Schweinfurt

Schweinfurt: 24-Jähriger kommt nach Mordversuch in Psychiatrie

Am Landgericht in Schweinfurt endete ein Sicherungsverfahren wegen versuchten Totschlags.

Ein Mordversuch im Zustand der Schuldunfähigkeit: Mit dieser Erkenntnis endete nun ein mehrtägiger Prozess am Landgericht Schweinfurt. Anlass war ein folgenschwerer Vorfall im Februar dieses Jahres in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende im Landkreis Rhön-Grabfeld. Ein 24-Jähriger soll ohne erkennbaren Grund auf seinen Mitbewohner mit beiden Fäusten mehrfach eingeschlagen haben, um diesen zu töten. Das ging aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervor. Demnach soll er ihn mehrfach am Kopf getroffen haben, bis er zu Boden ging. Daraufhin habe der Beschuldigte wiederholt mit seinen Füßen und Knien auf ihn eingetreten.

Auch soll er mit einem Stuhl mit metallischen Füßen auf den Rücken des Geschädigten geschlagen und diesen auf ihn geworfen haben, wobei er ihn jedoch verfehlte. Als eine Zeugin hinzukam, konnte der verletzte 35-Jährige in Richtung Keller flüchten. Dabei fiel ihm sein Handy auf den Boden, welches der Beschuldigte aufhob und an die Wand warf. Dabei zersplitterte es, heißt es in der Anklageschrift.

Beschuldigter wollte Mitbewohner mit Messer töten

Anschließend, so die Staatsanwaltschaft, soll der Beschuldigte seinen Entschluss weiter verfolgt haben, den Mann umzubringen. Dafür habe er ein Küchenmesser genommen und sei ihm in den Keller gefolgt. "Allerdings hatte sich der Geschädigte so hinter einer Tür versteckt, dass der Beschuldigte ihn nicht finden konnte", heißt es in der Anklageschrift.

Dennoch erlitt der Mann zahlreiche Verletzungen im Gesicht, am Oberkörper, an den Armen und am rechten Knie. Weitere Folgen waren ein akuter Hörsturz sowie ein Nasenbeinbruch. Bis heute leidet er nach eigenen Aussagen unter Angstzuständen. Aufgrund dieser Anschuldigungen musste sich der 24-Jährige vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt verantworten.

Beschuldigter kam kurz nach der Verhaftung in psychiatrische Einrichtung

Laut der Anklageschrift lag beim Beschuldigten bereits zur Tatzeit eine paranoide Schizophrenie und ein schädlicher Gebrauch von Cannabinoiden vor. Er sei daher zur Tatzeit nicht in der Lage gewesen, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. "Der Beschuldigte ist daher hinreichend verdächtig, im Zustand der Schuldunfähigkeit versucht zu haben, einen Menschen heimtückisch zu töten", so die Staatsanwaltschaft.

Der 24-Jährige, der seit Monaten in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist und dem es seitdem nach eigener Aussage gut gehe, zeigte sich geständig und räumte die Taten größtenteils ein. Aktuell mache er eine Therapie, nehme Medikamente und "habe deshalb nicht mehr solche Gedanken". Aufgrund der angenommenen Schuldunfähigkeit des jungen Mannes handelte es sich um ein Sicherungsverfahren, bei dem das Ziel nicht eine gewöhnliche Freiheitsstrafe ist, sondern die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt.

In ihren Plädoyers beantragten Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus. Dies ordnete die Strafkammer nun in ihrem Urteil an.