FUßBALL

Fußballmannschaft droht das Aus

Hängt das Tor zukünftig dauerhaft am Haken oder wird beim VfL Sportfreunde Bad Neustadt in der kommenden Saison noch ...

Schwierige Zeiten durchlebt die Fußball-Abteilung des VfL Sportfreunde Bad Neustadt. Ihr Flaggschiff, die 1. Männermannschaft, kämpft in der Kreisliga Rhön um den Klassenerhalt. Das ist im Augenblick aber das geringere Problem. Es geht um mehr, um Existenzielles: um den Fortbestand der Mannschaft. Vielerorts sahen sich Vereine in den vergangenen Jahren gezwungen, Spielgemeinschaften einzugehen, um das eigene sportliche Überleben zu sichern. Und an diesem Punkt ist der Traditionsverein angekommen. Seine personelle Situation hat sich zugespitzt, er braucht und sucht einen Partner. Der TSV Brendlorenzen hätte einer werden können. Aber von dort kam, per Beschluss der gesamten Vorstandschaft, eine Absage.

Kader ist sehr ausgedünnt

In der Jahreshauptversammlung des VfL Sportfreunde hatte der Bericht des Abteilungsleiters Benedikt Kolb offenbart, dass es fünf vor zwölf ist. „Eigentlich wollten wir uns auf eine ruhigere Saison 2018/19 einstellen“, hieß es da. Aber der personelle Aderlass zu Beginn der Runde „machte allen klar, dass schwere Zeiten auf uns zukommen.“ Neun Spieler verließen den Verein, weitere drei in der laufenden Saison – dem standen vier Neuzugänge gegenüber. „Der Kader ist sehr ausgedünnt und wir ringen um jeden einzelnen Mann.“

Sehr ruhig war es im Vereinsheim in den Hofwiesen geworden, als ein Satz fiel, der Betroffenheit auslöste: „Ob es in der kommenden Runde 2019/20 eine Männermannschaft geben wird, ist fraglich“, so Kolb. Und weiter: „Unsere Mannschaft ist überaltert und der Kader zu dünn. Wir streben eine Spielgemeinschaft an. Verhandlungen dazu laufen. Der Ball liegt bei unserem hoffentlich zukünftigen Partner.“ Gemeint war der TSV Brendlorenzen, dessen Sportgelände und Vereinsheim nur einen Katzensprung von den Hofwiesen entfernt liegen.

Alleine nicht mehr zu stemmen

„Ja, der VfL Sportfreunde ist an unsere Fußball-Abteilung herangetreten“, sagt TSV-Vorsitzender Jürgen Maul. Es war Thema in der Vorstandssitzung des TSV, die drei Tage nach der VfL-Jahreshauptversammlung stattfand. „Wir haben sehr ausführlich erörtert und diskutiert. Es gab einen eindeutigen Beschluss, die bestehende, gut funktionierende Spielgemeinschaft mit Windshausen nicht um einen weiteren Verein zu erweitern.“ Zu den Gründen wollte Maul nicht ins Detail gehen. Wie auch Abteilungsleiter Michael Dietz nicht.

„Man könnte es in einem Satz sagen oder ein Buch schreiben“, sagt Benedikt Kolb, Fußball-Abteilungsleiter des VfL Sportfreunde Bad Neustadt. „Wir suchen seit knapp zwei Jahren aktiv nach einem Partner für eine Spielgemeinschaft“, hat man beim VfL die Augen vor der Wirklichkeit nicht verschlossen. „Uns war klar, dass wir es nicht mehr alleine stemmen können.“ Kolbs Erkenntnis: „Wir suchen und finden niemanden.“ „Vier bis fünf Vereine“ habe man angesprochen. „Es kam leider nichts zustande.“

Kampf gegen Windmühlen

Kolb sieht das Hauptproblem darin, dass „manche Vereine zu kurzfristig denken. Eine Schwemme an Jugendspielern hat Bad Neustadt nicht. Die Probleme werden aber erst dann konkret, wenn sie einen selbst betreffen.“ In welcher Liga der VfL Sportfreunde nächste Saison, wenn überhaupt, spielt, „das ist egal. Es geht um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebes.“ Die aktuelle Situation bringt Kolb mit „jeder muss immer“ auf den Punkt. Sich am Wochenende mal ausklinken, ist nicht drin, jeder Spieler werde gebraucht. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“, klingt Resignation durch.“ Und er ergänzt: „Fußball ist nicht familienkompatibel.“

Der Wunschkandidat sagt ab

„Ja, wir hatten einen Wunschkandidaten“, wird er konkret. „Leider hat sich der TSV Brendlorenzen gegen uns entschieden“. Kolb hätte interessiert, „wie die Mannschaft selbst abgestimmt hätte“. Egal, wohin die Reise des VfL Sportfreunde führt – es werde in jedem Fall eine Ära enden. Mit vielen seiner Teamkameraden sei er von der Grundschule an einen längeren Lebensweg gemeinsam gegangen. „Schade, wenn es nun abrupt endet. Aber so wie jetzt kann es nicht weitergehen.“ Er freue sich auf die restlichen Spiele und werde all das, was Fußball ausmacht – auch das gemütliche Beisammensein – genießen. Den Spielern, die dem VfL in der schwierigen Zeit zur Seite stehen, „zolle ich Respekt und ziehe meinen Hut vor ihnen.“

Werden die zwei Sportplätze des VfL Sportfreunde Bad Neustadt in den Hofwiesen tatsächlich in der Saison 2019/20 fußballfrei – zumindest was die 1. Männermannschaft betrifft? Die nahe Zukunft wird es zeigen.