FUßBALL:

Wie der BFV in leere Vereinskassen greift

Das liebe Geld: Die wegbrechenden Einnahmen machen den Amateurklubs in Unterfranken zu schaffen.

Die Kassen der Sportvereine sind leer. Schon im Frühjahr sind den Fußballklubs nahezu sämtliche Einnahmen weggebrochen. Ein kurzes „Comeback“ der Zuschauer im Herbst brachte nur wenig Entspannung bei den Kassieren, mittlerweile hat der zweite Lockdown auch ein zweites Loch in die Sparschweine gerissen. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und dem Verkauf von Speisen und Getränken sind gleich Null.

Die Vereine leben derzeit größtenteils von ihren Rücklagen, die Gebühren an den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) mussten trotzdem abgeführt werden. Das ist pro Verein immerhin ein mittlerer dreistelliger Betrag. Wie groß die finanziellen Sorgen in den unterfränkischen Vereinen tatsächlich sind und was sie dagegen unternehmen – eine Auflistung quer durch den Bezirk.

Nur drei Heimspielen 2020

„Bei uns ist es wie in allen Vereinen, durch die ausgesetzte Saison sind kaum Einnahmen vorhanden“, berichtet Harald Kober, Vorsitzender des FC Geesdorf. Der Landesligist hatte in diesem Jahr drei Heimspiele. „Durch die Situation einer Saison über zwei Jahre fehlen uns für die ausgefallene Saison 2020/2021 die Einnahmen aus der Bandenwerbung sowie aus dem Dauerkartenverkauf“, beklagt Kober schon nennenswerte Ausfälle. Immerhin konnte der FC Geesdorf rund ein Viertel der fehlenden Einnahmen „durch freiwillige Zahlungen der Werbeträger ausgleichen“. Was auch fehlt, sind natürlich die Gelder, die normalerweise in der Vereinsgaststätte fließen. „Und mit Entschädigungen und Überbrückungshilfen für Vereine sieht es eher schlecht aus“, glaubt Kober nicht, dass der Staat hier einspringt.

„Keine schlafenden Hunde wecken“ will ein Landesliga-Konkurrent der Geesdorfer, der genau aus diesem Grund nicht genannt werden will. Nicht, dass noch ein Sponsor auf die Idee kommt, seine Unterstützung zu mindern oder gar zurückzuziehen. „Wenigstens haben die Trainer aktuell auf ihr Gehalt verzichtet, so dass sich die Ausgaben kräftig reduzieren“, freut sich der Vereinsvertreter über die Solidarität seiner Übungsleiter.

Worst Case-Szenraio im Grabfeld

Weitsicht hat der TSV Großbardorf bewiesen. Schon frühzeitig ahnte man im Grabfeld, dass im Herbst die gleichen Probleme auftreten würden, die den Spielbetrieb im Frühjahr hatten enden lassen. „Wir haben ein ,Worst Case-Szenraio' aufgestellt“, sagt Andreas Lampert, der Sportvorstand des Bayernligisten. „Wir haben uns sämtliche Positionen angeschaut, die Ausgaben soweit möglich zurückgefahren, kommen damit aktuell gut über die Runden.“

Geholfen haben dabei auch der vereinseigene Biergarten im Sommer sowie die Pachteinnahmen einer Fotovoltaikanlage. Und nachdem auch die Sponsoren ihre Unterstützung weiterhin zugesagt haben, ist der TSV nach wie vor „gut aufgestellt“, wie Lampert betont. Sorgen macht sich der Sportvorstand eher um den Nachwuchsbereich. Er befürchtet, dass viele Jugendliche nach der langen Zwangspause den Weg zurück zum Fußball nicht mehr finden.

„100er-Club“ zum Geburtstag

„Klar, wir müssen überall sparen“, beschreibt Egbert Mahr, Präsident des 1. FC Sand, die aktuell nicht einfache Situation. Trainer und Spieler sind dem Bayernligisten finanziell zwar entgegengekommen, und auch die Sponsoren sind weiterhin dabei. Die fehlenden Einnahmen, speziell aus den ausgefallenen Veranstaltungen wie Weinfest oder Kirchweih sowie die Pacht für das Sportheim, reißen aber gewaltige Löcher in die Vereinskasse – und das ausgerechnet zum 100. Geburtstag.

Immerhin kommt durch den gegründeten „100er-Club“ ein wenig Geld in die Kasse. „Wir müssen alle zusammenlangen“, hofft Mahr, dass im kommenden Frühjahr wieder wieder etwas Normalität einzieht.

„Aktuell ist die Lage schlimm“, beschreibt Roland Metz, Vorsitzender des Würzburger FV, die derzeitige Situation. Weshalb der Bayernligist einen Plan entwickelt hat. Der soll aber erst ab Januar greifen – wenn sich die Situation nicht grundlegend ändert. „Dann müssen wir uns etwas einfallen lassen.“

Aktionen für den WFV

Genau das hat der Verein aber schon getan. Mit einem Banner, auf dem sich die Fans für einen geringen Beitrag verewigen lassen können, hat der WFV seine Kasse ein wenig füllen können. Ein zweites Banner wird, wenn es eine entsprechende Nachfrage gibt, hinzukommen, verspricht Metz. Und auch der Förderverein hat einige Aktionen durchgeführt, verkauft Mund-Nasen-Bedeckungen und Christbaumkugeln mit dem Vereinslogo.

„Unsere Sponsoren sind weiter an Bord, auch wenn der eine oder andere seinen Beitrag ein wenig reduziert hat“, weiß der WFV-Chef zudem die lokale Wirtschaft hinter dem Verein. Der hatte zwar im Juli die Gehälter der Spieler und Trainer auf Null runtergefahren, zahlt mittlerweile aber wieder 100 Prozent. Auf Dauer werde das aber sicher nicht machbar sein.

Trappstadt nicht im Jammertal

Jonas Böckler muss beim Kreisligisten TSV Trappstadt als Innenverteidiger sportlichen Schaden vom Tor und als Kassier finanziellen Schaden vom Verein fern halten. Auf Rosen ist man ebenso wenig gebettet wie die meisten Clubs im ehemaligen unmittelbaren Grenzland. Doch traditionsgemäß fühlen sich Trappschter mehr obenauf als im Jammertal. Das gilt auch für die aktuelle wirtschaftliche Situation im zweiten Lockdown. Zumindest in einem sieht Böckler eine Unterstützung durch den Verband, dass bei Spielverlegungen die üblichen Gebühren entfallen. Der TSV Trappstadt finanziert sich durch Zuschauer-Einnahmen („wir hatten 2020 vier Pflichtspiele“) und besonders durch Umsätze am Bratwurst-Getränke-Stand und im Sportheim. Das ist zu normalen Zeiten bei der großen Fangemeinde ein großer Posten, der zurzeit total entfällt. Sonstige Einnahmen bringen die Bandenwerbung und Spenden. Da auch diese Quellen zurzeit nicht sprudeln, bestätigt Jonas Böckler: „Momentan leben wir von den Rücklagen.“

Beim ersten Lockdown generierte man in kleinem Umfang Einnahmen durch ein To-Go-Verpflegungsangebot am Vatertag und später eine Station beim Grabfeld-Radlertag. Während der zweiten Welle fehlte bisher vergleichbares Zubrot. Allerdings sei es „zum Aushalten, die Ausgaben halten sich in Grenzen. Das Trainergehalt läuft weiter, für Spieler werden keine Aufwendungen geleistet. Zu zahlen sind Unterhaltungskosten für das Sportheim und die Platzpflege. Bei beiden Liegenschaften greifen Eigenleistungen. „Mangels Nutzung sind Strom-, Wasser- und Heizkosten über die Grundgebühren hinaus erträglich. Zins und Tilgung für Kredite indes sind bei Fälligkeit zu leisten.“

Über 500 Euro mussten die Spfrd Steinbach dem Verband Ende Oktober überweisen, berichtet Martin Tully, Sport-Vorstand des Bezirksligisten. Sauer aufgestoßen sind ihm dabei die eingeforderten Gebühren für Spielverlegungen. „Auch wenn es nur um jeweils eine Stunde ging, wurde das mit je 41,74 Euro berechnet, obwohl wir angegeben haben, dass es Corona-Überschneidungen gibt, weil das Sportheim anderweitig belegt war.“

Tully kritisiert hier eine „gewisse Uneinsichtigkeit des Verbandes, da der BFV damit ja kaum Arbeit hatte. Wir haben schließlich das Online-Verfahren, für das wir bereits die IT-Gebühr von immerhin 236 Euro bezahlen.“ Gegen die Ausfallgebühren wegen fehlender Jugendmannschaften haben die Sportfreunde Einspruch erhoben, „weil sich das gemäß Spielordnung auf ein ,Spieljahr' bezieht und wir uns ja noch im gleichen Spieljahr befinden“, sagt Tully und hofft, dieses Geld zurückerstattet zu bekommen. Aber er ist dennoch skeptisch: „Ich bin gespannt, welche neue Begründung dem Verband dazu wieder einfällt.“

Die Sponsoren des Bezirksligisten hätten sich weitgehend solidarisch gezeigt, auch in Sachen Bandenwerbung. „Problematisch sehe ich jedoch wie bei vielen Vereinen die Bereitschaft der Helfer, die sich eventuell mehr und mehr zurückziehen“, befürchtet der Steinbacher längerfristige Folgen der Pandemie. „Hoffen wir, dass sich die Situation nächstes Jahr wieder normalisiert.“

Kritik an Verlegungsgebühren

Die anfallenden Gebühren für Spielverlegungen kritisiert auch Markus Erhard, Abteilungsleiter beim Rhöner B-Klassisten TSV Euerdorf. „Wir haben eine Spielgemeinschaft mit dem Nachbarverein VfR Sulzthal und hatten eine Partie als Vorspiel vor der Partie der Kreisklassen-Mannschaft in Sulzthal geplant. Wegen der Hygienebestimmungen ergab sich an dem Tag aber ein Platzproblem im Sportheim, weil das für eine Kommunionfeier privat vermietet war. Deshalb wurde die Partie kurzfristig auf Ostersamstag verlegt.“ Obwohl die Verlegung im Zusammenhang mit Corona stand, verlangte der BFV die entsprechende Gebühr.

Mit Briefen an die Sponsoren hat der FC Gerolzhofen versucht, wenigstens diese Einnahmen zu behalten. Und das erfolgreich, wie Vorsitzender Ansgar Willacker betont: „Alle Sponsoren sind an Bord geblieben.“ Die Trainer seien dem Kreisligisten ebenfalls entgegengekommen, so dass derzeit noch keine größeren finanziellen Probleme aufgetreten sind, „wenngleich wir natürlich hoffen, dass es im Frühjahr wieder normal weitergeht – nicht nur aus sportlicher Sicht“, so Willacker.

Ärger über Online-Portal des BFV

„Die Höhe der Gebühren ärgert mich nicht so sehr“, sagt Alexander Bergmann, Vorsitzender des Haßberg-Kreisligisten SV Hofheim. Er verstehe dass auch der Verband Einnahmen generieren müsse. Was ihn aber ärgert, ist, dass zum Wiedereinstieg im September das Online-Portal des Verbands, in dem Vereine und Schiedsrichter Daten zu Spielen eintragen, gar nicht bzw. nur eingeschränkt zur Verfügung stand. „Das war schon teilweise abenteuerlich. Was auch gar nicht geht: Es werden Änderungen und gravierende Umstellungen vorgenommen, ohne die betreffenden Vereine und Schiedsrichter vernünftig zu schulen. Das ärgert mich viel mehr als die Gebühren an sich“, so Bergmann, der selbst aktiver Schiedsrichter ist.

Der SV Hofheim hat zwar ein Stadionheft, aber „die Einnahmen betragen 2020 null Euro. Wir verwenden das letztjährige weiter und stellen niemandem was in Rechnung“, so der Vorsitzende, der froh ist, dass die Hofheimer eine recht pragmatische Lösung gefunden haben. „Die Bandenwerbung haben wir jetzt in Rechnung gestellt, bislang halten uns zum Glück alle die Treue“, berichtet Bergmann, dass sich der HSV bislang auf sein Umfeld verlassen könne. Und auch auf die Fans.

„Mit zunehmender Spielzeit sind immer mehr Zuschauer gekommen“, hat Bergmann beobachtet. Dennoch: „Aktuell leben wir von der Substanz. Zum Glück haben wir keine Verbindlichkeiten mehr, und unser 100. Geburtstag im letzten Jahr lief ganz ordentlich. Wenn unsere Trainer und unsere Reinigungskraft aber nicht freiwillig auf ihre Entschädigungen verzichtet hätten, wofür ich sehr dankbar bin, sähe es noch viel schlimmer aus.“

Pizza zum Abholen

Noch „mit einem kleinen blauen Auge davongekommen“ – so beschreibt Jürgen Heinl vom Kreisklassisten SV Sylbach die letzten Monate. „Wir haben keine Aktionen mit Kartenverkauf und Sponsoren im Sommer gestartet, viele von uns dachten, das wird nichts Vernünftiges mit diesem Fußball-Herbst“ – eine Ahnung, die sich bestätigen sollte.

Einnahmen hatte der Verein aus dem Haßfurter Stadtteil nicht, selbst die angesetzten Heimspiele im Oktober wurden wegen Corona-Verdachts beim Gegner abgesagt. Immerhin waren auch in Sylbach Trainer mit Gehaltskürzungen einverstanden. Und durch diverse Vereinsaktionen wie „Pizza zum Abholen“ flossen wenigstens ein paar Euro in die Kasse.

Was der BFV an Gebühren verlangt

Meldegebühr (wurde in diesem Jahr nicht erhoben): Regionalliga Bayern: 2090,97; Bayernliga: 1725,51; Landesliga: 731,94; Bezirksliga: 376,66; Kreisliga: 240,25; Kreisklasse: 188,33; A-Klasse: 146,59; B-Klasse: 104,85. Bezirksgebühr: 68,21 IT-Servicegebühr: ab Landesliga: 262,64; Bezirksliga: 242,28; Kreisliga: 210,73; Kreisklasse: 190,37; A- und B-Klasse: 158,81. Vereinswechsel: 51,92. Passeinzug/-anforderung: 31,56. Vertragsspieler: 156,77. Spielverlegung: Bayernliga: 63,12; Landesliga: 51,92; Bezirksliga: 41,74; Kreisliga, Kreisklasse, A- und B-Klasse: 31,59. Einspruch: Regionalliga: 156,77; Bayern-, Landes-, Bezirksliga: 83,48; Kreisliga, Kreis-, A- und B-Klasse: 41,74. (Alle Angaben in Euro) Quelle: BFV
Harald Kober, der erste Vorsitzende des FC Geesdorf
Im Jahr des 100-jährigen Bestehens hat der FC Sand den „100er-Club“ gegründet.
Christbaumkugeln mit dem WFV-Wappen sollen ein wenig Geld in die Kassen des Würzburger Bayernligisten spülen.
Martin Tully, Sportvorstand der Spfrd Steinbach
Markus Erhard, Abteilungsleiter des TSV Euerdorf
Alexander Bergmann, 1. Vorsitzender SV Hofheim
Andreas Lampert, Sportvorstand des TSV Großbardorf.