Herschfeld

Leserforum: Herschfelder fühlen sich im Stich gelassen

Zum Artikel über die Herschfelder Bürgerversammlung vom 7. November erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

"Dass es in Herschfeld schon seit längerem rumort, kann man fast wöchentlich den Medien entnehmen und seit geraumer Zeit auch unmittelbar den "Protestlaken" an den Fassaden entlang der Durchfahrtstraßen.

Meine Erwartungshaltung und die vieler Bürgerinnen und Bürger von Herschfeld, die der Einladung unseres Bürgermeisters so zahlreich ins Schützenhaus gefolgt sind, war demzufolge groß. Ich hatte mir ehrlich mehr erhofft - nämlich Lösungen auf die Sorgen und Nöte der hiesigen Bevölkerung. Die Realität hat mich und vermutlich den Großteil der Anwesenden an diesem Abend leider eingeholt.

Die vielen Wortmeldungen zu den beiden Kernproblemen, Verkehrsbelastung und Bebauungsplanung Nördlich der von-Guttenberg-Straße, wurden oftmals rhetorisch elegant, aber für mich nicht hinreichend lösungsorientiert beantwortet. Unsägliche Diskussionen um die Wortwahl, anstatt den Inhalt des 'gemeinen Vortragenden' ernst zu nehmen, verklären die Befindlichkeiten der Bürger und leisten keinen hilfreichen Beitrag zur Deeskalation in der an diesem Abend ohnehin aufgeheizten Stimmungslage.

Ich möchte meine Einschätzung an einigen Beispielen festmachen: Weshalb wird der Beitrag eines Bürgers, der seine Beobachtungen tagtäglich hinsichtlich der Verkehrssituation und der gefahrenen Geschwindigkeit in den Nebenstraßen (Weinbergstraße, Mönchsweg, Liebenthalerstraße) von Herschfeld macht, nicht ernst genommen?

Weshalb werden die Ängste der Herschfelder, die bei einer möglichen Bebauung in Bezug auf Zerstörung der Natur und des Artenschutzes dargelegt wurden, lapidar mit den per Gesetz vorgeschriebenen zu schaffenden Ausgleichsflächen - im vorliegenden Fall in Hollstadt - beantwortet. Die sinngemäße Antwort des Herrn Bürgermeister, dass das Weltklima dadurch eh nicht beeinträchtigt wird, werte ich fast schon als eine despektierliche Wertschätzung auf die Fragestellung.

Weshalb wird der immens zugenommene Verkehr zum Campus, dem die Herschfelder tagtäglich ausgesetzt sind, gleich mit der Grundsatzfrage einer zum Dank verpflichteten Gesundheitsversorgung verknüpft?

Weshalb werden Bedenken alteingesessener Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich einer schwindenden Lebensqualität und der Konsequenz, dass man dauerhaft aus Herschfeld wegziehen möchte, nicht ernsthaft diskutiert?

Es wundert demzufolge nicht, dass sich viele Bewohner von Herschfeld von den Verantwortlichen einfach im Stich gelassen fühlen. Die Gründung zweier Bürgerinitiativen dokumentiert letztendlich den Hilferuf vieler Herschfelder gegenüber den Stadtoberen. Hier braucht es nach meinem Dafürhalten dringend einen Neuanfang. Diesen erwarte ich mir auch durch die anstehende Kommunalwahl nächsten Jahres.

Es wäre sicherlich vermessen von mir zu hoffen, dass man in anderen Stadtteilen von Bad Neustadt gleichgeartete Bedenken äußert. Ein bisschen Solidarität und gegenseitige Unterstützung wäre im Sinne des Gemeinwohls für ganz Bad Neustadt auf alle Fälle hilfreich - dann wird im Elfenbeinturm womöglich doch noch etwas bewegt. Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.

Ute Weber

97616 Herschfeld