Handball: Dritte Liga

HSC Bad Neustadt wächst über sich hinaus

Der HSC Bad Neustadt belohnte sich für seinen Kampf und seine Leidenschaft, wie hier von Franziskus Gerr an den Tag gelegt, mit dem ersten Saisonsieg. Foto: Anand Anders

Was für ein Paukenschlag des HSC Bad Neustadt! Das Kellerkind wuchs im Spiel der 3. Handball-Liga, Staffel E, über sich hinaus und bezwang den HC Erlangen II mit 25:23 (10:11). "Ausgerechnet gegen den Tabellenführer", kommentierten nicht wenige der heimischen Fans den ersten Saisonsieg der Rotmilane, der aus einer klaren Außenseiterrolle heraus gelang. Das wiederum bestätigte Trainer Frank Ihl in seinem wöchentlichen Credo "immer positiv denken. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagte Ihl zu Beginn der Pressekonferenz nach der Partie. Auch den Spielern, die nach dem Abpfiff erstmals in dieser bislang verkorksten Runde zum Freudentanz angesetzt hatten.

Spieler kämpfen wie die Löwen

Dazu hatten sie auch allen Grund, weil sie über 60 Minuten kämpften wie die Löwen "und auch deswegen, weil sie die bessere Mannschaft waren und verdient gewonnen haben", sagte HC-Trainer Tobias Wannenmacher.  Dessen Team war, wie von Ihl im Vorfeld erwartet, den Gastgebern mit einer 5:1-Deckung entgegen getreten. Dabei versuchte ihr Spielgestalter und Torjäger Tarek Marschall die Kreise von HSC-Regisseur Benjamin Herth zu stören. Die ersten fünf Minuten waren von nervösen Aktionen geprägt. Früh wurde aber auch klar, dass sich die Keeper Stanislaw Gorobtschuk und Michael Hassferter auf der Gegenseite in starker Form befanden. So gingen die Gäste durch ihren Linksaußen Tim Bauder in Führung, schienen nach dem zweiten Treffer ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden, ehe dem HSC nach sechs Minuten endlich der erlösende erste Treffer durch Filip Susnjara gelang.

Einmal mehr ein ganz starker Rückhalt des HSC Bad Neustadt: Torhüter Stanislaw Gorobtschuk, hier in Erwartung eines Siebenmeters des HC Erlangen II. Foto: Anand Anders

Zu diesem Zeitpunkt saß Marschall nach einem Zusammenprall mit Franziskus Gerr schon auf der Bank, kam in der 17. Minute zurück, um drei Minuten später bei einem Sprungwurf umzuknicken.  Humpelnd verließ er die Halle. Nachdem Susnjara das 3:3 gelang, verließ ihn im weiteren Verlauf auf unerklärliche Weise der Mut zum Wurf. Das Spiel blieb von technischen Fehlern und schwacher Chancenverwertung geprägt. Bezeichnend, "und da müssen wir einen der Hebel zwecks Verbesserung der Ergebnisse ansetzen" (Ihl), "ist unsere katastrophale Siebenmeter-Ausbeute". Der erste Fehlschütze hieß Felix Wolf, der ansonsten zielsicher agierte. Er scheiterte am Torwart und an diesem auch beim Nachwurf. Zu diesem Zeitpunkt lag der Tabellenführer mit 7:4 in Front.

Bad Neustadt bleibt dran

Die nächsten Treffer resultierten beiderseits aus Kontern, weil die Deckungsreihen die Würfe entweder abblockten oder die Keeper parierten. Beim Stand von 5:8 schien schon eine kleine Vorentscheidung gefallen zu ein, ehe die Heimsieben durch von Gerr, der wie immer im Angriff und in der Verteidigung schonungslos rackerte, und Drude auf 7:8 verkürzten. Dieser Rückstand blieb in den folgenden Minuten konstant. Beim Stand von 9:11 fand dann Benjamin Herth, der zeitweise von Sebastian Kirchner im zentralen Rückraum ersetzt wurde, beim Strafwurf auch nicht die Lücke. Mit dem Pausenpfiff und während einer Unterzahlsituation (Gerr saß da schon seine zweite Zeitstrafe ab) durfte sich Benedikt Kleinhenz an der Siebenmeter-Linie versuchen - und er traf.

Nach der Pause wie entfesselt

Aus der Kabine kamen die Bad Neustädter hoch motiviert heraus und spielten wie entfesselt. Sie präsentierten sich nicht nur energiegeladen, sondern absolut konzentriert bei ihren Würfen und besaßen zudem in Gorobtschuk einen klasse Mann zwischen den Pfosten, der die ersten vier Würfe des Gastes bravourös entschärfte. Wolf, Drude und Gerr verwandelten den Halbzeitrückstand (10:11) in eine 13:11-Führung. Nach  dem Anschlusstreffer drohte neuerlich Ungemach, zumal nun auch Kleinhenz bei einem Siebenmeter scheiterte und den Nachwurf an die Latte setzte. Dies schien zunächst verschmerzbar, weil Wolf mit Doppelpack und Kleinhenz nach zwei Tempogegenstößen den Vorsprung auf 17:12 ausbauten. Die Euphorie währte nur vier Minuten. "In denen haben wir uns wieder Fehler erlaubt, die den Gegner ins Spiel zurückgebracht haben", monierte Ihl später.

So sehen Sieger aus: Die HSC-Spieler bei ihrem ersten Freudentanz in dieser Saison, nachdem im zehnen Anlauf der erste Saisonsieg gelungen war. Und das gegen den Tabellenführer HC Erlangen II.  Foto: Anand Anders

Der Spitzenreiter ließ sich nicht lange bitten, traf viermal in Folge. Beim Stand von 17:16 befürchtete die Mehrzahl der 152 Zuschauer den Einbruch. Doch diesmal hielten die Nerven, vor allem Routinier Herth zog von der halblinken Position vermehrt Richtung Kreis und schloss auch erfolgreich ab. Weil ihm dies auf der Gegenseite Johannes Bader, den Wannenmacher erst spät in den Angriff beorderte, mit einem Hattrick gleich tat, ging es mit dem Zwischenstand von 18:18 in die letzten zehn Minuten. Fünf Minuten vor Schluss stand die Partie weiterhin auf Messers Schneider (21:21).

Fans hält es nicht mehr auf den Sitzen

„Doch wir haben große Moral bewiesen und unsere Angriffe einigermaßen effektiv durchgezogen“, sagte Ihl. "Was uns nicht gelungen ist", bedauerte der Gästetrainer. Drude und zweimal Herth sorgten für das 24:21. Diesen Vorsprung verteidigten die Gastgeber. Nicht zuletzt dank der Fans, die längst standen, mit rhythmischem Klatschen ihre Mannschaft anfeuerten und für eine Stimmung sorgten als wäre die Halle gefühlt voll. "Der Sieg wird vor allem dem Selbstvertrauen der Spieler guttun", hofft ihr Trainer, "ich freue mich für die Jungs, die für ihren Fleiß endlich belohnt wurden".

Die Statistik des Spiels

Bad Neustadt: Gorobtschuk (1. - 45.), Schmidl (ab 46.) – Kleinhenz 4/1, Wolf 5, Kirchner, Hahn (n. e.), Drude 5, Gerr 5, Rovcanin, Ilic,  Früh (n. e.), Herth 4, Susnjara 2.
Erlangen II: Hassferter, Boieck (n. e.) – Bayer 4, Poser 3, Marschall, Walz 2, Hartmann, Bauder 6, Banik, Mangen 6/2, Bühler, von Gruchalla, Wenzel 1, von Alvensleben 1.
Schiedsrichter: Franz/Wießmeyer (Wendlingen/Fellbach).
Zuschauer: 152.
Siebenmeter: 4/1 – 2/2.
Zeitstrafen: 8 - 2 Minuten.
Spielverlauf: 0:1 (5.), 2:3 (10.), 4:5 (15.), 5:7 (20.), 8:9 (25.), 10:11 (30.) -  13:11 (35.), 16:12 (40.), 17:15 (45.), 18:18 (50.), 21:21 (55.). 25:23 .
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