Mellrichstadt

Es geht ums Geld: Die AOK besucht das PÜZ in Mellrichstadt

Ulli Feder zeigt im PÜZ wie mit Attrappen Barrieren – zum Beispiel ein Unterschrank unter dem Waschbecken ...

Inwiefern sich Pflegekassen an den Kosten ihrer Kunden für einen Aufenthalt im Pflegeübungszentrum in Mellrichstadt beteiligen, muss ausgehandelt werden. Da das PÜZ, eine Einrichtung des Caritasverbands Rhön-Grabfeld, ein Modellprojekt ist, gibt es noch keine Vorgaben. Die AOK hat nun einen Vertrag mit dem Pflegeübungszentrum abgeschlossen, welche Kosten übernommen werden.

Was wird bezahlt?

In der Vereinbarung, die zunächst auf ein Jahr befristet ist, erklärt sich die Pflegekasse der AOK Bayern bereit, während einem Aufenthalt ihrer Kunden von maximal drei Wochen im Pflegeübungszentrum die Kosten für bis zu drei Schulungen zu übernehmen. Eine Schulung dauert 120 Minuten und kostet 90 Euro.

Bei Bedarf können während des Aufenthalts zwei weitere Schulungen beantragt werden. Die Schulungen müssen nicht die ganzen zwei Stunden am Stück erfolgen, sondern können in mehrere kleinere Einheiten geteilt werden. Die AOK ist Vorreiter bei den Vereinbarungen mit dem PÜZ. "Es ist wichtig, finanziell vertragliche Vereinbarungen einzugehen, damit die Menschen sich das Pflegeübungszentrum leisten können", so Frank Dünisch, Direktor der AOK Schweinfurt.

Im PÜZ wird gelernt

Da auch im PÜZ noch gelernt wird, wie ein Aufenthalt am Besten zu gestalten ist, ist es schwierig genau zu sagen, was für die Patienten als Finanzierung wichtig ist. Die Möglichkeit die Schulungen in kleinere zeitliche Einheiten zu zerlegen, ist ihren Erfahrungen nach gut, sagte Ulli Feder, Pflegedienstleitung der Sozialstation St. Kilian und eine der Ideengeberinnen des Übungszentrums.

Besuch von der AOK Schweinfurt im Modellprojekt Pflegeübungszentrum in Mellrichstadt.

"Das erste Jahr ist das Ausprobierjahr", so Angelika Ochs. Das  grundlegende Konzept des PÜZ passe , aber in der Praxis ergäben sich noch Anpassungen. Neben den Kosten die übernommen werden, müsse im Eigenanteil eine Unterkunftspauschale von 30 Euro pro Nacht für das Apartment erbracht werden, erklärte die Geschäftsführerin des Caritasverbands für den Landkreis Rhön-Grabfeld.

Fachinteresse für Modellprojekt

"Das Pflegeübungszentrum hat in den letzten Monaten viel Interesse gefunden – Fachinteresse", sagte Ochs. Zum Beispiel sei mit Andreas Westerfellhaus der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung zu Besuch gewesen . Das PÜZ ist "tatsächlich einfach ein Ort, um Pflege zu üben", so Ochs weiter. Es gehe darum die Erstüberforderung nach dem Auftreten eines Pflegefalls zu nehmen. 

Die Regionaldirektion der AOK Schweinfurt hat das Pflegeübungszentrum in Mellrichstadt besucht.

Feder und Andrea Ebert, Leiterin der Seniorentagespflege St. Kilian, stellten der AOK–Delegation, bestehend aus Dünisch, vier Pflegeberaterinnen und Lothar Zachmann von der Pressestelle, das PÜZ vor. Bei einem anschließenden Rundgang gaben sie Einblicke ins Übungszentrum.

Künstlich Barrieren schaffen

Das Pflegeübungszentrum sei nicht barrierefrei, sondern nur barrierearm gebaut. Zusätzlich könnten Barrieren geschaffen werden, indem eine Duschwanne simuliert oder die Türen enger gemacht werden, so Feder. Denn schließlich sei es zu Hause meist nicht barrierefrei und der Alltag in den eigenen vier Wänden solle trainiert, die Situation zu Hause nachgestellt werden.

Kleine Dinge, können den Alltag erleichtern. Ein Beispiel sind Stühle mit Griff in der Rückenlehne, die sich ...

Unter anderem gehe es darum, Hilfsmittel kennenzulernen. Das beginne bei ganz einfachen Dingen, die man nicht sofort mit Pflege verbindet. Beispielsweise könnten Stühle, die eine Aussparung in der Rückenlehne haben, um sie leichter greifen zu können oder einem Kaffeevollautomat im Gegensatz zur herkömmlichen Kaffeemaschine eine Erleichterung sein, sagte Ebert.

Sensoren schlagen Alarm

Darüber hinaus gebe es smarte Helfer, wie einen Sensor, den man über den Herd anbringen kann und der bei kritischen Temperaturen Alarm schlägt oder eine Uhr, die Zeit und Datum sagt, zeigte Feder. Bei der Auswahl an Hilfsmitteln habe das PÜZ unter anderem Kontakt mit dem Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen, erklärte Ochs.

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Das Einzugsgebiet des Pflegeübungszentrums ist der Landkreis Rhön–Grabfeld. Solage es keine Warteliste gibt, können auch noch Interessenten von weiter weg aufgenommen werden, erklärte Ochs. Für die Zukunft hoffe man auf zahlreiche Nachahmer des Modellprojekts.

Kaffeevollautomat und Herdsensor sind mögliche Hilfsmittel in der Küche, die im PÜZ ausprobiert werden können.