Sulzfeld

Geplante Umgehung Sulzfeld: Über 200 Stellungnahmen eingegangen

Der Trassenverlauf: Die geplante Umgehung soll westlich um die Gemeinde Sulzfeld herumgeführt werden.

Große Bauprojekte bedürfen einer langen Vorlaufzeit, bis endlich der erste Spatenstich erfolgen kann. Das ist nicht nur im Hochbau der Fall, sondern vor allem auch bei Straßenbauprojekten mit ihren oft erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft. Auch die Landwirtschaft ist oft betroffen, wenn eine neue Straße gebaut wird. Ein gutes Beispiel ist die geplante Umgehungsstraße von Sulzfeld.

In der Gemeinde wurden bereits in den 1980er Jahren erste Überlegungen zu einer Sulzfelder und auch Kleinbardorfer Ortsumgehung angestellt, nach der Wiedervereinigung allerdings wieder zurückgestellt, da andere Straßenbauprojekte als dringlicher eingestuft wurden. Vor rund zehn Jahren wurde die Ortsumgehung von Sulzfeld dann in die erste Dringlichkeit eingestuft. Eine Realisierung rückte somit in greifbare Nähe. Doch es sollten noch einmal Jahre ins Land gehen, bis nach umfangreichen Voruntersuchen vom Bauamt Schweinfurt ein Trassenverlauf präsentiert und im Frühjahr vergangenen Jahres bei der Regierung von Unterfranken die Durchführung des Planfeststellungsverfahrens beantragt werden konnte.

Zahlreiche Einwendungen eingegangen

Die fertigen Planunterlagen wurden vom 3. Mai 2021 bis 2. Juni 2021 in der VG in Bad Königshofen öffentlich ausgelegt, um nicht nur den Bürgern, sondern auch den so genannten Trägern öffentlicher Belange die Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben. Schnell stellte sich heraus, dass es Widerstände gegen die Umgehungsstraße gibt. So forderte der Bauernverband mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion den Stopp der Planung. Begründet wurde das unter anderem mit "einem massiven Eingriff in einen von Natur und Landwirtschaft geprägten Lebensraum." Mathias Klöffel, BBV-Kreisvorsitzender, rief dazu auf, "noch einmal über das Projekt nachzudenken." Der Kreisverband des Bund Naturschutz (BN) und auch "Fridays for Future" schlossen sich der Forderung nach einem Planungsstopp an.

Seit Ablauf der Einspruchsfrist, die auf den 16. Juni 2021 festgelegt wurde, steht fest, dass es nicht bei diesen drei Stellungnahmen gegen den Bau der Ortsumgehung geblieben ist. Summasummarum haben 236 Personen Einwendungen und Stellungnahmen zum Vorhaben abgegeben, entweder als Einzeleinwendung oder über Unterschriftenlisten, wie Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken, auf Nachfrage der Redaktion mitteilte. Derzeit arbeite das Bauamt Schweinfurt an den Erwiderungen zu den Stellungnahmen der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange zu den Plänen, die noch nicht vollständig vorlägen. "Auch sie Erwiderungen auf die Einwendungen der Privatpersonen stehen noch aus", so Hardenacke weiter. Erst wenn alle Erwiderungen des Bauamts Schweinfurt vorlägen, könne die Planung eines Erörterungstermins ins Auge gefasst werden.

Erörterungstermin im Frühsommer?

Wann diese der Fall sein könnte, ist noch nicht klar. Alexander Schlegel, im Bauamt der für die Planung der Sulzfelder Umgehung zuständige Abteilungsleiter, rechnet damit, dass dies angesichts der zahlreichen Stellungnahmen, die beantwortet werden müssen, noch einige Monate dauern könnte. Vor dem Frühsommer rechne er nicht mit der Ansetzung eines öffentlichen Erörterungstermins, der in der Höhberghalle stattfinden könnte. Wie es dann nach diesem Termin weitergehen könnte? Sollte die Regierung das Bauprojekt im Laufe des Sommers genehmigen, besteht laut Schlegel die Möglichkeit, dagegen zu klagen. "Das würde dann den Baubeginn erheblich verzögern."

Große Mehrheit für die Umgehung

Dass es erst gar nicht zu Klagen kommt, darauf setzt Sulzfelds Bürgermeister Jürgen Heusinger. "Wir haben einen klaren Auftrag von den Bürgerinnen und Bürger bekommen, die Umgehung zu bauen." Er selbst und der Gemeinderat hätten immer hinter dem Projekt gestanden und tun es bis heute. "Da gibt es jetzt kein Zurück mehr." Heusinger verweist auf die großen Ausgleichsflächen für die rund sieben Hektar, die durch den Bau der Straße versiegelt werden. Mit 15 Hektar seien sie mehr als doppelt so groß. Er habe durchaus Verständnis für die Bedenken von Naturschutz und Landwirtschaft. "Letztendlich spricht aber deutlich mehr für den Bau als dagegen." Er hoffe nun, dass die noch ausstehenden Grundstücksverhandlungen zügig über die Bühne gehen. Wann es seiner Einschätzung nach dann mit den Bauarbeiten losgehen könnte? Da will Heusinger der weiteren Entwicklung in den kommenden Monaten nicht vorgreifen, äußert aber seinen ganz persönlichen Wunsch: "Wenn es nach mir geht, lieber heute als morgen."

Ortsumgehung von Sulzfeld

Die Planung sieht den Bau einer rund 3,7 Kilometer langen neuen Straße vor, die westlich um die Gemeinde herumführt. Veranschlagt ist das Projekt mit Baukosten von 13, 511 Millionen Euro (Stand Januar 2022). Die neue Trasse zweigt 1,4 Kilometer südlich von Sulzfeld im Bereich des „Sandhofs“ von der bestehenden Straße nach Westen ab, führt westlich an Sulzfeld vorbei und endet vor Kleinbardorf im Bereich der bestehenden Abzweigung der Staatsstraße in Richtung Großeibstadt (zwischen Kleinbardorf und Großbardorf). Dort entsteht dann eine neue Kreuzung, die als Kreisverkehr ausgeführt werden soll.  
Quelle: Regierung von Unterfranken