Bad Königshofen

Luftreinigungsgeräte: Ein Segen im Kampf gegen Corona in der Schule?

Luftfilteranlagen dieses Typs stehen seit einigen Tagen in allen Klassen- und Fachräumen der Grund- und Mittelschule ...

Kühle Luft strömt aus den Geräten, die seit einigen Tagen in allen Klassenzimmern der Grund- und Mittelschule Bad Königshofen stehen. Von vielen sehnlichst erwartet, sollen die Luftfilteranlagen dafür sorgen, dass Corona-Viren während des Unterrichts eliminiert werden. Auf der niedrigsten Stufe ist nur bei genauem Hinhören ein leises Säuseln zu vernehmen, verändert man die Einstellung bis zur maximalen Stärke, braust es dermaßen aus dem Lüftungsgrill, dass an eine ungestörte Unterhaltung nicht mehr zu denken ist. 

Um eine ausreichende Reinigung zu erzielen, laufen deshalb in größeren Räumen zwei der Geräte auf niedrigem Level, deren Einsatz nicht nur Bürgermeister Thomas Helbling zufrieden macht. 51 waren bestellt und 48 sind geliefert worden. 29 282 Euro kostet das für die Ausstattung der Grundschule, für die die Stadt allein zuständig ist, 56 862 fallen für die Geräte der Mittelschule an, die vom Schulverband finanziert werden. Außerdem darf man noch jeweils mit mindestens 50 Prozent staatlichem Zuschuss rechnen.

"Wir sind froh, dass sie da sind", sagt Rektor Jürgen Seidenzahl, der weiß, dass nun auch so manchen Eltern ein Stein vom Herzen fällt. Gelüftet werden müsse aber trotzdem noch alle 20 Minuten, macht der Schulleiter im Gespräch mit dieser Redaktion deutlich. Zudem müssen die Schüler auch weiterhin Maske tragen. Die Geräte könnten nur eine zusätzliche Hilfe sein, sagt er.           

Ohne Lüften, Masken, Abstand und Hygiene geht es nicht  

Es ist die Sorge, dass der Einsatz solcher Geräte zu einem Gefühl der falschen Sicherheit führt, und dass die empfohlenen infektionspräventiven Maßnahmen, wie Abstand halten, Händewaschen,  Maske tragen und Lüften (AHA+L-Regeln) nicht weiterhin umgesetzt werden, wie das Robert-Koch-Institut in einer Stellungnahme vom 28. Juli dieses Jahres deutlich macht. Im Weiteren verweist das RKI auf ausführliche Stellungnahmen des Umweltbundesamts.

Dort hält man die Verwendung von mobilen Geräten zwar nicht für notwendig, wenn man mindestens dreimal pro Stunde lüftet. Modellrechnungen zufolge lasse sich mit mobilen Luftreinigern aber schon ein Zusatznutzen hinsichtlich der Reduzierung der Virenlast erzielen, insbesondere wenn die empfohlene Lüftung und die Befolgung der AHA-Regeln nicht konsequent umgesetzt wird, heißt es in der Stellungnahme vom 29. März 2021.

Fest installierte Luftreinigungsanlagen können mehr

Grundsätzlich für besser hält das Umweltbundesamt den Einbau fest installierter Luftreinigungsanlagen, die neben der Reinigung auch eine Frischluftzufuhr und damit eine Senkung des CO2-Gehalts im Raum möglich machen. Diesen Weg will Bürgermeister Jürgen Heusinger mit der Grundschule in Sulzfeld gehen. Dort trägt man sich mit dem Gedanken, eine Belüftungsanlage mit kombinierter Wärmerückgewinnung in die Schule und den im Bau befindlichen Kinderhort einzubauen. Die Anlage könnte dann auch bei Hitzewellen über Nacht zur Kühlung genutzt werden. Derzeit seien Firmen dabei, Angebote zu erstellen. 

Mobile Luftreinigungsgeräte hält Heusinger dagegen für rausgeworfenes Geld. Dabei stützt er sich auch auf Aussagen von Uwe Brandl, dem Präsidenten des bayerischen Gemeindetags aus Abensberg, der sich in einem Video-Podcast, der mittlerweile nicht mehr auf der Homepage steht, sehr kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt hatte. "Es gibt keine Beschlusslage", relativiert Gemeindetags-Pressesprecher  Wilfried Schober, betont aber auch, dass es einer fachlichen Expertise bedürfe, um nicht falsche Geräte aufzustellen.

Filtergeräte, die mit UV-Licht arbeiten

Technische Standards seien schon in den Förderrichtlinien des bayerischen Sozialministeriums verankert, hieß es dazu aus dem Landratsamt. 60 große und 28 kleine kombinierte UVC-Filtergeräte , die unter anderem mit UV-Licht arbeiten, hat der Kreistag für gut 220 000 Euro (bei rund 100 000 Euro Zuschuss) angeschafft, um damit die 5. und 6. Klassen der kreiseigenen Schulen auszurüsten."Es geht um alle, die sich nicht impfen lassen können", sagt Landrat Thomas Habermann.

Konkret haben die Gymnasien in Bad Königshofen, Bad Neustadt, und Mellrichstadt sowie die Realschulen in Bad Königshofen und Bad Neustadt und die Wirtschaftsschule in Bad Neustadt Geräte erhalten. Es komme darauf an, wie viel Luft ausgetauscht werden kann, ist Habermann von dem Nutzen der angeschafften Geräte überzeugt. Allerdings, so macht er auch deutlich, dürfe man deshalb nicht auf alle anderen Hygienemaßnahmen verzichten.