Fußball: Regionalliga Bayern

Kein Fußball am Samstag: Rosenheim sagt das Spiel in Aubstadt ab

Am Mittwoch bejubelten die Spieler des TSV Aubstadt noch das 3:3 bei Bayern München II. Am Samstag haben sie frei. Foto: Wolfgang Fehrmann

Den letzten Lacher an jenem Samstagnachmittag Ende Juli auf der Terrasse des Vereinsheims des TSV 1860 Rosenheim hatte Victor Kleinhenz, der Trainer des TSV Aubstadt. Als der Moderator das Trainergespräch nach dem 0:0 am zweiten Spieltag der Fußball-Regionalliga Bayern schon abmoderieren wollte, meldete sich der 30-Jährige zu Wort.

Mit einem spitzbübischen Lachen auf den Lippen erzählte er vom gemeinsamen Trainerlehrgang und den Schafkopfrunden mit seinem Rosenheimer Kollegen Florian Heller, der 1860-Legende Benjamin Lauth und Tobias Schweinsteiger, aktuell Co-Trainer beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Beim Kartenspielen "habe ich relativ alt ausgesehen", scherzte Kleinhenz, "und hätte mich gerne heute revanchiert". Da der Mannschaftsbus aber schon zur Abfahrt bereitstehe, bat Kleinhenz um Aufschub. "Wir verschieben das auf das Rückspiel." 

Dieses Rückspiel hätte an diesem Samstag angepfiffen werden sollen. Sollen, denn die Tore der NGN-Arena in Aubstadt bleiben geschlossen. Am Freitagnachmittag hat Regionalliga-Spielleiter Josef Janker die Begegnung abgesetzt. Sie steht auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbands auf dem Status "Nichtantritt beide". Das ist laut des Corona-Paragrafen in der Regionalliga-Spielordnung üblich, wenn ein Verbandsspiel auf Antrag eines Vereins – in diesem Fall des TSV 1860 Rosenheim – abgesetzt wird.  

Mehrere Corona-Verdachtsfälle bei 1860 Rosenheim

Bei den Rosenheimern gibt es mehrere Corona-Verdachtsfälle. Das bestätigte Hansjörg Kroneck, der Sportliche Leiter des Tabellenletzten, am Freitag gegenüber dieser Redaktion. Vier Spieler, die noch am Dienstag mit der Mannschaft trainiert hatten, sind seit Donnerstag krankgeschrieben. Ob sie tatsächlich an Covid-19 erkrankt sind, war bis Freitag nicht klar. Die Corona-Test-Ergebnisse lagen noch nicht vor. "Es könnte auch eine Grippe oder eine Erkältung sein", sagt Kroneck.

Er informierte am Donnerstag die Aubstädter über die Entwicklung, bat um eine Verlegung des Spiels und brachte als möglichen neuen Termin den 11. Dezember ins Spiel. Er kündigte in einem nach eigenen Worten "ganz normalen Gespräch ohne böses Blut" mit Aubstadts Sportdirektor Josef Francic überdies an, dass seine Mannschaft am Samstag auf keinen Fall nach Aubstadt fahren werde, Verlegung hin oder her. Einig wurden sich die Vereine bis Freitagmittag nicht.

Die Position des TSV Aubstadt? "Wir halten uns an die Regeln"

"Für solche Fälle gibt es Regeln, die der Bayerische Fußball-Verband festgelegt hat. Daran halten wir uns", macht Philipp Müller, der Pressesprecher des TSV Aubstadt, die Position seines Vereins klar. Die könne er verstehen, sagt Kroneck.

Bis Dienstagabend müssen die Rosenheimer dem BFV nun also nachweisen, dass sie aufgrund von Coronainfektionen keine spielfähige Mannschaft für die Partie in Aubstadt stellen konnten. "Ansonsten geht der Fall vor das Sportgericht", sagt Josef Janker. Dort dürfte das Spiel mit hoher Wahrscheinlichkeit für Aubstadt gewertet werden. 

Rosenheims sportlicher Leiter: "Gesundheit geht vor Amateursport"

Hansjörg Kroneck gibt sich keinen Illusionen hin: "Von den Statuten her kann uns der BFV nicht unterstützen." Selbst wenn jene genannten vier Spieler positiv auf Corona getestet würden, könnten die Rosenheimer am Samstag eine spielfähige Mannschaft – 16 Spieler, darunter zwei Torhüter – stellen. "Es gibt immer Gesetze und Regeln. Das ist auch gut so, aber es gibt auch einen logischen Menschenverstand", sagt Kroneck und ergänzt. "Ja, wir spielen vierte Liga und sind Tabellenletzter. Für uns wäre es bitter, wenn das Spiel am Grünen Tisch entschieden werden würde. Aber Gesundheit geht vor Amateursport."

Die Region um Rosenheim zählt aktuell zu denen mit den höchsten Corona-Inzidenzen im Land. "Vielleicht sind wir deshalb auch ein bisschen ängstlicher", sagt Kroneck. Auch wegen der Inkubationszeit von bis zu fünf Tagen wollen die 1860-Verantwortlichen ihren Spielern die knapp zwölf Stunden hin und zurück im Bus nicht zumuten. "Wir wissen ja nicht, ob Spieler dabei sind, die am Samstag noch keine Symptome haben, aber vielleicht am Sonntag welche bekommen."

Für den Fall, dass die Begegnung nicht nachgeholt, sondern ein Sportgerichtsfall wird, kündigte Philipp Müller an: "Wir werden uns mit denen, die schon eine Eintrittskarte gekauft haben, in Verbindung setzen."