Bad Neustadt

Glosse: Politikverdrossenheit

Auch in der Heimat macht sich in letzter Zeit eine gewisse Politikverdrossenheit breit. Denken Sie nur an das sogenannte "Politiker-Derbläggn", das die Franken - wie so vieles! – von den Oberbayern abgekupfert haben. Als ob es die "Barnabasse" dieser Welt besser könnten, wenn sie etwas zu melden hätten! Es ist ja so leicht, immer nur zu kritisieren. Wegen jeder Kleinigkeit werden Volksvertreter heute in den Schmutz gezogen. Dabei müssen in einer Demokratie eben auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden.

Das Abholzen der Herschfelder "Ginko-Allee" zum Beispiel. Was blieb den Stadträten denn übrig? In unserem schönen Industriestädtchen hinkt man in puncto Klimaschutz eben noch hinterher. Selbst die Fraktion der Grünen hätte nicht geschlossen gegen den Kahlschlag gestimmt, heißt es. Dafür werden sie jetzt von wütenden Herschfeldern als "Knauker" beschimpft, die alles immer nur brav abnicken würden. Sicher, von Grünen erwartet man schon irgendwie, dass sie beim Reizthema "Bäume für Parkplätze" Position beziehen. Wozu wählt man sie denn sonst? Aber unsere Altgrünen im Stadtrat sind eben nicht mehr die Jüngsten.

Auch im Stadtteil Dürrnhof brodelt es. Der gleiche Stadtrat hat dort nämlich den Planungen für einen gigantischen Solarpark bislang mehrheitlich sein OK gegeben, von dem ganze sieben (7) Dürrnhöfer profitieren. Und wie! Die restlichen 265 Ortsbewohner ziehen dagegen kaum Vorteile aus dem Projekt. Sie schauen künftig in die Röhre, bzw. auf ein riesiges, finsteres Paneelen-Meer, das sie zu verschlingen droht. Der Neuschter Rathauschef hatte wohl irgendetwas von "Bürgerbeteiligung" in Aussicht gestellt, aber daran glauben die Ureinwohner nicht mehr.

Hatte sich nicht seinerzeit auch unser Landrat für einen genossenschaftlich genutzten Windpark bei Wülfershausen stark gemacht, bevor er die Windkraftnutzung in der Heimat plötzlich für "unrentabel" hielt und sich um 180 Grad drehte? Genau wie Horst "Drehhofer"! Aber es kam noch besser: Seit dem 1. Januar 2021 ist die Überlandwerk Rhön GmbH nämlich neuer Gesellschafter der Energieallianz Bayern, die sich zum Ziel gesetzt hat, Projekte im Bereich erneuerbare Energien zu realisieren. Jawohl! Und wer ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Überlandwerk Rhön GmbH? Wer? Richtig - unser Landrat! Wo er doch die Windkraftnutzung bei uns für so unrentabel hält.

Ausgerechnet! Die ehemaligen Genossen schäumen vor Wut. Das sei kein "Schlag ins Gesicht", sondern ein "Tritt in die Eier", äußerte ein Betroffener in bestürzender Direktheit. Wieso genehmigt man bei uns Solarparks und lehnt die viel effizienteren Windparks ab? Warum zieht die Provinz das Flache dem Aufstrebenden vor? Damit sie nicht auffällt? Wie gesagt: Es ist ja so leicht immer nur zu kritisieren.

Das gilt erst recht für die "Große" Politik. Die bringe es irgendwie nicht mehr, lästern viele. Nur noch digitalisierte Bürokratie, die nie funktioniert. Nehmen Sie das "Impfdebakel". Hatte die trotz Frisör-Lockdowns stets adrett geföhnte EU-Präsidentin Ursula von der Leyen in ihren theatralischen Auftritten nicht das "Licht am Ende des Tunnels" heraufbeschworen? Ein wahrer Shitstorm fegt jetzt über sie hinweg.

Und mit wie viel bösartiger Häme wurde Donald Trump in den asozialen Medien überschüttet, als er im Dezember verkündete, seine "großartige Nation" werde demnächst über "phantastische Impfstoffe" verfügen und die "größte Impfkampagne der Welt" starten. Bis zum Sommer könnten alle US-Bürger "save" sein.

Und was ist aus den Prognosen dieses "Großmauls"  geworden? Sie haben sich - zumindest in diesem einen Punkt - bewahrheitet, auch wenn das nicht sein Verdienst ist. In den USA werden jeden Tag zwei Millionen Menschen geimpft. Ganz unbürokratisch. Man muss sich das vorstellen.