Fußball: A-Klasse Rhön 3

Titelkampf in der A 3: Bloß kein Abbruch und keine Quotientenregel

Als Tabellenführer überwintert Titelfavorit TSV Ostheim (rechts David Bohne) in der A-Klasse Rhön 3. Aber auch die SG Eußenhausen/Mühlfeld (links André Schneider) hat den Aufstieg noch nicht abgeschrieben. Foto: Heiko Rebhan

An Spannung und Dramatik nicht zu überbieten ist der Titelkampf in der Fußball-A-Klasse Rhön 3. Mit dem TSV Ostheim, der SG Burgwallbach/Leutershausen und der SG Brendlorenzen/Windshausen liegen aktuell drei Mannschaften Kopf-an-Kopf (jeweils 33 Punkte) auf den Plätzen eins bis drei. Und selbst das Duo SG Eußenhausen/Mühlfeld (4./29) und SG Oberelsbach/Ober-Unterwaldbehrungen (5./28) hat die Aufstiegspläne noch nicht in der Schublade verstaut. Die Verantwortlichen dieses Quintetts hoffen, dass die Saison wie vorgesehen über die Bühne geht und der Meister auf sportlichem Weg ermittelt werden kann. Ebenso die Plätze 2 und 3, die zur Teilnahme an der Aufstiegs-Relegation berechtigen. Bei einer Umfrage zogen die Trainer- bzw. Spartenleiter der fünf Top-Teams eine vorläufige Bilanz und beleuchteten ihre Aufstiegschancen.

TSV Ostheim

Mit sieben Nennungen als Titelkandidat in der Sonderbeilage "Rhön-Kicker" erhielt der TSV Ostheim vor Rundenbeginn die meisten Vorschusslorbeeren. Nach dem Fehlstart mit nur einem Punkt aus den ersten beiden Partien blieben die Schützlinge von Rainer Graumann danach ungeschlagen (zehn Siege/zwei Remis). "Wir hatten praktisch von Anfang an verletzungsbedingt große personelle Probleme, die sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison zogen", resümiert Coach Rainer Graumann. "Im Schnitt fehlten von meinem 17 Mann starken Kader fünf bis sechs Stammspieler pro Spieltag, so dass ab und zu sogar Akteure aus dem Alten-Herren-Bereich aushelfen mussten, um überhaupt eine konkurrenzfähige Mannschaft stellen zu können."

Tolle Moral und Willensstärke

Spartenleiter Bernd Schindlmeier sah in der tollen Moral und Willensstärke den Hauptgrund für die geglückte Aufholjagd und natürlich die den Gegnern Furcht einflößende Heimstärke." Ich bin seit 2019 Spartenleiter. In der letzten abgebrochenen Runde konnten wir alle neun Heimspiele gewinnen und in der laufenden Saison blieben wir Zuhause ebenfalls siebenmal unbesiegt (vier Siege/drei Unentschieden). Ich bin optimistisch, dass es diesmal mit dem Aufstieg klappt und hoffe, dass das Titelrennen sportlich entschieden wird und nicht durch irgendwelche Quotientenregelungen. Damit haben wir ja in der letzten Saison schlechte Erfahrungen gemacht."

"Das Szenario eines erneuten Abbruchs will ich mir gar nicht ausmalen, ganz zu schweigen von den daraus resultierenden finanziellen Einbußen vieler Vereine im unteren Amateurbereich", blickt auch Rainer Graumann ungewiss nach vorne. Ansonsten sieht der erfahrene Übungsleiter dem weiteren Verlauf optimistisch entgegen. "Mit Tim Baumbach, Josef Leeb und Daniel Schwabauer fehlen bis zum Saisonende verletzungsbedingt weiterhin drei Akteure. Doch dass wir mit Nackenschlägen dieser Art umgehen können, haben wir in der Vorrunde ja eindrucksvoll unter Beweis gestellt." Ende Januar beginnt für den Tabellenführer die Vorbereitungsphase für die Mission Aufstieg.

SG Burgwallbach/Leutershausen

"Oben mitspielen", wollte der Ex-Kreisligist zwei Klassen tiefer nach seinem freiwilligen Rückzug aus der Kreisliga. Dieses Vorhaben ist den Schützlingen von Coach Frank Geßner, trotz eines gewaltigen personellen Aderlasses, bisher gelungen. Sie stellen mit 48 Treffern die stärkste Offensivreihe der Klasse, in der Defensive hat Geßner ("da müssen wir uns noch verbessern") einige Schwächen ausgemacht. "Unsere mit Abstand beste Saisonleistung haben wir beim 3:1-Auswärtssieg bei der SG Brendlorenzen/Windshausen geboten", erinnert sich Abteilungsleiter Maximilian Kindlein nur allzu gerne an diese Partie vor 250 Zuschauern.

Von größerem Verletzungspech verschont geblieben

"Im Großen und Ganzen blieben wir von größerem Verletzungspech verschont, sodass wir mit unserer relativ dünnen Spielerdecke bisher durch die Saison gekommen sind", lautet das Fazit von Geßner. "Wenn man soweit oben steht, will man natürlich auch aufsteigen", gibt Kindlein schon einmal die Marschrichtung vor, "wenn nötig auch über den Umweg Relegation." Seiner Meinung nach sind die SG Windshausen/Brendlorenzen und der TSV Ostheim ("unser erster Gegner nach der Winterpause") die Hauptkonkurrenten um die Plätze eins bis drei.

SG Brendlorenzen/Windshausen

Das Saisonziel "vorne mitspielen" hat der Tabellendritte bislang verwirklicht. Die Mannschaft von Trainer Roland Freibott legte einen in der Vereinsgeschichte wohl einmaligen Startrekord von neun Siegen in Folge hin. "Dass wir trotz unseres Verletzungspechs in der Vorrunde nach dem Rückrundenstart so gut dastehen, war nicht zu erwarten", zeigte sich Abteilungsleiter Michael Dietz überrascht über das gute bisherige Abschneiden, "jetzt ist der Aufstieg unser Ziel." Etwas zurückhaltender gibt sich dagegen Roland Freibott. "Ostheim war bislang das stärkste Team, ist und bleibt Titelanwärter Nummer eins. Wir wollen natürlich bis zum Schluss oben dranbleiben."

Neuzugang vom SV Herschfeld

Für Freibott war die SG Stockheim/Bastheim/Reyersbach das Überraschungsteam der laufenden Runde. "Die haben eine entwicklungsfähige junge Truppe und uns das Leben bei unserem 3:2-Sieg äußerst schwer gemacht." Fehlen werden bis zum Rundenende definitiv Hannes Menninger und Lukas Sterzinger (beide Kreuzbandriss in der Vorrunde). Besser sieht es dagegen bei Marco Pfister und Lucca Hein aus, die nach ihren Verletzungen voraussichtlich zum Auftakt nach der Winterpause wieder im Aufgebot stehen. Jakob Rath (7 Saisontore) wird nach seiner Verletzung zu diesem Zeitpunkt noch fehlen, laut Dietz eventuell im Verlauf der Rückrunde aber noch einmal "angreifen". Neu zum Team stieß während der Winterpause Alexander Störmer vom SV Herschfeld. "Er stellt im zentralen Mittelfeld eine Verstärkung dar", ist sich Dietz sicher.

SG Eußenhausen/Mühlfeld

Einen kuriosen Verlauf nahm die bisherige Saison für die SG Eußenhausen/Mühlfeld. Drei Siegen zu Saisonbeginn folgten prompt drei Niederlagen hintereinander. "Gegen die SG Brendlorenzen/Windshausen und die SG Stockheim/Bastheim/Reyersbach kann man verlieren, obwohl wir da ebenbürtig waren," so Coach Thorsten Breunig rückblickend. "Beim 0:2 in Herschfeld standen wohl ein paar 'Feierbiester' zu viel auf dem Platz", sagt er mit einem Schmunzeln. Es folgten acht Spiele ohne Niederlage, so blieb man in Schlagdistanz zu den Top-Teams. "Aufgrund seiner Routine und seiner Heimstärke bleibt der TSV Ostheim für mich Titelkandidat Nummer eins. Unser Ziel ist einer der beiden Relegationsplätze", legt Breunig das Ziel fest.

Wie zahlreiche andere Teams, hatten auch die SG'ler bislang mit personellen Engpässen zu kämpfen. Das Lazarett hat sich mittlerweile allerdings gelichtet, sodass für die letzten zehn Partien lediglich noch hinter dem Einsatz von Felix Stingl und Sebastian Kirchner ein Fragezeichen steht. Trainingsauftakt ist am 1. Februar. "Bleibt zu hoffen, dass uns die Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht."

SG Oberelsbach/Ober-Unterwaldbehrungen

Mit dem 5. Platz, der Ausbeute von 28 Zählern und der bislang gezeigten Leistung seiner Mannschaft ist SG-Coach Dirk Braune absolut zufrieden. "Meine Jungs haben sich gut geschlagen, auch wenn mit etwas Glück noch der ein oder andere Punkt mehr drin gewesen wäre." Bereits am ersten Spieltag nach dem 1:1 beim TSV Ostheim setzte die SG ein Ausrufezeichen. Auf die starke Offensive (42 Tore) war wie immer Verlass und könnte im weiteren Verlauf der Rückrunde dennoch zum Sorgenkind werden.

Fragezeichen hinter Torjäger Matthias Martin

Ausgerechnet Torjäger Matthias Martin, mit 20 Treffern die aktuell klare Nummer eins der Torjägerliste der A-3, plagen nach wie vor enorme Knieprobleme. "Im schlimmsten Fall muss er operiert werden. Sein Fehlen wäre natürlich ein herber Verlust für uns", so Braune vorausschauend, "ansonsten sind nach dem jetzigen Stand alle Mann an Bord. Unser Ziel bleibt einer der beiden Relegationsplätze", gibt Braune die Richtung vor. "Allerdings müssen wir in den Rückspielen gegen die unmittelbaren Kontrahenten, die aktuell die Plätze 2 bis 4 belegen und gegen die wir in der Vorrunde allesamt verloren haben, gewaltig punkten. Ansonsten fährt der Zug ohne uns ab."

Braune traut dem TSV Ostheim am ehesten den Meistertitel zu. Positiv überrascht hat ihn auch der bisherige Auftritt der SG Eußenhausen/Mühlfeld, "da waren wir zuhause beim 1:3 chancenlos." Trainingsauftakt ist Anfang Februar. Braune rechnet fest damit, dass die Runde trotz Corona wie geplant am dritten März-Wochenende fortgesetzt und auch zu Ende gespielt wird.