Bad Neustadt

Leserforum: Über Hautfarbe der Sterndeuter kann man nur spekulieren

Zum Interview „Heilige Drei Könige: Nicht bemalen wäre rassistisch“ vom 8.1.2021 erreichte uns folgende Leserzuschrift.

Im einem Interview über Sternsinger, die sich das Gesicht schwarz färben, antwortet Pfarrvikar Dr. Fidelis Kwazu auf die Frage, was er denen sagen würde, die fordern, man solle sich das Gesicht nicht mehr schwarz färben, folgendes: „Das empfinde ich als rassistisch. Das bedeutet, dass alle Schwarzen ausgeklammert werden.“

Dem Vorwurf, es sei rassistisch und klammere Schwarze aus, wenn man Sternsinger nicht dunkel schminkt – dem möchte ich deutlich widersprechen.

Ich bin (zusammen mit anderen Ehrenamtlichen) seit 2006 für die Aktion Dreikönigssingen in der Pfarrei St Johannes in Brendlorenzen verantwortlich. Wir sind eine große Pfarrei, in der normalerweise etwa 12 Sternsingergruppen unterwegs sind. Zu Beginn meiner Zeit als Verantwortliche haben sich noch einige wenige der Sternsinger dunkel geschminkt. Die große Mehrheit der Kinder wollte das nicht: sie fanden, dass Angemalt-Sein komisch aussieht, den ganzen Tag dick geschminkt sein, ist unbequem und manche Kinder reagieren auf die Schminke sogar allergisch. Uns Erwachsene störte es eher, dass die Schminke auch oft Flecken auf den Gewändern hinterließ. Daher waren alle zufrieden, dass das Schminken immer weniger wurde und schließlich ganz aufgehört hatte.

Das hat aber mit Rassismus überhaupt nichts zu tun. Den Kindern habe ich immer erklärt, dass man die Sternsinger nicht genau abbilden kann, weil aus der Bibel so wenig über sie steht. Nicht einmal ihre Zahl ist bekannt. Dass wir von drei Sterndeutern ausgehen (die später als Könige gesehen wurden), liegt ja nur daran, dass sie drei Geschenke bringen. Erst im Mittelalter, als Symbole eine ganz gewaltig große Bedeutung hatten, hat man die Sterndeuter, die Repräsentanten der ganzen Welt an der Krippe, als Vertreter der damals bekannten Kontinente gedeutet: Europa, Asien und Afrika (man könnte sich fragen: wo bleiben da die Menschen aus Amerika, Australien und Ozeanien?). Liest man in der Bibel nach, so steht dort, dass die Sterndeuter „aus dem Osten“ kamen. Von Betlehem aus gesehen kommen alle Länder zwischen Jordanien und China in Frage; über Hautfarbe, Aussehen und Kleidung der Sterndeuter kann man also nur spekulieren. Gans sicher kam keiner von ihnen aus Afrika oder Europa, denn diese Länder liegen nicht östlich von Betlehem.

Richtig ist, wie auch Dr. Kwazu sagt, dass die Sterndeuter und damit auch die Sternsinger alle Menschen der ganzen Welt repräsentieren. Gerade deshalb sind beim Sternsingen alle Kinder willkommen, egal welche Herkunft, Religion oder Hautfarbe sie haben: sie dürfen so aussehen, wie sie nun einmal aussehen und müssen keine Klischees über Menschen unterschiedlicher Herkunft abbilden. Rassistisch wäre es, dunkelhäutige Sternsinger auszuschließen.

Übrigens: Wenn bei uns in Brendlorenzen dunkelhäutige Kinder beim Sternsingen mitmachen, so schminken wir sie natürlich nicht hell. Und wenn mehrere dunkelhäutige Geschwister zusammen mitmachen, kommt auch niemand auf die Idee, sie auf mehrere Sternsingergruppen zu verteilen, damit jede Gruppe einen „afrikanischen König“ hat. Das wäre rassistisch. Der Verzicht auf dunkle Schminke beim Sternsingen ist es nicht.

Anja Klug
Brendlorenzen