TISCHTENNIS TTBL

Alles andere als ein Ruhmesblatt

Tischtennis

Bundesliga TTBL TTC indeland Jülich – TSV Bad Königshofen 2:3

Wer den Bad Königshöfer Bundesliga-Tischtennisspielern die Daumen drückt und ihre aktuelle Form kennt, der richtete sich am Sonntag daheim vor dem Computer auf einen entspannteren Nachmittag als an so vielen Sonntagen dieser Saison ein. Die Mannschaft um Kilian Ort spielte zwar als Vorletzter beim Letzten. Doch zehn Punkte Vorsprung bei Punktgleichheit mit Bremen, Grünwettersbach und Grenzau und 0:30 Punkte von Jülich sollten doch die Relationen zurechtrücken. Es war angerichtet: Jene drei sollten verlieren und der TSV gewinnen und schon wäre man wieder Siebter.

Kein entspannter Nachmittag

Doch zumindest für diese Runde gilt: Es gibt für Bad Königshofen keinen Gegner, bei dem man so einfach die Punkte abholen kann. Es wurde also wieder kein entspanntes Zuschauen. Es war das spannendste Spiel, das die Jülicher Zuschauer in dieser Saison zu sehen bekamen. Wieder mussten die Bad Königshöfer über 23 von 25 möglichen Sätzen gehen. Ob es Einstellungssache war bei den Gästen? Bei den Gastgebern stimmte sie auf jeden Fall. Ein Fragezeichen war auch ausgeräumt: Kilian Orts Schulter ließ seine Mithilfe zu. Doch zur Pause hätte es statt 1:1 durchaus 2:0 für, aber auch 0:2 gegen die Rhön-Grabfelder stehen können.

Die Partie begann mit einem 0:6-Rückstand von Kilian Ort. Aber hohe Führungen waren keine Lebensversicherung in diesem insgesamt verrückten Spiel. Kilian Ort hatte zwar in der 2. Bundesliga schon zwei Mal gegen den Belgier Martin Allegro verloren. Aber der ging mit 0:16-Bilanz an den Tisch und machte doch für Ort die Nordhalle von Jülich zur Hölle. Der Ort noch entrann: Er holte sich diesen Satz noch mit 13:11. Sollte dieser Satz das Strickmuster für den ganzen Spielverlauf sein?

Sehr wohl. Kilian Ort hatte im vierten Satz bei 8:4 den Sieg zum Greifen nah, schlug sich an die Schläfe bei 8:7 und schüttelte ungläubig den Kopf bei 8:10, konnte das 8:11 und den fünften Satz aber nicht vermeiden. In diesem lag er 5:0 vorne, strapazierte auch hier nicht nur seine eigenen Nerven und zitterte sich in diesem noch leicht verrückten Spiel zum 11:7 durch. Aber eben doch zur 1:0-Führung.

Ungläubiges Kopfschütteln

Wesentlich verrückter verlief Mizuki Oikawas Match gegen den in der Rückrunde noch sieglosen Robin Devos, den er im Hinspiel klar im Griff hatte. Danach sah es in diesem Spiel auch immer wieder aus. 10:6 führte Oikawa im ersten Satz, dann schlich sich auch bei ihm das Ort-Allegro-Syndrom ein – 11:13. Auch Oikawa schüttelte ungläubig den Kopf. 9:6-Führung im vierten Satz und noch einmal 10:9-Matchball. Hier stand womöglich das gesamte Match auf der Kippe. Am Ende 12:14. Insgesamt hatte Oikawa bei seiner dritten 2:3-Niederlage hintereinander zwölf Satzbälle, gewann aber nur zwei Sätze. Devos machte aus deren acht drei Sätze und seinen fünften Sieg in dieser Saison.

Bence Majoros bricht ein

Wie würde das Duell der zwei Spieler aus der hintersten Abteilung der Spielerrangliste der TTBL enden, Dennis Klein (1:12) gegen Bence Majoros (3:13)? Auch das dritte Einzel sollte über fünf Sätze gehen. Wie so oft lag Majoros mit 2:1 vorne und brach wieder völlig ein. Nach 2:11 im fünften Satz reckte Dennis Klein die Siegerfaust nach oben, zum zweiten Mal in dieser Saison – 1:2-Rückstand für den TSV. Danach stellte Mizuki Oikawa wieder Reset auf Null, machte mit Allegro kurzen Prozess. Er glich zum 2:2 aus und sorgte dafür, dass der ehemalige Europapokalsieger Jülich zum ersten Mal in der Saison ein Doppel spielen durfte, die Bad Königshöfer zum siebten Mal.

Jedem war inzwischen klar, dass die Jülicher Allegro, ihren Schwächsten, taktisch auf Position 1 gestellt hatten, um die Besseren im Schlussdoppel aufbieten zu können. Die ersten zwei Sätze setzten die TSV?ler Ort/Majoros gegen Devos/Klein in den Sand. Aber die beiden Grabfelder kamen zurück und glichen aus.

Kilian Ort legt mächtig zu

Im fünften Durchgang legte Kilian Ort mächtig zu, machte kaum noch Fehler. Majoros hätte eigentlich nur noch den Ball halten müssen. Ab 4:4 zogen sie ihren verunsicherten Gegnern aber doch noch den Zahn und machten endlich einmal in einem Match über fünf Spiele den Sack zu. Ein Ruhmesblatt war dieser 3:2-Sieg aber nicht für den TSV Bad Königshofen und passte so gar nicht in die Aufbruchstimmung nach dem Steger-Transfer. (rd)

Ergebnisse

Martin Allegro – Kilian Ort 2:3 (11:13, 11:9, 6:11, 11:8, 7:11)

Robin Devos – Mizuki Oikawa 3:2 (13:11, 11:13, 8:11, 14:12, 11:8)

Dennis Klein – Bence Majoros 3:2 (11:7, 10:12, 9:11, 11:5, 11:2)

Martin Allegro – Mizuki Oikawa 0:3 (7:11, 8:11, 9:11)

Devos/Klein – Ort/Majoros 2:3 (11:5, 11:7, 7:11, 7:11, 7:11)

Zuschauer: 170.