Bischofsheim

Leserforum: Straßenverlegung wirklich erforderlich?

Zum Artikel "Kloster Kreuzberg wird saniert"  vom 15. Dezember erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Als letzte lebende „Ureinwohnerin“ vom Kreuzberg möchte ich meine Enttäuschung zum Artikel vom 15. Dezember 2021 „Kloster Kreuzberg wird saniert“ äußern.

Ich bin hier oben geboren und habe mein ganzes, 73 Jahre währendes Leben hier verbracht. Und jahrzehntelang auch sehr gerne. Es steht mir nicht zu, den baulichen Zustand des Klosters infrage zu stellen, aber solange ich zurückdenken kann, wurde immer etwas im Kloster gebaut oder renoviert. Und das dauerte jedes Mal jahrelang. Zuletzt für ca. zwei Jahre die Sakristei, davor der Umbau des Antoniusbaus, dann wurde ein Kanalproblem behoben (Fettabscheider), vorher die Küchenneugestaltung, die Renovierung der Brauerei, der Bau der Kerzenkapelle mit der Mauer, dazwischen die Umbauten des Gasthauses Hohn (jetzt Elisäus), das Bruder-Franz-Haus oder der Neubau des Ladens.

Es gab nicht wirklich viele Ruhephasen bei uns auf dem Kreuzberg. Nebenbei bemerkt, kämpften wir 40 Jahre lang um den Bau einer Garage, deren Umsetzung aufgrund des Naturschutzes etc. abgelehnt wurde. Irgendwann vor Jahren bekamen wir den Carport genehmigt, aber auch nur unter vielen Auflagen und bis zur Genehmigung dauerte es ganze vier Jahre!

Aber besonders trifft uns diese komische Straße, die schon jahrelang für Diskussion sorgt. Nur wurden wir damals im Vorfeld alle zu einer Aussprache eingeladen und konnten unsere Meinung dazu sagen. Damals gab es auch noch die Zahlung der Straßenanteile für die Anwohner und uns wurde gesagt, dass wir mit einer Zahlung von ca. 100 000 Euro rechnen müssten. Daraufhin wollten wir von hier wegziehen!

Aber auch der Bau der Straße selbst hätte utopische Summen verschlungen. Uns sagte damals ein Mitarbeiter der planenden Firma, dass für den Bau der neuen Straßenführung mindestens 15 Meter Erde aufgeschüttet werden müssten, um die Trasse ordentlich zu führen.

Leider habe ich zum damaligen Vorhaben keine Unterlagen mehr, da sich mein mittlerweile verstorbener Mann darum gekümmert hatte. Auf jeden Fall ist hier oben am Kreuzberg viel „Vitamin B“ im Spiel. Dabei vergisst man die Natur. Es wurden Reitställe und Anlagen gebaut, die sonst nicht genehmigt würden.

Dabei frage ich mich, warum eine Straßenverlegung für gerade einmal fünf (!) ansässige Bewohner erforderlich sein soll, denn mehr sind es hier oben nicht. Die Angestellten des Klosters, Zulieferer etc. würden nach wie vor die alte Straße benutzen, die hauseigenen Fahrten des Klosters von der Klosterküche zum Elisäus würden weiterhin getätigt werden und es käme wie bisher zu verkehrstechnischen Engpässen.

Ich hoffe nur, dass die Planungen recht lange dauern und ich vom Bau nichts mehr mitkriege.

Silvya Mathes
97653 Bischofshiem