Handball: 3. Liga

Nächstes Debakel für den HSC Bad Neustadt: Welche Konsequenzen Coach Frank Ihl nach dem 20:36 in Gelnhausen ankündigt

HSC-Coach Frank Ihl (Archivbild) war nach dem 20:36-Debakel der Rotmilane in Gelnhausen bedient und kündigte mittel- und langfristige personelle Konsequenzen an. Foto: Anand Anders

Eine neuerlich desolate Vorstellung des HSC Bad Neustadt, die beim Gastspiel in der 3. Liga, Staffel E beim TV Gelnhausen in einer 20:36-(8:14)-Niederlage mündete, wird wohl endgültig zu einer personellen Zäsur im Hinblick auf die nächste Saison führen. "Ich habe nach dem Spiel jeden Spieler im Einzelgespräch gebeten, mir zu sagen, ob er noch Bock hat, für den HSC zu spielen", sagte HSC-Coach Frank Ihl am Sonntagvormittag. Diese Frage lässt keine Zweifel aufkommen, warum die wenigen Zuschauer in der Großsporthalle in Gelnhausen eine mehr als einseitige Partie zu sehen bekamen. "Es stellst sich für mich bei so manchen Spieler auch die Qualitätsfrage. Um in dieser Liga mithalten zu können, musst du einfach mehr aufs Parkett bringen", wurde Ihl deutlich.

Felix Wolf hat sein Pulver früh verschossen

Die Rotmilane gingen mit dem ersten Angriff durch Maximilian Drude - es sollte sein einziger Treffer bleiben - in Führung und hielten die Partie mit Derbycharakter bis zum 4:4 offen. Zu verdanken war das vor allem Felix Wolf, dem drei Treffer in Folge gelangen. Nach zwölf Minuten hatte Wolf sein Pulver dann aber bereits verschossen. Der Linksaußen scheiterte in der Folge gleich mehrmals am überragenden TV-Keeper Julian Lahme und wurde noch vor dem Seitenwechsel durch Christopher Früh ersetzt. Nach einer Viertelstunde setzten sich die Hessen durch sechs Treffer in Serie vorentscheidend auf 10:4 ab. "In dieser Phase haben wir in der Deckung gegen den Tempohandball des Gegners keinen Zugriff gefunden, haben uns ins der Offensive schwach in der Chancenverwertung präsentiert und wurden auch durch Schiedsrichterentscheidungen nicht beglückt“, sagte Ihl.

Der Gäste-Trainer war mit einigen Entscheidungen der Unparteiischen nicht einverstanden und wurde in der 22. Minute ebenfalls verwarnt. "Ich habe danach aber die Klappe gehalten, weitere Proteste wären sinnlos gewesen." Ziemlich wirkungslos blieb auch die von ihm genommene Auszeit, sein Worte verhallten ohne positive Reaktion bei seinen Schützlingen, die bis zum Spielende den Faden nicht mehr aufnehmen konnten. Ihr erfolgreichster Schütze, Benjamin Herth, erzielte noch vor dem Seitenwechsel die Treffer sechs, sieben und acht für seine Farben, doch konnte dies nicht verhindern, dass die Partie beim Stand von 14:8 zur Pause quasi schon entschieden war.

Zwei Rote Karte geben dem HSC Bad Neustadt den Rest

Wer von den wenigen Gästefans von einer Aufholjgd träumte, sah sich zu Beginn des zweiten Durchgangs schnell ernüchtert, denn nun legten die Mannen von Matthias Geiger noch eine Schippe drauf. Besonders die gewohnt torgefährlichen Cedric Marquardt und Fynn Hilb, die sich vor der Pause noch vornehm zurückgehalten hatten, waren nicht mehr zu stoppen. Als Gelnhausens Spielmacher Jonathan Malolepszy den Vorsprung mit seinem Treffer zum 20:11 ausgebaut hatte, waren gerade einmal 38 Minuten gespielt. Die zweite Auszeit der Gäste zeigte nur kurz Wirkung: Gerr und Susnjara verkürzten zum 21:13, doch die folgende Rote Karte für Drude vergrößerte die Sorgen der Gäste. "Warum er und wenig später auch Benny Kleinhenz jeweils Rot bekommen haben, habe ich nicht gesehen", erklärte Ihl.

Die beiden Disqualifikationen hatten zur Folge, dass den Gästen in der Schlussphase beide Linkshänder im Rückraum fehlten. "Ich habe dann mit Noah Hahn, Leon Schröder, Christopher Früh und Dominic Buchmüller die vier jüngsten Akteure im Kader spielen lassen, diese gilt es langfristig aufzubauen", so Ihl. Gewachsen war das Quartett dem Wirbel-Handball der Heimsieben natürlich nicht. Vor allem Marquardt, der bei seinen Kontern zum Teil haarsträubende Ballverluste konsequent bestrafte, und Hilb mit seinen präzisen Sprungwürfen trafen nun nach Belieben. Fünf Minuten vor Spielende hatten die Gastgeber wie schon im Hinspiel einen 14-Tore-Vorsprung herausgeworfen, Marquardt und Hilb erhöhten sogar noch.

Noch keine Winterpause, sondern spezielles Athletiktraining

Dominic Buchmüller sollte dann bei einem Siebenmeter sein erstes Saisontor erzielen, doch er nutzte diese Chance nicht. In der Schlussminute durfte daher noch einmal Benjamin Herth von der Siebenmeterlinie ran und erzielte den letzten Treffer des Tages. Der HSC-Routnier verließ anschließend genauso ratlos wie seine Mitspieler die Halle. Trotz des erneuten Debakels will Frank Ihl die Flinte in Sachen Klassenerhalt noch nicht ins Korn werfen.

Daher setzt er für die kommende Woche noch einmal ein spezielles Athletiktraining an. Die Spieler erhalten dann über die Feiertage ein persönliche Trainingsprogramm als Weihnachtsgeschenk, am 4. Januar startet das Training wieder und am 7. Januar soll ein Testspiel in Rimpar stattfinden. "Die Verantwortlichen und ich werden uns in der Zwischenzeit Gedanken machen, mit welchen Spielern wir mittel- und langfristig planen", kündigte Ihl Konsequenzen an.

Die Statistik des Spiels

Handball: 3. Liga, Staffel E
TV Gelnhausen - HSC Bad Neustadt 36:20 (14:8)
Gelnhausen: Lahme, Sulzbach, A.Bechert – Müller 3, Mocken 1, Altscher, M. Bechert 1, Fehl, Geisler 1, Malolepszy 4/1, Altwein, Wörner 3, Marquardt 9/2, Hilb 9, Jockel, Hüttmann 5.
Bad Neustadt: Gorobtschuk (1.- 40.), Schmidl (ab 40.) – Kleinhenz 1, Wolf 3, Hahn, Schröder, Drude 1, Buchmüller, Gerr 2, Rovcanin, Ilic, Früh 2,  Herth 7/4, Susnjara 4.
Schiedsrichter: Walter (Schmelz)/Staszak (Karlsruhe).
Zuschauer: 120.
Siebenmeter: 4/3 – 5/4.
Zeitstrafen: 8  - 6 Minuten (Disqualifikation für Maximilian Drude/44. und Benedikt Kleinhenz/48.).
Spielverlauf: 2:2 (5.), 3:3 (10.), 5:4 (15.), 8:4 (20.), 11:6 (25.), 14:8 (30.), 17:11 (35.), 21:11 (40.), 23:14 (45.), 27:17 (50.), 32:18 (55.), 36:20.