Leser schreiben uns: Insekten- und Artenschutz geht alle an :

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Die Redaktion erreichte folgender Leserbrief zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“:

„Was tun Sie zum Schutz von Insekten? Haben Sie Futterpflanzen für Bienen, Hummeln usw. im Garten oder auf dem Balkon? Haben Sie ein Insektenhotel? Insektentränken? Im letzten Sommer sind viele Insekten schlicht und einfach verdurstet, die Brut vertrocknet. Oder stellen Sie womöglich Insektenfallen auf? Entfernen sie Wespen- und Hornissennester? Das sind schließlich 'Stecher', deshalb werden sie meistens totgeschlagen, ausgeräuchert usw. Lassen Sie den Mähroboter laufen damit Löwenzahn und Co. keine Chance haben? Arbeiten Sie mit Laubsauger und -bläser? Das sind die reinsten Insektenkiller. Haben Sie sich mal in einem Wohngebiet umgeschaut? Überwiegend Stein- oder Felsgärten mit wenig oder gar keinen Pflanzen. Thema Lichtverschmutzung und Flächenversiegelung: Wie viele Falter flattern sich Nacht für Nacht unter Laternen zu Tode?

Die in Bayern insgesamt versiegelte Fläche entsprach im Jahr 2015 gut 4.200 Quadratkilometer – also fast der 8-fachen Fläche des Bodensees. Gegenüber dem Jahr 2000 hat sie durchschnittlich um 44,7 Quadratkilometer pro Jahr zugenommen – was jährlich um mehr als der halben Fläche des Chiemsees entspricht. (Quelle: lfu.bayern.de/umweltkommunal/flaechenmanagement/versiegelung/index.htm) Wo bleiben da die Insekten? Verkehr: Tausende Fahrzeuge, tausende Windschutzscheiben, tausende tote Insekten.

Mir ist das Volksbegehren in dieser Hinsicht zu einseitig; es soll alles auf die Landwirtschaft abgewälzt werden. Warum gibt es überhaupt industrielle Landwirtschaft? Das war Wunsch der Politik – Lebensmittel sollen hierzulande so billig wie möglich sein. Und wer wird jetzt dafür verantwortlich gemacht? Natürlich nicht die Politiker – wo denken Sie denn hin – wir Bauern sind es, wer denn sonst …

Haben Sie es gelesen? Diese Woche in der Zeitung: Der Kunde kauft überwiegend Fleisch aus Massentierhaltung im Discounter. Soviel zu Tierwohl und Bio. Wer kauft dann die 30 Prozent mehr deutsche Biolebensmittel die erzeugt werden sollen? Das sind schon heute Ladenhüter. Wussten Sie, dass Molkereien keine Biomilch mehr annehmen, weil sie sich nicht verkauft? Für Bioerzeugnisse aus fernen Ländern scheint es dagegen einen Markt zu geben, denn warum sonst gibt es biologische Lebensmittel z. B. aus Ägypten? Für mich sind diese Produkte so weit von Bio entfernt wie der Mond. Ich sage nur Feinstaub – aber halt, dafür sind ja auch wir, die deutschen Bauern, verantwortlich.

Ein Vorschlag: Landwirte sollen ihre Wiesen erst nach dem 15. Juli mähen dürfen (was übrigens mit einem Teil der Wiesen schon gemacht wird). Landwirte brauchen aber das Gras als Viehfutter. Privatgärtner und städtische Kommunen dürfen mähen, wann und wie oft sie wollen, obwohl das Schnittgut aus Gärten, Parks und Grünanlagen bestenfalls als Mulch verwendet wird. Das meiste aber landet auf dem Grünabfallplatz. Und warum sind Parks und Grünanlagen fast immer nur langweilig grün und nicht bunt? Das könnten doch ebenso herrliche Insektenweiden sein. Insekten- und Artenschutz geht alle an!

Dann gibt es da noch die Idee, dass Insekten 'Das Lebensmittel von Morgen' sein sollen und die Weltbevölkerung ernähren!“

Anita Karlein,

Mellrichstadt