Bad Neustadt

Glosse: Dürre

Obwohl es jetzt ein bisschen geregnet hat, zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Heimat zu den großen Klima-Verlierern zählen wird. Aus "Bayerisch Sibirien" wird "Bayerisch Sahel". Blöd! Wir ernten jetzt die Früchte jahrzehntelanger Politik. Konservative konservieren nun mal gerne. Von wegen!

Die erste UN-Klimakonferenz fand 1979 in Genf statt. Seither ist der CO2-Ausstoß stetig gestiegen. "Mit Maß und Ziel" gewissermaßen. Dafür haben Kräfte wie Donald Trump, aber auch die "Gegenwindler" von Wargolshausen gesorgt. Anders als bei einem Hurrikan entwickelt sich bei einer Dürre die Katastrophe schleichend. Deshalb haben viele Granden die Zeichen der Zeit wohl noch gar nicht erkannt. Der "Scheuer Andi" (CSU) zum Beispiel, unser Verkehrsminister. Diese politische Lichtgestalt will im Jahr 2020 noch Kaufprämien für SUV mit Dieselmotor auszahlen. Dabei läuten diese Ladenhüter längst den bizarren Abschluss der Verbrenner-Ära ein.

Auch ein paar Förster halten den Klimawandel offensichtlich nur für eine kurze Episode. Einfach Fichten durch Douglasien ersetzen - schon ist alles wieder wie früher. Vor allem die Gewinne. Meinen sie. Dabei müssen wir froh sein, wenn im Landkreis überhaupt noch Wald wächst. In einem Nationalpark bleiben tote Bäume stehen. Man überlässt es der Natur, welche Baumarten nachwachsen. Survival of the fittest. Aber der Mensch kann es ja besser: Weil es "ordentlicher" aussieht, entrindet man bei uns abgestorbene Stämme und setzt sie zu akkuraten Stapeln auf, die man dann im Wald verfaulen lässt. Das schützt vor Borkenkäfern. Man sieht’s!

Wie gut, dass ein paar Ureinwohner einen "Nationalpark Rhön" verhindert haben. Trotzdem: Auf Touristen wirkt es schon ein wenig deprimierend, durch sterbende Wälder zu wandern. Wie wär’s mit einer "Totholz-Extratour" am Premiumwanderweg "Hochrhöner"? Durch bunte Info-Tafeln ließe sich der trostlose Anblick ja vielleicht ein wenig beschönigen.

Ganz klar: Der Klimawandel wird alles verändern. Alles muss auf den Prüfstand. Auch die Landschaftspflege. Bekanntlich halten auf der "Langen Rhön", wo es noch regnet, Rhönschäfchen die Flächen baumfrei. Gleichzeitig vertrocknen im Salzforst die Setzlinge. Oder sie werden von viel zu viel Wild verbissen. Dort wo noch Wald wächst, "pflegt" man ihn weg, und ausgerechnet dort, wo keiner mehr wächst, versucht man ihn anzupflanzen. Alles klar.

Wir müssen endlich anfangen, die Krise als Chance zu begreifen! Unser Trinkwasser wird zum Beispiel immer besser. Und teurer. Es kommt künftig ja auch von weit her. Die Bauern werden es nicht mehr mit Nitrat belasten. Noch ein paar Dürrejahre und Landwirtschaft, wie wir sie kennen, wird es bei uns nicht mehr geben. Bestenfalls baut man noch Hirse an. Erste Versuche verliefen vielversprechend. Wichtig wäre jetzt, sich mit Ländern auszutauschen, die bereits Erfahrung im Umgang mit Halbwüsten haben.

Mal ehrlich: Was hat "Neuscht" eigentlich noch mit seiner verregneten Partnerstadt Pershore gemein? Was? Über 58 Prozent stimmten dort für den Brexit. God Save the Queen! Sind das die Früchte einer mit Steuermitteln geförderten Partnerschaft, die eigentlich dem Zusammenwachsen Europas dienen soll? Wenn es schon keine Gemeinsamkeit mehr in der Haltung zur EU gibt, warum dann nicht wenigstens beim Klima? In Barsalogho, einer aufstrebenden Kleinstadt in der Sahelzone, regnet es so viel wie bei uns. Die vielen jungen Menschen – es gibt dort fast nur junge - sind begeistert von Europa. Einer Partnerschaft mit unserem schönen Industriestädtchen stünde aus ihrer Sicht absolut nichts im Weg. Im Gegenteil! Und mit Hirseanbau kennen sie sich auch aus. Man muss sich das vorstellen.