Fußball

Aubstadt hat trotz der 2:5-Niederlage jede Menge Spaß in Schweinfurt

Schweinfurts Martin Thomann (links) stellet seine ehemaligen Aubstädter Kollegen (rechts Tim Hüttl) immer wieder vor große Probleme. Foto: Marion Wetterich

Über sieben Monate mussten sich die Fußballer des TSV Aubstadt gedulden, ehe sie wieder in einem Pflichtspiel auf dem Platz stehen durften. Nach der 2:5 (1:3)-Niederlage beim FC Schweinfurt 05 in der Trostrunde des Ligapokals ist für die Grabfelder nach nur einem Spiel zwar erst einmal wieder Pause, dennoch blickte man nach Spielende in überwiegend glückliche Gesichter auf Seiten des TSV. Besonders stolz war TSV-Trainer Victor Kleinhenz, der positiv überrascht war vom couragierten Auftritt seiner Mannschaft und für den das Ergebnis daher fast schon zweitrangig war. "Ich habe zu den Spielern gesagt, dass sie die 90 Minuten genießen sollen. Nach dieser langen Pause vor Zuschauern in einem schönen Stadion gegen einen starken Gegner spielen zu können ist nicht selbstverständlich."

Aubstadt startet frech ins Spiel

Dass die Aubstädter richtig Lust auf das Spiel hatten, merkte man ihnen dann auch ab der ersten Minute an. Statt wie von vielen erwartet defensiv und abwartend zu agieren, setzten die Gäste in der Anfangsphase selbst die ersten Akzente. Auch ohne ihren besten Torschützen Ingo Feser, der sich vor einigen Tagen auf den Weg in den Urlaub Richtung Kanaren verabschiedet hatte, attackierten die Grabfelder früh und kamen dadurch schnell zu ersten Abschlüssen. So war es Timo Pitter, der nach einem verunglückten Befreiungsschlag von FC-Keeper Luis Zwick in der dritten Minute den ersten Torschuss des Spiels abgab. Vier Minuten später hatte Michael Dellinger nach einem Sololauf in den Strafraum die Möglichkeit zum 1:0, bei seinem Abschluss brachte er aber zu wenig Druck hinter den Ball.

Mit zunehmender Spieldauer rissen dann aber die Schweinfurter, die eine Woche vor dem Relegations-Hinspiel zur 3. Liga gegen den TSV Havelse nahezu in Bestbesetzung aufliefen, das Spielgeschehen an sich und drängten die Gäste immer tiefer in deren Hälfte zurück. TSV-Torhüter Lukas Wenzel konnte sich mehrfach auszeichnen, richtig große Chancen erspielten sich die 05er zunächst aber noch nicht. In der 22. Minute durften die 250 Fans auf der Haupttribüne dann aber doch jubeln. Der Ex-Aubstädter Martin Thomann hatte sich auf der linken Außenbahn durchgesetzt und flach in den Rücken der TSV-Abwehr gepasst. Adam Jabiri ließ den Ball für den besser postierten Kevin Ferry durch, der mit einem platzierten Schuss ins untere Eck für das 1:0 sorgte.

Kurze Freude nach dem Aubstädter Anschlusstreffer

Spätestens jetzt war bei den Gastgebern jene Spielfreude zurück, die sie bereits in den Play-off-Spielen gegen Bayreuth und Aschaffenburg gezeigt hatten. Dennoch hätte es nach knapp einer Stunde 1:1 stehen können, wenn nicht sogar müssen. Michael Dellinger, die einzige Spitze der Aubstädter, tauchte aus dem Nichts vor Luis Zwick auf, war ob des Freiraums wohl aber selbst überrascht und scheiterte am Schweinfurter Schlussmann. Wie man es besser macht, zeigte wenig später auf der anderen Seite Adam Jabiri. Nach einer Flanke von Amar Suljic war der vor wenigen Tagen 37 Jahre alt gewordene Stürmer zur Stelle und köpfte zum 2:0 ein (34.). Von Resignation war bei den Gästen aber nichts zu merken, ganz im Gegenteil. Der agile Timo Pitter macht nach einem schönen Spielzug und einem platzierten Schuss ins untere Eck mit seinem Anschlusstreffer die Begegnung wieder spannend.

Die Freude über das erste Aubstädter Tor seit dem 31. Oktober 2020 währte aber nur kurz. Denn nun kam der große Auftritt des ehemaligen Aubstädter Publikumsliebling Martin Thomann, der nach Ablage von Adam Jabiri den alten Zwei-Tore-Abstand wiederherstellte. Den anschließenden Torjubel verkniff sich Thomann, der in Aubstadt noch immer viele Freunde hat. Dass der 27-Jährige gegen seinen Ex-Klub überhaupt spielen würde, war angesichts seines Startelfeinsatzes unter der Woche im Vorfeld in Frage gestellt worden. "Martin verträgt immer 90 Minuten. Weil er es selbst will und es kann. Schaut euch mal seinen Oberkörper ohne Trikot an, das kommt nicht nur vom Mannschaftstraining", gab Schweinfurts Trainer Tobias Strobl die Antwort auf diese Frage.

Vincent Held gibt kurz vor Schluss sein Debüt im Aubstädter Trikot

So stand Thomann auch nach dem Seitenwechsel weiterhin auf dem Platz und musste dabei mit ansehen, wie die Aubstädter nach 55 Minuten erneut verkürzten. Diesmal war der Torschütze Julius Benkenstein, der nach einem Freistoß aus dem Halbfeld zum 2:3 einköpfte. Spannung kam aber nur kurz auf, denn erneut hatten die Schnüdel die passende Antwort parat. Nach schöner Vorarbeit von Daniel Adlung war wieder einmal Adam Jabiri zur Stelle, der den Ball aus kurzer Distanz zum 4:2 über die Linie drückte. "Es war ein bisschen schade, dass wir jeweils nach unseren Anschlusstreffern sofort wieder ein Gegentor kassiert haben", ärgerte sich Kleinhenz. "Vielleicht hätten wir sonst das Spiel noch spannender gestalten können."

So aber konnte Schweinfurts Trainer Tobias Strobl dem einen oder anderen Spieler eine Verschnaufpause geben und munter durchwechseln. Der Treffer zum 5:2-Endstand war dann gleich eine Co-Produktion der beiden eingewechselten Spieler Aaron Frimpong Manu und Amar Cekic (77.). Auch auf Seiten der Gäste nutzte Victor Kleinhenz das volle Auswechselkontingent aus und verhalf so Vincent Held kurz vor Schluss zum seinem Debüt im Aubstädter Trikot.

Während die Schweinfurter noch vor dem ersten Relegationsspiel gegen den TSV Havelse bereits am Dienstag im Finale der Trostrunde zuhause auf den SV Wacker Burghausen treffen, gibt TSV-Trainer Victor Kleinhenz seiner Mannschaft eine Woche frei. "Am 14. Juni starten wir dann die Vorbereitung auf die neue Saison, in der wir hoffentlich nicht mehr auf den FC Schweinfurt 05 treffen - so schön die Derbys auch waren. Sie haben es aber einfach verdient, in die 3. Liga aufzusteigen."

Statistik des Spiels

Fußball, Ligapokal-Trostrunde
FC Schweinfurt 05 - TSV Aubstadt 5:2 (3:1)
Schweinfurt: Zwick - Haas, Billick, Maier (46. Yarbrough), Grözinger - Ferry (60. Laverty), Ramser - Suljic (74. Manu), Adlung, Thomann (74. Cekic), - Jabiri (60. Marinkovic).
Aubstadt: Wenzel - Langhans (60. Leicht), Hüttl, Benkenstein, Seufert - Müller, Volkmuth (71. Grader) -  Pitter, Dierke (71. Bieber), Rumpel (71. Trunk) - Dellinger (85. Held)
Schiedsrichter: Manuel Steigerwald (Karlburg). Zuschauer: 250 (ausverkauft). Tore: 1:0 Kevin Ferry (22.), 2:0 Adam Jabiri (34.), 2:1 Timo Pitter (40.), 3:1 Martin Thomann (43.), 3:2 Julius Benkenstein (55.), 4:2 Adam Jabiri (57.), 5:2 Cekic (77.).