Campus

Geröllfelder
_

Die Heimat blüht. Zumindest wirtschaftlich. Sicher, durch ihre präsenile Verweigerungshaltung zum Nationalpark hat die Peripherie im Bereich „Tourismus“ eine Jahrhundertchance verschnarcht. Typisch! Aber dafür brummt es in unserem schönen Industriestädtchen! Besonders erfreulich: Das bislang recht autolastige Branchenspektrum wurde durch den Ausbau zukunftsträchtiger Bereiche erweitert. Eines ist klar: Die Verkehrswende kommt, auch wenn es das vergreiste Spitzenmanagement der deutschen Automobilindustrie nicht wahrhaben will. Kräfte wie „Digi-Doro“ (CSU) sorgen dafür, dass sich durch digital transformiertes Fahren die globale Pkw-Flotte drastisch reduzieren wird.

Das hat dramatische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt! Wie gut, dass unser halbes Doppel-Oberzentrum (DOZ 0.5) wirtschaftlich noch auf anderen Säulen ruht. Da wäre zum einen der Verpackungsmüll. Der stadtbildprägende „Pappophag“ wurde schon vor seiner Fertigstellung zum neuen Wahrzeichen Bad Neustadts. Er symbolisiert weithin sichtbar die Bedeutung von Wellpappe. In Zeiten von „Amazon“ und „Zalando“ deutet alles darauf hin, dass der Verbrauch dieses hochwertigen Wegwerfprodukts auch künftig kräftig wachsen dürfte.

In der Gesundheitsindustrie, dem zweiten Standbein unserer Wirtschaft, herrscht ebenfalls Goldgräberstimmung. Eine überalternde Gesellschaft sorgt für glänzende Perspektiven. Das neue Klinikum, der „Campus“, wurde jetzt eröffnet. Es spiegelt das Potenzial des Betreiberkonzerns wider. Schade nur, dass der keinen Cent Gewerbesteuer abführt. Allerdings konnten die Zahlen der letzten Jahresbilanz die Aktionäre nicht befriedigen. Ein Wermutstropfen! Stefan Holzinger, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum-AG, setzt deshalb stur auf Digitalisierung. „Wir brauchen IT-Krankenschwestern und Big-Data Ärzte“, äußerte er kürzlich in einem Interview. Wie recht er doch hat!

Aus persönlicher Erfahrung weiß jeder, dass entgegen gängiger Klischees gerade für ältere Patienten „menschliche Zuwendung oder „Zeit für Gespräche“ nur zweitrangig sind. Viel wichtiger ist ihnen die IT-Kompetenz des Personals. Allerdings sehen die Aktionäre auch, dass im Diagnose-, Therapie- und Pflegesektor eine Optimierung kaum noch möglich ist. Die Digitalisierung stößt hier bereits an ihre Grenzen. Es gibt nur noch einen Bereich mit echtem Einsparpotenzial: das Management selbst. Es darf keine Tabus mehr geben; wir brauchen ein Management 4.0!

Bekanntlich klafft die Schere bei den Gehältern von Managern und ihren Mitarbeitern immer weiter auseinander. Das stört nicht nur den Betriebsfrieden, sondern verursacht auch enorme Kosten. „Was können Manager, was Computer nicht viel besser könnten“, fragen sich viele Aktionäre. Die komplexen Aufgaben von Ärzten, Pflegekräften oder Piloten werden doch auch schon erfolgreich von smarten Maschinen bewältigt. Gemessen daran erscheint das Anforderungsprofil eines Managers ja geradezu simpel: Kosten senken, Profit erhöhen, überflüssiges Personal feuern – fertig. Künstliche Intelligenz (KI) ist längst so weit fortgeschritten, dass semantische Suchmaschinen und intelligente Algorithmen kreative Unternehmensstrategien autonom steuern können.

Genau wie Kohle-Kumpel oder Stahlarbeiter dürfen deshalb auch „Alpha-Tierchen“ heute nicht mehr davon ausgehen, dass sie ihr ganzes Berufsleben lang immer nur das Gleiche machen. Auch sie müssen die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen zeigen! Weite Teile der Wirtschaft leiden derzeit unter Fachkräftemangel. Und basteln nicht gerade Spitzenmanager in ihrer knappen Freizeit gerne in heimischen Hobbykellern herum? Im Handwerk sind noch Stellen frei! Man muss sich das vorstellen.