Bad Neustadt

Jan Schubert leitet die Polizei Bad Neustadt: Mensch in Uniform aus und für die Region

Die Polizeiinspektion Bad Neustadt hat einen neuen Dienststellenleiter.

Führungswechsel bei der Polizeiinspektion Bad Neustadt. Polizeirat Jan Schubert löste Polizeioberkommissar Florian Aut als Dienststellenleiter ab. Für Schubert schloss sich damit ein Kreis. Nach beruflichen Tätigkeiten in München oder Berlin sowie im Ausland kehrte der gebürtige Bad Neustädter in seine Heimat zurück. 

Zwischen seiner Geburt und nun seiner Rückkehr liegen bemerkenswerte Jahre. Der 35-Jährige arbeitete unter anderem für das LKA in München und für das BKA in Berlin. In München war er Ermittlungsgruppenleiter nach dem Anschlag auf das Olympia-Einkaufszentrum im Jahr 2016. 2011 war er in die Aufarbeitung der NSU-Fälle involviert. Sowohl in der Landes- als auch in der Bundeshauptstadt war er für Schwerst-Kriminalität zuständig. Außerdem war er als Referent und Diplomat im Dienst des Auswärtigen Amtes in Wien tätig und in UN-Angelegenheiten für Themen der inneren Sicherheit unterwegs. Der von Polizeipräsident Detlev Tolle vorgetragene Berufsweg erschien so außergewöhnlich, dass er Landrat Thomas Habermann dazu verleitete, humorvoll zu fragen, ob der neue Polizeichef hier in Bad Neustadt tatsächlich vorrangig die Dienststelle leite oder nicht doch als verdeckter Ermittler undercover arbeite.

Polizeirat Jan Schubert hielt im Alten Amtshaus vor den Gästen seine Antrittsrede.

Doch zurück zur Realität. Die Verabschiedung beziehungsweise Begrüßung fand im feierlichen Rahmen im Alten Amtshaus statt. Der stellvertretende Leiter der Bad Neustädter Polizei, Polizeihauptkommissar Anton Schlereth, konnte Ehrengäste aus den gesamten regionalen Blaulicht-Organisationen und der Kommunalpolitik begrüßen. 

Relativ wenige Straftaten und hohe Aufklärungsquote

Unterfrankens Polizeipräsident Detlev Tolle fasste die Sicherheitslage in und um Bad Neustadt mit folgenden Worten zusammen: "Hier ist die Welt noch in Ordnung. Es passieren relativ wenige Straftaten und drei Viertel davon werden aufgeklärt." Was ist heute der Kern polizeilicher Arbeit? Diesen Punkt stellte Tolle in den Mittelpunkt seiner Rede. Das seien nicht mehr die objektiven Verbrechenszahlen, sondern das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. "Es gelingt uns nicht, die Menschen zu überzeugen, dass sie sicher leben. Wir schaffen es nicht, die objektiven Daten, die sehr guten Zahlen, rüber zu bringen." Ein Grund dafür sei die heutige schnelle Verbreitung von Nachrichten. "Wir brauchen eine erzählende Polizei", so der Polizeipräsident. "Es muss unsere Kernaufgabe sein, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, um damit ihr Sicherheitsgefühl zu erhöhen."

Detlev Tolle ging auf die Vita von Florian Aut und Jan Schubert ein. Sie weisen eine erstaunliche Übereinstimmung auf. Von beiden waren sowohl der Vater als auch der Onkel Polizist. Aut kam 2004 zur Polizei. Nach dem Studium wurde er Polizeikommissar. Seit 2019 befand er sich im sogenannten Förderverfahren, das nun nach drei anderen Stationen mit Bad Neustadt seinen Abschluss fand. Im Rahmen seiner Führungsbewährung leitete er für sechs Monate die hiesige Dienststelle. "Bad Neustadt war die schönste der vier Stationen", habe Florian Aut gemeint und vor allem das sehr gute Betriebsklima gelobt. Aut wechselt nun nach Schweinfurt.

Herausragende Leistungen bei der Polizei

Jan Schubert startete 2006 sein Studium bei der Polizei als sogenannter Direkteinsteiger in der dritten Qualifikationsebene an der Fachhochschule der Polizei in Sulzbach-Rosenberg. Der erste Weg führte den frisch gebackenen Polizeikommissar zunächst zum Polizeipräsidium München, wo er sowohl als stellvertretender Dienstgruppenleiter und im Anschluss bei der Kriminalpolizei tätig war. Im Anschluss wechselte er 2012 zum Bayerischen Landeskriminalamt. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen sei Schubert 2017 folgerichtig durch ein weiteres Studium in die vierte Qualifikationsebene aufgestiegen, erläuterte Tolle. "Es ist für Bad Neustadt ein Glücksfall, einen einheimischen Polizei-Dienststellenleiter bekommen zu haben." Angesichts der interessanten beruflichen Biografie Schuberts wünschte ihm der Polizeipräsident eine leichte Umstellung auf die "ganz normale Polizeiarbeit".

Landrat Thomas Habermann dankte Florian Aut für "die exzellent gute Arbeit". Die gute Sicherheitslage in Rhön-Grabeld sei auch ein Zeichen für die gute präventive Arbeit der Polizei. "Hier sind Bürgernähe und Vertrauen zur Polizei vorhanden." Besorgt stimmt den Landkreischef die zunehmende Zahl von Straftaten gegen die Ordnungshüter. An Jan Schubert gewandt, sagte er: "Wir freuen uns, dass Du in die Heimat zurückgefunden hast." 

Auch Bürgermeister Michael Werner dankte Aut für "die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit". Gegenüber Jan Schubert drückte er die Hoffnung aus, dass es in Bad Neustadt in 50 Jahren neben der Franz-Schubert-Straße auch eine Jan-Schubert-Straße geben wird - als Würdigung für den längsten Bad Neustädter Dienststellenleiter. 

Rückblick auf eine "glückliche" Zeit in Bad Neustadt

Schließlich hatten noch die beiden Hauptpersonen des Tages das Wort. Der scheidende Dienststellenleiter Florian Aut bezog sich auf das vor seiner Rede vom Blechbläserquartett unter der Leitung von Jürgen Weyer gespielte Stück, den "Happy-go-lucky-Rag". "Diese beiden Adjektive beschreiben das letzte halbe Jahr sehr treffend." Sein schönster Moment hier in Bad Neustadt sei das Zusammentreffen mit der kleinen Amandine gewesen, die sich, wie berichtet, bei der Polizei für deren Arbeit mit einem selbstgemalten Bild bedankt hat. "Das war für mich die Bestätigung, dass ich mit meiner Berufswahl die richtige Entscheidung getroffen habe. In den Augen des Kindes sind wir Beschützer und Vorbild."

"Dass ich diesen Berufsweg eingeschlagen habe, hat viel mit meinem Vater zu tun", betonte der neue Dienststellenleiter Jan Schubert. "Man hat ihm angemerkt, dass er gerne gearbeitet hat." Nach vielen verschiedenen Dienstorten im In- und Ausland mit vielen exotischen Verwendungen kehre er nun an die Basis zurück. Bereits in den ersten Tagen hier in Bad Neustadt habe er feststellen müssen, wie nah Freud und Leid beieinander liegen. Einerseits sei es eine Freude gewesen, von den Kollegen so herzlich begrüßt worden zu sein. Andererseits sei er mit einem schweren Verkehrsunfall konfrontiert worden. "Es ist schlimm, so persönliche Schicksale mitzuerleben." 

"Ich habe Bad Neustadt eine wunderschöne Kindheit und Jugend zu verdanken", erklärte Jan Schubert. Nun wolle er hier für die Bürger da sein und Sicherheit verbreiten. "Wir als Polizei Bad Neustadt sind Menschen in Uniform aus und für die Region."