STOCKHEIM

Die Wogen schlagen hoch

Dr. Cornelia Waldmann-Selsam (2. von links), Referentin beim Informationsabend zum geplanten Sendemast in Stockheim, ...

Veranstaltungsleiter Jürgen Geyer begrüßte in der voll besetzten Dorfschänke in Stockheim die Besucher zum Informationsabend der Bürgerinitiative zum geplanten Mobilfunksendemast in Stockheim. Nur etwa ein Drittel der Besucher stammte aus Stockheim, erklärte Bürgermeister Martin Link am Ende des Abends. Dr. Cornelia Waldmann-Selsam stellte Ergebnisse einer internationalen Studie zu den Auswirkungen von Mobilfunkstrahlen vor. Sie war praktische Ärztin in Bamberg und Mitinitiatorin des Bamberger Appells, in dem vor Jahren 130 Ärzte einen Ausbaustopp der Mobilfunktechnologie forderten.

Sie schilderte, das 2004 in Bamberg UMTS (Technik für Bildübertragung) ausgebaut werde sollte. Die Sender sollten in vielen Wohngebieten stehen. Da hat sich eine Bürgerinitiative gegen UMTS gebildet. Ab 1992 waren schon Sender aufgebaut worden. Mitte der 1990er Jahre gab es Ärzte, zu denen Menschen mit Herzrhythmusstörungen und anderen Symptomen gekommen seien. Da wurde der Strahlenschutz eingeschaltet. Sie selbst habe über 2.000 Familien besucht. Die Referentin zeigte Bilder von beschädigten Bäumen in Bamberg und Hallstadt, wo insgesamt über 60 Sendeanlagen mit einigen Antennen an jedem Standort vorhanden sind. In Deutschland habe sich leider kein Wissenschaftler gefunden, der das untersucht hätte. Aber in Spanien gab es einen Biologen, der eine Studie erstellt hat. Cornelia Waldmann-Selsams Hoffnung war, dass die Behörden bei den Bäumen nachdenklich würden.

Im zweiten Teil ihres Vortrags berichtete sie von ihren Besuchen 2009 in Bad Neustadt, in Oberelsbach, auf der Rother Kuppe und zeigt dazu eine Karte des Landesvermessungsamtes. In Mellrichstadt ist eine Antenne auf der Baywa, eine weitere am Altenheim. Auch hier seien geschädigte Bäume in Sichtachse zum Sender zu beobachten. Auf der Rother Kuppe, von deren Turm mehrere Antennen in verschiedene Richtungen gehen, würden die Buchen Schäden aufweisen. Auch die Hainbuchen seien betroffen.

Silas Weigand und Alexander Bauer verlasen dann ein Statement der Bürgerinitiative.

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) gehe davon aus, dass schon bei sehr schwacher, weit unter den Grenzwerten liegender Mobilfunkstrahlung gesundheitliche Risiken beim Menschen entstehen können. Der Europarat fordert, die Strahlenbelastung durch elektromagnetische Felder zu reduzieren. Die EU empfehle einen Wert, der 300 Mal niedriger als der aktuelle Wert in Deutschland sei. Mit der Internetgeschwindigkeit habe der geplante Mast nichts zu tun, dazu bedürfte es des Ausbaus des Glasfasernetzes. Deshalb sollte dieser Ausbau forciert werden. Soweit die Aussagen der Vertreter der Bürgerinitiative.

Ein reges Frage-Antwort-Spiel setzte sich dann in Gang. Andreas Balling meinte, zur Referentin gewandt, dass sie viele Thesen und Behauptungen aufgestellt habe. Sie habe ein gewisses Fundament, auf dem sie aus Erfahrungen berichtet. Dem Waldsterben in der Region müsse nachgegangen werden. Wie könne sie sich aber erklären, dass in einem hoch technisierten Land wie Deutschland, in dem sich seit 2004 mit dem Thema beschäftigt wird, sie keinen Wissenschaftler findet, der die ganzen Thesen darlegt. Warum musste sie nach Spanien gehen, um jemanden zu finden, der die ganzen Bilder und Thesen bestärkt?

Eine Besucherin aus Bad Königshofen erzählte, dass sie Beeinträchtigungen gehabt hätte, als sie einen Sendemast vor der Tür hatte. Sie fand es absurd, dass eine Ärztin Bäume dokumentieren müsse, man könne doch den Menschen glauben.

Bürgermeister Martin Link hätte sich gewünscht, dass die Veranstaltung Für und Wider zugelassen hätte. Es hätten nur Halbwahrheiten im Raum gestanden. Für den 10. Oktober habe er einen, seiner Meinung nach, unabhängigen Fachmann eingeladen und bat alle Stockheimer, dann auch zu kommen. Er möchte keinen Krieg im Dorf. Viele Bürger seien an ihn herangetreten, hier tätig zu werden.

Langsam artete die Diskussion in einen Tumult aus, die Stimmung war aufgeheizt, wobei die Regeln des Anstands und des Respekts bei gegensätzlichen Meinungen im Umgangston nicht immer eingehalten wurden. Der Bürgermeister wollte eine sachliche Diskussion, es sei aber klar, dass Emotionen dabei sind, stellte der Moderator Jürgen Geyer fest.