Bad Neustadt

Glosse: Kaputt

Im Vorfeld der Kommunalwahlen bedienen sich gewisse Granden in letzter Zeit gerne eines Begriffs, der in der Heimat glatt zum Unwort des Jahres aufsteigen könnte: "kaputtreden". Alles werde "kaputt geredet". Die Automobilindustrie, die Landwirtschaft, das Klima, ja, sogar die CSU selbst. Und der Wintersport in der Rhön.

Beim Neujahrsempfang der Stadt, einem der gesellschaftlichen Höhepunkte unseres schönen Industriestädtchens, war – wie jedes Jahr - die lokale Hautevolee unter sich. Unternehmer, Ärztinnen, Großaktionäre, Lokalpolitikerinnen – sämtliche Leistungsträger samt Gattinnen, bzw. Gatten gaben sich die Ehre. Der Wiener Opernball im Kleinstadtformat. Natürlich waren aber auch wieder ein paar Vertreter der "Basis" eingeladen - Feuerwehrleute, Ehrenamtliche oder Kultur-schaffende, die für ein Weilchen mit der "High Society" auf Tuchfühlung geben durften.

Ein Smalltalk hier, ein "Sektchen" da – es wurde nie langweilig. Dafür sorgten nicht zuletzt die inspirierenden Reden. Sie bildeten gewissermaßen den Höhepunkt. Und was man da nicht alles zu hören bekam! Der Landrat outete sich mutig als bekennender SUV-Fahrer, der sich den Spaß am Fahren nicht kaputt reden lasse. Wo sonst werden in Zeiten von "Fridays for Future" öffentlich noch so moderne Ansichten geäußert? Das Publikum war begeistert. Denn die meisten Gäste zählten natürlich auch nicht gerade zu den Kleinwagenfahrern, wie ein Blick auf die Parkplätze verriet.

Und hat der Landrat nicht Recht? Stellen etwa spritschluckende "Hausfrauenpanzer" das Problem der deutschen Automobilindustrie dar? Im Gegenteil! Sie verkaufen sich glänzend. Und haben vielleicht Dieselskandal, millionenfacher Betrug oder verfehlte Modellpolitik zu der sich abzeichnenden Krise geführt? Lächerlich! Nein, Schuld sind alleine die ewigen Schwarzmaler.

Zum Glück gibt es aber auch in der "großen Politik" noch Visionäre, die zuversichtlich in die Zukunft blicken und sich eben nicht alles "kaputt reden" lassen. Nehmen Sie unseren Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Auch er glaubt noch ans Auto. Genau wie unser Landrat! Und wie wird es ihm gedankt? Die Presse überschüttet ihn mit Häme, fordert gar seinen Rücktritt! Jetzt fiel ihm auch noch der ADAC in den Rücken, der plötzlich mit einem Tempolimit liebäugelt. Es ist eine Schande!

Und alles nur wegen der verbockten "Ausländer-Maut", die der "Scheuer Andi" vor irgendeiner Wahl vollmundig versprochen hat. Dabei beträgt der Schaden für die Steuerzahler ja gar nicht 560 Millionen Euro, wie die Grünen immer wieder hinausposaunen. Scheuer selber hätte vor Zeugen glaubhaft geäußert, es handle sich nur um 480 Millionen. "Höchstens!"

Auch ein Donald Trump lässt sich nicht "kaputt reden". Er hielt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine flammende Rede gegen ewige Untergangspropheten, die ständig nur Apokalypse predigten. Greta Thunberg zum Beispiel, die anwesend war. Unsere große Zeit, so der stets jugendlich geföhnte Präsident, gebe Grund zu "Freude" und "Optimismus". In sämtliche Medien - mit Ausnahme von Fox News - wurde er dafür zerrissen.

Ähnlich erging es dem australischen Premier Scott Morrison, der sich die Kohleindustrie seines Landes nicht von ein paar Klima-Aktivisten "kaputt reden" lassen wollte. Noch bis vor kurzem bestritt er, dass der Mensch den Klimawandel überhaupt verursacht. Allerdings fiel ihm sein Zweckoptimismus jetzt auf die Füße. Als er die von apokalyptischen Waldbränden, Überschwemmungen und Staubstürmen heimgesuchten Bundesstaaten Australiens besuchte, wurde er von wütenden Bürgern beinahe verprügelt. Denn deren Heimat ist jetzt tatsächlich - "kaputt". Man muss sich das vorstellen.