Handball: 3. Liga

HSC Bad Neustadt: Kein Märchen, sondern harte Realität

Der HSC Bad Neustadt (Benjamin Herth beim Wurf) stand beim Tabellenführer HSG Hanau (Nils Schröder) auf verlorenem Posten. Foto: Patrick Scheiber

Nein, es gab  kein Handball-Märchen für den HSC Bad Neustadt in der Stadt der Gebrüder Grimm. Die Rotmilane bezogen vielmehr in diesem Spiel der 3.  Liga, Staffel E, eine hohe 21:36 (12:14)-Niederlage beim klar favorisierten Tabellenführer HSG Hanau und verharren im Tabellenkeller. Aber das vergleichsweise kleine Häuflein der Gäste bot dem Spitzenreiter, der mit großem Aufgebot auflief, zumindest in der ersten Halbzeit Paroli.

"Da haben wir unseren Matchplan noch sehr ordentlich umgesetzt. Ja, wir hätten bei einer besseren Chancenverwertung - es wurden drei bis vier hundertprozentige Chancen liegen gelassen - mit einem noch besseren Ergebnis in die Kabine gehen können", sagte Trainer Frank Ihl. Dabei agierte die Deckung aggressiv und stabil, Keeper Felix Schmidl trug sein Scherflein zum da noch nicht aussichtslosen Rückstand bei. Die Gäste gingen in Führung, wofür Franziskus Gerr verantwortlich zeichnete. Das 2:2 besorgte Filip Susnjara, mit sechs Toren der erfolgreichste HSC-Schütze an diesem Abend. Susnjara und Benjamin Herth sorgten mit ihren Treffern für ein 5:5 nach zehn Minuten, zu diesem Zeitpunkt ein Duell auf Augenhöhe. Für die erste deutlichere Führung der HSG sorgte ihr Spielmacher Robin Marquardt mit einem Dreierpack. Bei einem 6:9-Rückstand legte Ihl nach einer Viertelstunde zum ersten Mal die grüne Karte auf den Zeitnehmertisch.

In der ersten Halbzeit dem Favoriten Paroli geboten

Der Drei-Tore-Rückstand blieb in der Folgezeit stabil. Und nach erfolgreichen Abschlüssen von Felix Wolf und Benjamin Herth (Siebenmeter) war Anschluss zum 10:11 geschafft. Zu diesem Zeitpunkt war gegen den HSG'ler Dennis Gerst bereits die rote Karte gezückt worden. Dieser unplanmäßige Ausfall wurde von den Gastgebern aber mühelos kompensiert. Zwei Minuten vor dem Seitenwechsel verkürzte Benedikt Kleinhenz auf 11:12. Die Zeitstrafe für Franziskus Gerr nutzten Jannik Ruppert und Maximilian Bergold zur neuerlichen Drei-Tore-Führung, die Susnjara in letzter Sekunde auf zwei Tore schmelzen ließ.

HSC kommt mit der offensiven Verteidigung nicht zurecht

Der Spielverlauf der ersten Halbzeit schien dem HSG-Coach Hannes Geist gar nicht gefallen zu haben. Er änderte die Taktik, in dem er offensiver verteidigen ließ. Diese Maßnahme zeigte Wirkung. Die Ihl-Schützlinge reagierten hektisch, ungeduldig im Abschluss und waren zudem durch glücklose Aktionen ihrer Außen Wolf und Tony Ilic bei ihrer geplanten Aufholjagd beeinträchtigt. "Wir haben in den ersten zehn Minuten nach der Pause zu viele Fehler produziert, kurz gesagt, wir haben da ,Sch.…  gespielt", nahm der Trainer kein Blatt vor den Mund.

Die Hessen dagegen, die weiterhin flexibel und so kräfteschonend agierten, zeigten sich in jeder Hinsicht konzentriert und lagen nach einem 5:0-Lauf mit 19:12 (38.) vorentscheidend in Front. Gerr gelang der erste Treffer für seine Farben im zweiten Durchgang. Beim 21:13 war die Messe gelesen. Zehn Minuten später lagen die Hausherren immer noch mit neun Toren vorne (26:17), wobei sie ihre konterstarken Außen Björn Christoffel und Cedric Schiefer immer besser in aussichtsreiche Positionen brachten.

Bad Neustadt kassiert sieben Tore hintereinander

Susnjara und Drude hielten den Rückstand mit ihren Sprungwürfen zwar stabil, doch die Erfolgsaussichten ihres Teams blieben sehr gering. "Ich habe daher Noah Hahn und Dominic Buchmüller noch Spielpraxis gegeben, die Partie hatte für beide einen Lernfaktor", stellte Ihl fest, der in der Schlussphase Kleinhenz für Ilic auf Rechtsaußen stellte, der dann binnen 30 Sekunden per Doppelpack auf 19:26 verkürzte. Der Tabellenführer indes zog unbeeindruckt seine Kreise. Nach dem Drude-Treffer zum 20:27 erzielten die Gastgeber während Zeitstrafen für Susnjara und Drude sieben Treffer in Folge. "Wir müssen uns nun auf das letzte Spiel des Jahres am Samstag in Gelnhausen fokussieren. Da dürften wir auch in besserer personeller Besetzung antreten", hofft Ihl. "Was positiv stimmt, ist die weiterhin gute Atmosphäre im Team. Die Spieler pflaumen sich selbst bei gravierenden Schnitzern nicht an, sondern sprechen sich eher Mut zu."

Hanau: Schermuly, Tomm – Ritter 1, Gerst, Strohl 1, Braun 1, Schröder 3, Marquardt 6, Rivic, Bergold 7/3, Brüggemann 1, Horn 3, Pillmann 1, Ruppert 4, Schiefer 4, Christoffel 4.

Bad Neustadt: Schmidl– Kleinhenz 3, Wolf 1, Hahn, Drude 4, Buchmüller, Gerr 3, Rovcanin, Ilic, Herth 4/2, Susnjara 6.

Schiedsrichter: Schek/Pelser (Waldfischbach/Kindsbach). Zuschauer: 230. Siebenmeter: 3/3 – 2/2.  Zeitstrafen: 0 (Disqualifikation für Dennis Gerst/26.) - 10 Minuten.  Spielverlauf: 3:2 (5.), 5:5 (10.), 8:6 (15.), 10:7 (20.), 11:8 (25.), 14:12 (30.) - 16:12 (35.), 21:13 (40.), 22:15 (45.), 26:17 (50.), 31:20 (55.), 36:21.