Leser schreiben uns: Mehr Sicherheit in der Ausbildung

Es werden nur Leserbriefe veröffentlicht, die mit Namen und Adresse gekennzeichnet sind. Bezugnahme ist nur auf in der Heimatzeitung erschienene Artikel möglich. Bei längeren Leserbriefen behält sich die Redaktion Kürzungen vor, ein Rechtsanspruch auf Veröffentlichung besteht nicht. Veröffentlichte Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.

Die Redaktion erreichte folgender Leserbrief zu dem Bericht „Patrone blieb wohl unbemerkt im Lauf“ im Rhön- und Streuboten vom 4. März:

„Von 1966 bis 1968 war ich Soldat bei den Panzergrenadieren. Während der damaligen noch 18 Monate wurde ich an sechs für unsere Einheit einzusetzenden Waffen intensiv ausgebildet. Hierbei handelte es sich um das Gewehr G3, die Maschinenpistole Uzi, die leichte und schwere Panzerfaust, das Maschinengewehr MG42 und die Pistole P38. Daher weiß ich, dass die Frage nicht heißen muss, ob die Patrone unbemerkt im Lauf geblieben ist, sondern wie kam die Patrone in den Lauf?

Fall 1: Wenn die beiden Wachpolizisten nur mit teilgeladener Waffe (d.h. ein volles Magazin befindet sich im Griffstück der Pistole) ihren Dienst versehen, dann befindet sich keine Patrone im Lauf. Das würde bedeuten, dass der Schütze unberechtigter Weise seine Waffe während des Wachdienstes durchgeladen haben muss, wodurch eine Patrone vom Magazin in das Patronenlager des Laufes gebracht wurde.

Fall 2: Führt man allerdings bei der Polizei während des Wachdienstes eine fertig geladene Waffe mit sich, dann wird der Durchladevorgang vor Beginn des Wachdienstes durchgeführt und zwar von beiden Polizisten, d. h. beide haben eine Patrone im Lauf. In diesem Fall muss nach Dienstende das Magazin entnommen und der Verschluss (Schlitten) der Pistole zurückgezogen werden, wodurch durch die Auszieherkralle die Patrone aus dem Patronenlager gezogen und ausgeworfen wird.

Ob ein Patronenlager leer ist, lässt sich bei entsprechender Haltung der Waffe sehen. Diese Tatsache wurde bei der Bundeswehr mit 'Patronenlager frei' an den zuständigen Vorgesetzten gemeldet. Falls dies bei der Polizei nicht so oder ähnlich gehandhabt wird, weiß ich nicht. Wenn nicht, wäre das ein großes Sicherheitsdefizit.

In beiden Fällen hat allerdings der Schütze entweder unrechtmäßig oder fahrlässig gehandelt, was natürlich auch für den Beamten gilt, der die Munition zurückgenommen hat. Der Schütze muss sich allerdings einen weiteren Vorwurf der groben Fahrlässigkeit gefallen lassen, da er letztendlich abgedrückt haben und die Waffe auch in Richtung seines Kollegen gehalten haben muss. Die neue Pistole ist mit Sicherheit nicht schuld, da jede Pistole (nicht ein Revolver) auf die gleiche Weise arbeitet und bedient werden muss. Ich denke, man sollte von oben her viel mehr Wert auf die Sicherheit in der Ausbildung an der Waffe legen.“

Haribert Deblich,

Sondheim/Rhön