Bad Neustadt

Leserforum: „Ein Stück 'Alt Neuscht' gerettet"

Zum Thema "Neueröffnung der Weinstube Dörr" erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Ach ja, wie haben sich Neustädter „Ureinwohner“ – und nicht nur diese – gefreut, dass dem oberen Marktplatz eine vollkommene Umgestaltung erspart geblieben ist. Als das Schuhhaus Walk für immer seine Pforten schloss, hatten nicht wenige die Befürchtung – und diese nicht einmal unbegründet – dass dieser Bereich bald ein „anderes Gesicht“ bekommen könnte. Man hatte ja noch in Erinnerung, wie schnell die schöne alte Jessenbergervilla –vorbei an Bürgerprotesten und Denkmalschutz – dem nichtssagendendem Allerweltsbau Kaufland weichen musste. Weitere Beispiele gäbe es zu genüge aufzuzählen.

Aber Gott sei Dank kam es anders. Der neue Besitzer, ein Neustädter Urgestein, spricht von Tradition, die erhalten werden muss – Worte, die man so schon lange nicht mehr in Bad Neustadt gehört hat. Und Tradition hat die Weinschenke Dörr nun wirklich. Die vielen größeren und kleineren Stammtische, die sich seit Jahrzehnten regelmäßig hier getroffen haben, gehören einfach dazu. Nach den Dienstagsproben des Sängerkranzes 1850, eines der ältesten Vereine der Stadt, war der Ausklang beim Dörr Kult. Für meinen Vater war das der Höhepunkt der Woche, waren seine Sängerfreunde doch mehr als seine zweite Familie.

Unvergessen für mich ist auch der „Quargelstammtisch“ (Quargel ist ein Käse aus Sauermilch, ähnlich dem Harzer Käse, „beheimatet“ in Böhmen und Mähren). Dieser wurde von den Familien Sendner, Biedermann und Winkelmann nach den unvergessenen Bürgerfahrten in die Partnerstadt Bilovec/Wagstadt ins Leben gerufen und hätte es verdient, wiederbelebt zu werden.

In der heutigen Zeit, wo vieles, kaum dass es angekommen ist, schon wieder in der Versenkung verschwunden ist, ist es wichtig, dass Traditionen gepflegt werden. Der Mensch braucht etwas, ob er es wahrhaben will oder nicht, dem er sich verbunden fühlen kann. Dass sich viele mit der Weinstube Dörr verbunden fühlen, zeigen die lobenden Worte für das gelungene Werk und der rege Besuch. Dem neuen Besitzer darf man viele nette Gäste und persönliches Wohlergehen wünschen.

Hannelore Balling-Schmid,
97616 Bad Neustadt