Bad Neustadt

Glosse: Stille Nacht

Eine derartig besinnliche Adventszeitzeit hat die Heimat seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr erlebt. Trotz eines großartigen Krisenmanagements wurden wir kurzzeitig sogar zum Hotspot. Im Nachbarlandkreis Hildburghausen erreichte die Inzidenzzahl astronomische Werte. Daraufhin randalierten 400 selbsternannte Pandemie-Experten für "mehr Demokratie". Natürlich ohne Masken. Hoffentlich kommen die heimischen Irrlichter nicht auf die gleiche Idee! Nicht, dass am Ende zusammenwächst, was zusammengehört.

Im Netz haben Fachleute jetzt ultimative Beweise dafür vorgelegt, dass die "Querdenker" nicht nur von Donald Trump, sondern auch von der deutschen Fleischindustrie gesteuert werden. Die Branche leidet bekanntlich besonders unter der "Corona-Diktatur", weil für ihre osteuropäischen Mitarbeiter neuerdings die Menschenrechte gelten. Das verzerrt den Wettbewerb!

Während es also bei den "Ossis" wieder einmal rumort, liegt über der Herschfelder Falltorstraße eine geradezu weihnachtliche Stille. Vor allem nachts. "Schlaf in himmlischer Ruh!" Die Sanierungsarbeiten sind dort abgeschlossen und die gesperrte Kirchstraße hält den infernalischen Campus-Verkehr fern. Noch! So macht Wohnen Spaß. Aber einigen Nörglern reichte das offensichtlich nicht. Gerüchten zufolge hatten sie durchgesetzt, dass man das Geläut der Herschfelder Kirchturmuhr abschaltete. Ja! Von wegen "Reparatur". Es ist eine Schande!

Mitten in Franken fallen Glockenschläge dem übertriebenen Ruhebedürfnis heidnischer Minderheiten zum Opfer. Denn "Katholen" waren das nicht. Auch in Herschfeld leben immer mehr Ü50er. Obwohl wir Alten nachweislich schlechter hören als die Jungen, reagieren wir auf Lärm viel empfindlicher. Die reinsten "Sensibelchen"! Aber deshalb die Glocken abschalten? Da zahlt man brav seine Kirchensteuer und dann wird eine Serviceleistung nach der anderen gestrichen. Gott sei Dank sind die Verantwortlichen wieder zur Vernunft gekommen: Seit Dienstag weiß jeder wieder, was es geschlagen hat.

Das Gejammer über den Lärm hat aber auch sein Gutes. Im Stadtrat haben jetzt ausgerechnet die Schwarzen mit ca. vierzigjähriger Verspätung beschlossen, es doch einmal mit einem Verkehrskonzept für Bad Neustadt zu versuchen. Es steht unter dem Motto "Freie Fahrt für freie Bürger". Mit etwas Glück wird am Ende für drei Sträßchen das Fahrzeuggewicht auf 3,5 Tonnen beschränkt. Der ganz große Wurf!

Üblicherweise müssten die Stadträte jetzt eine Studie in Auftrag geben. Genau wie der Landrat. Der hat bekanntlich schon vor Jahren versprochen, dass sich unser öffentlicher Nahverkehr bald mit den S-Bahn-Netzen von Großräumen messen kann. Obwohl er dafür von Vielen belächelt wird, ist er seinem Ziel deutlich näher gekommen: Das Premiumprodukt "BusTaxi" wird seit seiner Einführung im Durchschnitt täglich schon von 0,96 Fahrgästen genutzt.

Vor allem in den Stadtteilen Mühlbach und Neuhaus dürfte man derweil sehr gespannt auf ein Verkehrskonzept sein. Die Rhön-Klinikum AG hat dort mit ihrer neuen Trauma-Klinik den halben Kurpark zugebaut und zieht immer noch mehr Verkehr an. Die Stadt genehmigt prinzipiell alles. Im Gegenzug hat der Konzern ihr jetzt die nutzlosen Heilquellen zurück "geschenkt". Künftig müssen wir Steuerzahler also jährlich 80 000 Euro dafür berappen, dass unser schönes Industriestädtchen auch weiterhin mit dem Titel "Bad" hochstapeln darf, was übrigens laut Aussage eines mutigen SPD-Stadtrats auch viel billiger möglich gewesen wäre. Die Rhön-Klinikum AG bleibt zum Wohl der Aktionäre einmal mehr ihrer alten Philosophie treu: Kosten sozialisieren - Gewinne privatisieren. Man muss sich das vorstellen!