Waltershausen

Starkoch Johann Lafer überreichte die Auszeichnung

Bald ein Jahr hat Ullrich Amthor (links) die Schulbank gedrückt, um den Titel des Brot-Sommelier zu erwerben.

Eng wurde es in der Backstube von Ullrich Amthor. Allerhand Prominenz hatte sich in der Bäckerei getroffen, um ein besonderes Ereignis zu feiern. Der rührige Bäcker- und Innungsobermeister hat erfolgreich eine Ausbildung als Brot-Sommelier abgeschlossen und ist damit in den obersten Expertenkreis seines Berufsstandes aufgestiegen.

Stolz präsentiert der Bäcker seine blütenweiße Jacke mit der Aufschrift Brot-Sommelier und einem schwarz-rot-goldenen Kragen. "Das fühlt sich so ähnlich an, wie ein Fußballer empfinden muss, wenn er zum ersten Mal das Trikot der Nationalmannschaft überzieht", strahlt der Waltershäuser. Unbeschreiblich sei der Moment gewesen, als Starkoch Johann Lafer das Kleidungsstück bei der Zeugnisverleihung an ihn übergeben hat, erinnert sich Amthor an das Ereignis in der Bundesakademie Weinheim.

Brot als Kulturgut

Im Januar hatte die Ausbildung in dem Städtchen an der Bergstraße begonnen. Seit dem haben die 18 Teilnehmer knapp 150 Unterrichtseinheiten absolviert und zum Abschluss eine wissenschaftliche Projektarbeit abgeliefert. Er habe sich dabei mit der Bedeutung der Migration auf die deutsche Brotkultur beschäftigt, erklärt Amthor und startet eine 20-minütige Präsentation.

In seiner Abschlussarbeit sei er zu dem Schluss gekommen, dass durch den Einfluss fremder Kulturen ein Impuls und eine Belebung für das deutsche Bäckerhandwerk und ihrer Erzeugnisse entstehen kann. Brot habe als Kulturgut durch seine ständige Verfügbarkeit und allzeitige Präsenz an Wert verloren. Der Unterschied zu anderen Esskulturen könnte bewirken, dass Brot wieder stärker ins Bewusstsein eindringt. Als Brot-Sommelier werde er in Zukunft zumindest daran arbeiten, dass in der Bevölkerung dem Brot wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Leidenschaft für das Handwerk

Seine Gäste waren jedenfalls schon einmal beeindruckt, geht aus den Worten von Landrat Thomas Habermann hervor, der sich als großer Fan des Bäckerhandwerks zu erkennen gab. Als Kind sei es immer schon ein besonderes Erlebnis gewesen, wenn er in die Backstube des Dorfbäcker kam und dort den Duft des Brotes einatmen durfte. "Hier fühle ich mich wie in meiner Kindheit", und er sei froh, dass es Menschen wie Amthor gibt, die mit solch großer Leidenschaft für ihr Handwerk und für ein Stück Esskultur sich engagieren, beteuert Habermann.

Unterfrankens Handwerkskammerpräsident Walter Heußlein erinnert sich hingegen lachend daran, dass er als Jugendlicher schon mit Amthor Kontakt gehabt habe – allerdings als Gegner auf dem Fußballplatz. Damals habe er ihn als Fußballer wahrscheinlich nicht so geschätzt, wie jetzt als äußerst aktiven Vertreter der Bäckerzunft, der es im fortgeschrittenem Alter noch einmal hat wissen wollen und mit viel jüngeren Teilnehmern die Schulbank gedrückt hat. Für solch einen Einsatz könne man nur größten Respekt haben.

Ähnlich empfindet Kreishandwerksmeister Bruno Werner, der darauf hinweist, dass es in Deutschland gerade einmal 115 Brot-Sommeliers gebe und Amthor als zweiter Brot-Sommelier im Landkreis eine Aushängeschild für die Region darstelle. Saals Bürgermeisterin Conny Dahinten freut sich, mit Amthor einen Vertreter des Handwerks in ihrer Gemeinde zu wissen, bei dem Qualität und Tradition noch an erster Stelle stehen.