IRMELSHAUSEN

Gegen Extremismus in jeder Form

Für Karl Graf von Stauffenberg sind Freiheit und Rechtsstaatlichkeit nicht selbstverständlich, man sollte sie ...

Irmelshausen Karl Graf Schenk von Stauffenberg versucht besonders Jugendliche für die Demokratie zu begeistern. In einem Interview nahm er zu den aktuellen Entwicklungen Stellung.

Frage: Sie kommen gerade von einer Veranstaltung mit Jugendlichen im Goethe-Institut in München. Wie ist die Stimmung bei den Jugendlichen – ist das Eintreten für die Demokratie für sie ein Thema?

Graf Stauffenberg: An dieser Veranstaltung des Goethe-Instituts waren nicht nur Deutsche, sondern auch viele ausländische Stipendiaten dabei. Aber alle waren mit mir einer Meinung, dass gerade in Zeiten von Pegida, Chemnitz und auch dem G20-Gipfel es ein Muss ist, für unseren Rechtsstaat und seine Demokratie einzutreten und unsere Werte zu verteidigen.

Sie haben den Verein „Mittendrin statt extrem daneben“ gegründet. Auf welche Weise versuchen Sie die Jugendlichen zu erreichen und für die politische Mitte zu begeistern?

Wir organisieren Veranstaltungen, Demos und ähnliches, um der Welt zu zeigen, dass wir unseren Rechtsstaat und unsere Freiheit feiern. Außerdem bin ich öfters in Schulen eingeladen, um mit den Schülern über Extremismus vs. Rechtsstaatlichkeit zu diskutieren. Das kommt bei den Schülern gut an. Leider werden wir immer noch zu wenig von Schulen eingeladen, weil diese Angst haben, dass sie die politische Neutralitätspflicht verletzen.

Ist für die Jugendlichen die Demokratie mit ihren Freiheiten zu selbstverständlich?

Sie ist nicht nur bei den Jugendlichen zu selbstverständlich. Wir alle haben die Zeiten von Krieg und Verfolgung zumindest in Westdeutschland nicht erlebt. Allerdings wissen noch viele in den neuen Bundesländern, wie es ist, in einem Unrechtsstaat zu leben. Keine Freiheit, keine freie Meinungsäußerung etc. Deshalb ist es für mich total unverständlich, dass unser historisches Gedächtnis so kurz ist.

Sollte mehr Prävention in den Schulen geleistet werden?

In jedem Fall. Es ist nicht nur wichtig, die NS- und die DDR-Zeit im Geschichtsunterricht zu behandeln. Wir müssen diese Zeiten auch im Sozialkundeunterricht behandeln und den Schülern klarmachen, was es heißt, von Extremisten beherrscht zu werden.

Fehlt es den Jugendlichen an geeigneten Vorbildern oder sind Vorbilder „uncool“?

Ich glaube, dass jeder Jugendliche Vorbilder und Idole hat. Meist sind diese aber nicht politisch, sondern eher Sportler oder Künstler. Politik ist da erst einmal nicht hip.

In Dresden und Köthen marschieren Rechte auf und bei Gegendemonstrationen sind linke Gruppierungen aktiv. Wo bleibt die Mitte?

So ist es. Die Mitte schaut zu, sie sitzt abends auf der Couch und schüttelt den Kopf, sagt sich, oh wie schlimm. Zumindest ist das mein Eindruck, ich hoffe sehr, dass ich da gerade vielen Unrecht getan habe. Fakt aber ist, wir sehen die Mitte nicht.

Geben Demos wie in Köln (Köln zeigt Haltung), Dortmund und Gelsenkirchen Anlass zur Hoffnung, dass die „schweigende Mehrheit“ aufwacht?

Es geht in die richtige Richtung, aber es ist wieder eine Demo gegen rechts, kein Aufstehen für den Rechtsstaat und unsere Demokratie. Wenn wir uns nur gegen rechts auflehnen, paktieren wir meistens mit ebenso undemokratischen linksradikalen Gruppen. Wenn wir versuchen, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, ist das sehr gefährlich.

Wird seitens des Staats genug gegen Extreme aus dem rechten und linken Spektrum getan oder ist der Verfassungsschutz auf dem rechten Auge blind?

Es liegt mir fern, zu behaupten, dass beispielsweise der Verfassungsschutz auf dem rechten Auge blind sei. Ich habe den Eindruck, dass viele in Politik und Exekutive die extreme politische Gefahr nicht ernst genug nehmen. Da konzentriert man sich doch eher auf den Islamismus.

Sind Sie dafür, die AfD durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen?

Auf jeden Fall. Ich möchte nicht so weit gehen, dass jedes Mitglied innerhalb der AfD rechtsextrem ist, da ist bestimmt der ein oder andere konservative Reaktionäre dabei. Es ist aber unstrittig, dass in dieser Partei echte Nationalsozialisten geduldet werden.