und Gesellschaft.

Der Projekttag wurde abwechslungsreich gestaltet, da auch Diskussionen Raum fanden sowie Filmbeiträge und Poetry-Texte. Die Auswertung mit den Studierenden und Schülern ergab, dass viele über die menschenunwürdige Behandlung von deutschen und ausländischen Frauen in Deutschland geschockt sind und sie empfahlen, diese Thematik viel mehr in Schulen aufzugreifen, um präventiv dagegen vorgehen zu können.