Mellrichstadt

Stehende Ovationen für „Unterm selben Stern“

Mit dem Stasi-Besuch bei den Eltern versuchte das Regime, Uwes Fluchtambitionen durch massive Drohungen zu beenden.

Es ist erstaunlich und beeindruckend, was für eine Kreativität der Geist Udo Lindenbergs in der Mellrichstädter Mittelschule auslöst. Dort entstand ein Theaterstück mit dem Titel „Unterm selben Stern“, das dreißig Jahre nach dem Mauerfall ein Zonengrenzdrama aufgreift, welches nach einer realen Stasi-Akte entstand und eine Liebesgeschichte behandelt. Schulleiter Achim Libischer griff dabei selbst zur Feder und schuf ein Theaterstück mit musikalischen Zwischenspielen, das in der vollbesetzten Oskar-Herbig-Halle uraufgeführt und mit stehenden Ovationen und Jubelrufen vom begeisterten Publikum bedacht wurde.

Es gab zwar viele Protagonisten, die diese Theateraufführung ermöglichten, doch der Ideengeber und Autor dieses Projekts, Achim Libischer, legte Wert auf die Feststellung, dass die Stars des Abends die hundert mitwirkenden Schülerinnen und Schüler seien. Professionelle Hilfe bekamen sie zeitweise auch von Theaterpädagogin Julika Kren vom Theater Maßbach.

Reale Handlung fand vor gut 30 Jahren statt

Die reale Handlung hat sich im echten Leben tatsächlich vor gut dreißig Jahren im Raum Oberfranken/Thüringen abgespielt, wurde aber im Theaterstück in die Orte Meiningen und Mellrichstadt verlegt, wo das junge Liebespaar die Namen Uwe und Marion erhielt. Beide hatten sich im Zuge von Verwandtenbesuchen im kleinen Grenzverkehr kennen- und lieben gelernt, sich Liebesbriefe geschrieben und nur selten gesehen. Die Sehnsucht füreinander wurde immer größer und führte bei Uwe zu einem Fluchtversuch.

Die szenischen Darstellungen begannen mit einem Videoclip, an der zwei Schüler die heutige Marion treffen, die im Gespräch von ihrer unvollendeten Liebesgeschichte erzählte. Dann folgte in sieben sehr gut dargestellten Spielszenen die Aufführung der Liebesgeschichte ohne Happyend, beginnend mit der Briefkontrolle in einem Stasibüro. Ein Stasioffizier las den ersten Liebesbrief vor.

Details machten Geschichte erlebbar

Mit vielen weiteren Details wurden Details aus der Zeit des Kalten Kriegs veranschaulicht. Die DDR-Jugend durfte viele ihrer Vorlieben nicht ausleben, Ost-West-Beziehungen waren unerwünscht. Sogar Musikkassetten und Schallplatten aus dem Westen waren verboten.

Nach der Szene mit dem Liebesbrief, den Marion erhielt, hatte der Schulchor unter der Leitung von Kerstin Sauer seinen ersten Auftritt mit dem emotionalen Song „Kompliment“ von Sportfreunde Stiller. Sauer dirigierte auch eine Szene später das Mädchen-Septett beim Vortrag des Karat-Klassikers „Albatros“. Begleitet wurden alle Gesangsstücke vom Schulorchester unter der Leitung von Bastian Reukauf.  Aus Liebe zu Marion entschloss sich Uwe zur Republikflucht. 

Bei dieser trat er jedoch auf eine Mine, die sein Bein zerfetzte. Er landete im Jugendknast. Das war der Anfang vom Ende der Liebesgeschichte, denn obwohl Marion trotz der schweren Verletzung mit Uwe zusammenleben wollte, wurde der Kontakt durch die DDR gekappt und Marion bekam ihren Uwe dann nicht mehr zu sehen, wie man aus der letzten Videosequenz erfuhr. 

Bewegende Schlussworte

Denn es gab noch ein paar wichtige Botschaften im Saal zu verkünden, die in zwei Schlussworten zum Ausdruck kamen sowie in zwei weiteren Liedvorträgen, an denen alle Schüler beteiligt waren. Nun kam auch die Udo-Lindenberg-Stiftung ins Spiel, die Hilfe in Afrika leistet. Der Schüler Aaron Schneider verkündete, dass das nächste Projekt der Schule eine Schulpartnerschaft mit einer kenianischen Schule sein wird, die man auch finanziell unterstützen will. Dafür bat er um eine Spende, denn der Eintritt zum Theaterabend war frei gewesen.

Libischer sprach noch ein paar nachdenkliche und bewegende Schlussworte in Bezug auf die Lehren vergangener Kriege für die Gegenwart und gab seiner Freude Ausdruck, dass die Aufführung so gut gelungen war. Dafür dankte er seiner Theater-AG und den Hauptstützen Nadine Büttner (Regiechefin), Nadine Bachmann (Regie, Ausstattung und Souffleuse), Simone Haupt (Grafik & Design), Kerstin Sauer (musikalische Leitung) und Bastian Reukauf (Schulorchester), um nur die wichtigsten zu nennen. Und er lobte seine Schüler, die vor allem „diesen Abend gerockt haben“. 

Das Schulorchester der Udo-Lindenberg-Mittelschule unter Leitung von Bastian Reukauf untermalte gekonnt die ...
Ein von der Stasi-Zensur entdeckter Liebesbrief weckte das Interesse der Republikflucht-Verhinderer.
Der Schulchor unter Leitung von Kerstin Sauer brachte die Liebesgefühle und Sehnsüchte musikalisch zum Ausdruck.
Als es Marion gelang, eine Musikkassette aus dem Westen in den Osten zu schmuggeln, wurde sogleich abgerockt und ...
Westbraut Marion beschwört ihren Vater, den nächsten DDR-Besuch vorzubereiten.
Als es Marion gelang, eine Musikkassette aus dem Westen in den Osten zu schmuggeln, wurde sogleich abgerockt und ...
Die wenigen Zusammenkünfte der verliebten Jugendlichen Uwe (Jonathan Schmitt) und Marion (Sofia Landgraf) waren ...
Die Liebe der beiden ungleichen Jugendlichen weckte die Sehnsucht nach Freiheit, die das Gesangs-Septett mit dem ...
Mit stehenden Ovationen und Jubelrufen wurden die Stars des Abends, rund hundert engagierte Schüler und die ...
Die Liebe der beiden ungleichen Jugendlichen weckte die Sehnsucht nach Freiheit, die das Gesangs-Septett mit dem ...
Schulleiter und Autor Achim Libischer (links) fand stets die richtigen Worte zum eindrucksvollen Theaterspiel.
Auch der vertraute Freundeskreis konnte nicht verhindern, dass er sich der gefrustete Uwe für die Flucht entschied.
Die Stars des Abends, vertreten durch eine Schülerabordnung mit Hauptdarsteller Jonathan Schmitt an der Spitze, ...