BAD KÖNIGSHOFEN

Visite bei den Fledermäusen

Kurzbesuch bei den Winterschläfern: Claudia Beyer (von links), Georg Warnke, Dieter Schmitt und Matthias Hammer in ...

Schweine werden am Säuhügel in Bad Königshofen schon lange nicht mehr gehalten. Dafür stößt man auf eine andere Tierart, die hier schon seit vielen Jahren heimisch ist: In einem langgestreckten Kellergewölbe unter der künstlichen Erhebung neben dem Juliusspital überwintern Fledermäuse.

Normalerweise können sie dort ihren Winterschlaf völlig ungestört verbringen, denn das Tor zu dem Natursteinkeller in Form eines langen Ganges ist mit einem Schloss gesichert. Nur einmal wird es im Winter geöffnet, wenn Feldermausexperte Georg Warnke aus Unterelsbach und seine Begleiter vor der Tür stehen, um die Winterzählung der Flattertiere durchzuführen.

Wie in den vergangenen Jahren suchten die Fledermausfreunde um Warnke im Landkreis wieder Dutzende von Winterquartieren auf, in denen über ein Dutzend Fledermausarten überwintern. Drei Tage lang waren sie Ende Januar unterwegs und schauten sich nicht nur in Großquartieren wie der Salzburg oder der Lichtenburg und im Schloss Sternberg um. Auch vielen kleineren frostfreien Höhlen, Kellern oder Stollen statteten sie einen Besuch ab.

Vierköpfiges Team

Zum „harten Kern“ des Zählteams gehörten in diesem Jahr neben Georg Warnke, der seit 1987 Leiter des Arbeitskreises Fledermaus des Bund Naturschutz in Rhön-Grabfeld ist, Dieter Schmitt aus Hollstadt und Claudia Beyer von der Regierung von Unterfranken. Auch Matthias Hammer, Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern, war wieder mit von der Partie.

Bayernweites Forschungsprojekt

„Die Zählung erfolgt im Rahmen eines bayernweiten Forschungsprojektes“, weiß Hammer, der viel erzählen kann über die lautlosen Jäger der Nacht. „In manchen Verstecken überwintert seit Jahren immer nur eine Fledermausart, in anderen dagegen bis zu zehn verschiedene Arten nebeneinander.“ Je ausgedehnter und abwechslungsreicher eine Kelleranlage sei, desto mehr Arten finden dort passende Temperaturbedingungen. Die bei der Zählung gewonnenen Daten werden von dem Fledermausexperten in eine Datenbank am Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg eingepflegt. Die staatliche Fachbehörde ist zuständig für die Dokumentation und Auswertung der biologischen Vielfalt im Freistaat. Und wie schon in den vergangenen Jahren zu beobachten, bestätigte sich auch diesmal wieder der Trend: Die Fledermausbestände sind relativ stabil.

Jeder kann etwas tun

Besonders deutlich wird das am Beispiel der Mopsfledermaus. „Der Landkreis Rhön-Grabfeld beherbergt zusammen mit einigen anderen Landkreisen Unterfrankens die größten bayerischen Wintervorkommen dieser Fledermausart“, weiß Matthias Hammer. Im Sommer lebe sie hinter Rindenplatten an absterbenden Bäumen, wo auch die Jungen geboren und aufgezogen werden. „Milde Phasen des Winters verbringen die Tiere ebenfalls dort“, so der Fachmann. Erst bei strengem Frost seien die kälteharten Fledermäuse gezwungen, geschütztere Verstecke in Kellern und Gewölben aufzusuchen. „Deshalb treten von Jahr zu Jahr zum Teil erhebliche Schwankungen der erfassbaren Anzahlen auf“, sagt Hammer. Er ist zufrieden mit der aktuellen Bestandsentwicklung. „Langfristig liegt für die Mopsfledermaus ein eindeutig positiver Trend vor.“ Laut Hammer nutzen die ehrenamtlichen Fledermausschützer die Kontrollen auch dazu, Passanten über die heimlichen Nachtflatterer aufzuklären oder Quartierbesitzer zu beraten. „Fledermausschutz ist ohne großen Aufwand möglich, denn häufig kostet die Rücksichtnahme überhaupt nichts“, betont der Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Unterfranken.

Man müsse nur die nützlichen Insektenfresser in seinem Umfeld dulden und bestehende Quartiere erhalten. „Auch jeder Gartenbesitzer kann Gutes tun, indem er auf Spritzmittel und Unkrautvernichter verzichtet und heimische Wildpflanzen fördert.“

Volksbegehren Artenvielfalt hilft auch den Fledermäusen

Der Rückgang der Insektenvielfalt in der Landschaft (Stichwort: Insektensterben) wirkt sich auch auf die heimischen Fledermäuse aus, die sich ja alle von Insekten ernähren. Georg Warnke und Matthias Hammer appellieren daher an die Bürger, das Volksbegehren gegen den Rückgang der Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ zu unterstützen. Die Eintragungsfrist endet am kommenden Mittwoch, den 13. Februar. Als ehrenamtliche Ansprechpartner in Sachen Fledermausschutz stehen im Landkreis Rhön-Grabfeld Georg Warnke aus Unterelsbach (Tel. 09774/395) und Dieter Schmitt aus Hollstadt (Tel. 09773/890598) zur Verfügung. Meldungen über Fledermausvorkommen nimmt auch die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in Bad Neustadt entgegen. Ansprechpartner ist Thomas Glinka (Tel. 09771/94-338, E-Mail: thomas.glinka@rhoen-grabfeld.de).
Der Bestand dieser Art ist schon seit Jahren stabil: Winterschlafende Mopsfledermäuse gibt es wieder relativ viele ...