Langenleiten

Der lange Weg von Siegbert Kuhnen zum Diakonat

Siegbert Kuhnen aus Langenleiten wird am Samstag, 25. September, zum ständigen Diakon geweiht.

Am Samstag, 25. September, wird Siegbert Kuhnen aus Langenleiten im Kiliansdom in Würzburg zum Diakon geweiht. Es ist eine ganz besondere Station im Leben des 48-Jährigen. Die Weihe zum ständigen Diakon ist für ihn ein Meilenstein auf seinem Glaubens- und Lebensweg, der ihn mit großer Freude und Dankbarkeit erfüllt.

Der Weg zum Diakonat war für Kuhnen nicht vorgezeichnet. Er ist in Langenleiten aufgewachsen, "gut katholisch", wie es auf dem Dorf eben üblich war. Als junger Erwachsener konnte er mit Kirche zunächst nicht mehr viel anfangen. "Die Kirche hat mir nichts mehr gegeben." Doch irgendwann habe er eine Art inneren Drang gespürt, doch wieder einmal einen Gottesdienst zu besuchen. "Da habe ich gemerkt, was mir im Unterbewusstsein die ganze Zeit gefehlt hat. Ich konnte geistigen Gewinn ziehen." Früher habe er schon nach dem Gottesdienst nicht mehr sagen können, was in der Predigt gesagt wurde. Auf einmal war das anders. Kuhnen konnte Kraft, Zuversicht und Halt aus jedem Gottesdienst mitnehmen. "Da ist etwas hängen geblieben", beschreibt er es heute.

Küster und Kommunionhelfer

Als dann für den hochbetagten Küster ein Nachfolger gesucht wurde, wollte Kuhnen der Kirche etwas zurückgeben und übernahm gemeinsam mit Wolfgang Voll das Amt, das er bis heute ausübt. Das war 2007, ein Jahr später wurde er Kommunionhelfer. Von 2010 bis 2019 war er zwei Perioden im Pfarrgemeinderat Langenleiten vertreten und seit 2010 ist er im Liturgieausschuss der Walddörfer aktiv.

Der Küsterdienst und sein fester werdender Glaube blieben in seinem Umfeld nicht unbemerkt. Im privaten wie beruflichem Umfeld kam es immer wieder zu heißen Diskussion über Gott und die katholische Kirche. "Als meine Argumente für den katholischen Glauben an ihre Grenzen gerieten, wusste ich, ich muss was tun." Zu damaligen Zeit war Pfarrer Andreas Krefft Seelsorger in den Walddörfern und bot viele Reisen an, unter anderem ins Heilige Land, auf den Spuren Paulus nach Griechenland, nach Fatima und Santiago de Compostela und nach Polen zur Schwarzen Madonna nach Tschenschtochau. "Diese Reisen haben Spuren hinterlassen", erinnerte sich Kuhnen an diese wichtigen Meilensteine.

Jochen Lauterwald, ein ehemaliger Kollege, der 2012 zum Diakon geweiht wurde, und Pfarrer Krefft ermutigten Siegbert Kuhnen, sich auf den Weg zum Diakon zu machen. "Was für mich erst einmal völlig abwegig war. Ich hatte schon rasenden Puls, musste ich nur einen Rosenkranz als Küster in der Gemeinde ansagen." Doch der Gedanke ließ Kuhnen nicht los. Er folgte wiederum seinem inneren Drang, sich wenigstens einmal beim Ausbildungsleiter der Diözese Würzburg zu melden. Dieser bestärkte ihn - ganz entgegen Kuhnen Annahme. "Passte ich doch so gar nicht in das Bild, das Kirche für mich bis dahin so ausstrahlte. Barfüßige Birkenstockträger, mit einem Kreuz um den Hals, die gefühlt in ihrer eigenen Blase leben."

Studieren und Reflektieren

Dass Kirche bunt und vielfältig ist, dass er so bleiben darf wie er ist, ja, dass es sogar notwendig ist, um authentisch verkündigen zu können, überzeugte Kuhnen. Diakone mit Zivilberuf leben und arbeiten in ihren Orten und sind so eine wichtige Verbindung zwischen den Menschen und der Amtskirche.

Der weitere Weg von Siegbert Kuhnen ist ein Weg des intensiven Lernen, Studierens und Reflektierens. Zunächst im Interessenten- und später im Bewerberkurs. Das Studium "Theologie im Fernkurs" absolvierte er, hinzu kamen weitere Ausbildungswochenenden und -inhalte im Bistum.

Getragen und begleitet wurde er von den Mitstreitern im Kurs, die über die Jahre zu Freunden wurden, von seinem Mentor Pfarrer Hubert Grütz und natürlich dem Leben aus dem Glauben heraus. Für Siegbert Kuhnen war es nie ein "Ich werde Diakon", sondern "Ich bin auf dem Weg zum Diakon". Es waren fünf anstrengende Jahre, in denen er nie am Weg zweifelte. "Eher zweifelte ich, ob ich das alles auch schaffe, all die Prüfungen und Hausarbeiten." Neben der Vorbereitung auf die Diakonenweihe steht Siegbert Kuhnen als Notfallsanitäter beim Roten Kreuz voll im Berufsleben und hatte parallel noch eine berufliche Weiterbildung zu absolvieren, die ihn ebenfalls einiges an Zeit und Initiativ kostete.

Im Juni dieses Jahres folgte das Skrutinium bei Bischof Franz Jung in Würzburg. Diese Prüfung seiner Befähigung zum Dienst als Diakon machte den Weg zur Diakonenweihe frei. "Seitdem spüre ich so eine Freude in mir", strahlt Kuhnen.

Nach der Weihe zum Diakon wird er weiterhin dem Pastoralen Raum Bischofsheim, speziell in den Walddörfern tätig sein, wo er auch sein Diakonatspraktikum absolvierte. "Ich möchte für die Menschen da sein und ihre Bedürfnisse sehen", fasste er seine Vorstellungen zusammen. "Besonders freue ich mich schon, auch das Sakrament der Taufe spenden zu dürfen."

Weihe und Einführungsgottesdienste

Die Diakonenweihe findet am Samstag, 25. September, im Kiliansdom, Würzburg statt. Um 9.30 Uhr wird Weihbischof Ulrich Boom durch Gebet und Handauflegung Siegbert Kuhnen und fünf weitere Männer zu ständigen Diakonen weihen. Die Weihe wird live im Internet übertragen: https://biwue.de/diakonenweihe-2021. Der Einführungsgottesdienst in seinem Heimatort Langenleiten ist am Samstag, 2. Oktober, um 18 Uhr. Weitere Gottesdienste, an denen Siegbert Kuhnen mitwirken wird, sind am Sonntag, 3. Oktober, um 8.30 Uhr in Schmalwasser, am Samstag, 9. Oktober, um 18 Uhr in Waldberg, am Sonntag, 10. Oktober, um 18 Uhr in Sandberg und am Sonntag, 24. Oktober, um 8.30 Uhr in Oberelsbach und 18 Uhr in Bischofsheim.
mec

.