Tischtennis: Bundesliga

Borussia Düsseldorf hält den Angriffen des TSV Bad Königshofen stand

Kilian Ort (links, TSV Bad Königshofen) und Timo Boll (Borussia Düsseldorf) im Duell der Generationen. Es roch nur kurz nach einer Überraschung. Foto: Rudi Dümpert

Es gibt gewiss nicht viele Sportarten, in denen sich das Publikum nach einer Niederlage des Gastgebers mit stehenden Ovationen bei den Sportlern bedankt und alles andere als enttäuscht nach Hause geht. Und es gibt auch nicht viele Arenen in Deutschland, in denen der Beste der Gäste von eben diesem Publikum mit stakkatoartigem Klatschen und Rufen seines Vornamens begrüßt wird. Timo Boll von Borussia Düsseldorf muss am Dienstagabend beim Spiel der Tischtennis-Bundesliga TTBL in der Bad Königshöfer Shakehands-Arena die Gänsehaut aufgegangen sein, bei der Vorstellung der Mannschaften und als er den Angriffen des Lokalmatadors Kilian Ort wieder einmal standgehalten und letztlich doch gewonnen hatte.

Zum Spitzenduell Steger gegen Boll kommt es nicht 

Und zum Zeichen der Sympathiebekundung erhoben sich die 250 Menschen in der ausverkauften Halle, als Kristian Karlsson gegen den TSV-Neuzugang Maksim Grebnev im fünften Entscheidungssatz niedergerungen, den 3:0-Sieg für seine Mannschaft perfekt gemacht und damit die Spitzenpaarung Steger gegen Boll verhindert hatte. Nein, es hatte zweieinhalb Stunden lang Spitzensport auf hohem Niveau gegeben, und es gab nichts zu bereuen.

Alle hatten ihr Bestes gegeben, Spieler wie Zuschauer und der gesamte Helferstab. Auch Bastian Steger, der sich Anton Källberg (24) gegenüber sah, dem wertvollsten Spieler der vergangenen TTBL-Saison. Wertvoll hin oder her: Vom Wert des liebevoll "Basti" Genannten für den TSV muss der trotz oder gerade wegen seiner 40 Lenze niemanden mehr in Tischtennis-Deutschland überzeugen. Trotz oder gerade wegen dieses 35 Minuten dauernden Kampfs der Generationen.

Das Eröffnungseinzel schreit nach einem Unentschieden

Und so wurde auch diese Partie ein Hauen und Stechen auf hohem Niveau. Das bei 6:11, 11:6, 11:8, 5:11 und 8:8 im fünften Satz förmlich nach Unentschieden schrie. Vielleicht muss Steger sogar noch eine kleine, aber nicht unbedeutende Wahrnehmung in seiner Erinnerung löschen, weil sich so etwas auch verfestigen kann. Im Finale der Deutschen Meisterschaft am Sonntag in Bremen führte er im vierten von sieben Sätzen (2:1) deutlich, als Benedikt Duda ein Timeout nahm. Hinterher bemerkte Steger, "hätte ich meinem Gefühl nach gewonnen, wenn ich diesen vierten Satz nicht verloren hätte".

Und gegen Källberg stand es 5:4 Steger im vierten Satz (bei 2:1-Satzführung) und Düsseldorf nahm Auszeit. Die Folge: 5:11 im vierten und im fünften 8:11. Dennoch, Steger stürzt niemand mehr vom Sockel, wenn er auch allzu gern Kilian Ort eine 1:0-Führung in die Herkules-Aufgabe Boll mitgegeben hätte. Dieser schien Ort im ersten Satz sichtlich gut gewachsen, führte 10:6. Doch dieser Boll hat seine Helferzellen irgendwo oben drin. Der 40-Jährige wirkt in so einem Moment so was von ausgeglichen, fast etwas gleichgültig, auf jeden Fall selbstbewusst, aber alles andere als arrogant.

Ort lässt gegen Boll im ersten Durchgang vier Satzbälle liegen

Solche Schwellen-Situationen ist einer wie er gewohnt. Und auch gewohnt, sie zu meistern. Er wehrte die vier Satzbälle ab und verwandelte seinen eigenen dritten zum 14:12 und zur 1:0-Führung. Im zweiten Durchgang ließ sich Ort abschütteln, kam aber im dritten in überzeugender Manier zurück (11:8) und musste sich dann doch geschlagen geben. "Ich merke es doch selber", führte Ort hinterher an, "mir fehlen nicht einige, sondern zu viele Trainingseinheiten".

So, größer hätte der Druck auf dem 19-jährigen Bad Königshöfer Neuzugang Maksim Grebnev nicht lasten können. Als No-Name-Spieler hatte ihn Andy Albert im April verpflichtet. Im Juni hatte er aus Warschau ein Signal gegeben und bei der Europameisterschaft zusammen mit seinem russischen Landsmann Katsman die Goldmedaille im Doppel gewonnen. Und am Mittwoch zuvor holte er in Mühlhausen eineinhalb Punkte zum TSV-Sieg, im Einzel und im Doppel mit Ort.

Grebnev zwingt Karlsson in den fünften Satz

Doch hier war wieder alles auf null gestellt. Die Fans hatte er bereits erobert, ohne dass sie ihn schon mal live gesehen hatten. Die "Maksim, Maksim"-Rufe bestimmten die Hallenakustik, auch wenn es sich wie "Maxi, Maxi" anhörte. Doch da unten in der Box war er allein und sah sich Kristian Karlsson gegenüber. Und schien im ersten Satz seine Grenzen aufgezeigt bekommen zu haben – 7:11. Auch im zweiten stand es 7:9, wenig später aber 12:10 und die Halle stand kopf. Im dritten musste er Tribut zollen, verlor 5:11, den vierten bog er wieder um und gewann ihn 11:8.

Und im fünften holte der Routinier Karlsson noch einmal was Neues aus dem Köcher, unter anderem so extrem kurze Aufschläge, dass sie zweimal den Tisch auf Grebnevs Seite berührten: Asse besonderer Art. Dauer der Vorführung: 53 Minuten. "Man sollte Maksim nicht so hochjubeln, wie es manche nach Mühlhausen getan haben", sprach Kilian Ort aus eigener Erfahrung. In der TTBL hat kein Spieler einen Bonus für gewisse Punkte – höchstens Timo Boll.

Ergebnisse

Bastian Steger – Anton Källberg 2:3 (6:11, 11:6, 11:8, 5:11, 8:11)

Kilian Ort – Timo Boll 1:3 (12:14, 6:11, 11:8, 4:11)

Maksim Grebnev – Kristian Karlsson 2:3 (7:11, 12:10, 5:11, 11:8, 6:11)