HAUSEN

Mekka für Motorsportfans

Passagen, in denen hohe Geschwindigkeit gefordert wird, gibt es beim anspruchsvollen Rennen ebenso.

Bergrennen im Motorsport sind sehr anspruchsvoll. Nicht nur dem Auto wird dabei alles abverlangt, auch für den Fahrer bedeutet dies höchste Konzentration auf der ganzen Strecke. Action pur ist bei einem solchen Rennen also garantiert, für den Zuschauer wird dabei einiges geboten. Eine Traditionsveranstaltung in diesem Bereich ist das Hauenstein-Bergrennen, das heuer bereits zum 49. Mal in Hausen in der Rhön stattfindet. Schlachtenbummler und Motorsportfans aus dem ganzen deutschsprachigen Raum werden wieder anreisen. Heuer sind 189 Fahrer am Start, in verschiedenen Kategorien treten sie gegeneinander an.

Typisch für Bergrennen ist, dass sie im Einzelzeitfahren stattfinden, letztendlich fährt jeder gegen die Uhr und kann so sein individuelles Können unter Beweis stellen. Das Rennen in Hauenstein wird vom Veranstalter als eines der spektakulärsten und anspruchsvollsten Rennen in der Deutschen Bergmeisterschaft bezeichnet, und dies ist keineswegs übertrieben: zwar ist die Rennstrecke nur 4,2 Kilometer lang, dennoch erreichen die Rennwagen Geschwindigkeiten über 200 Kilometer pro Stunde. Und nicht nur das Material wird hier an seine Grenzen gebracht: auch dem Fahrer wird neben körperlicher Fitness ein Höchstmaß an Konzentration abverlangt. Denn ein Bruchteil einer Sekunde der Unaufmerksamkeit kann das Ausscheiden aus dem Rennen bedeuten.

Acht Prozent Steigung wollen bewältigt werden, der Rekord auf der Strecke, aufgestellt von Uwe Lang im Jahr 2014, liegt bei 1 Minute und 40 Sekunden. Ein Highlight für die Zuschauer ist die Jopp-Kurve, in der aus voller Beschleunigung abgebremst werden muss, um sie zu bewältigen, nur um dann wieder in der sich anschließenden langen Gerade Vollgas zu geben. Eine Schikane (Jopp–Schleife) sowie die S-Kurve tragen zusätzlich zum anspruchsvollen Rennverlauf bei. Und wenn man sieht, wie in der Jopp-Kurve sogar manchmal die Räder der Rennwagen abheben, dann weiß auch der Motorsport-Laie, dass man hier das Auto an seine Grenzen bringt.

Doch bevor vom 27. bis zum 29. Juli die Zuschauer und Fahrer voll auf ihre Kosten kommen, heißt es für die Organisatoren, wieder ein beachtliches Pensum an Vorarbeit zu leisten. Denn natürlich wollen die Zuschauer auch mit Essen und Trinken versorgt werden, mit einem attraktiven Rahmenprogramm sorgen die Veranstalter dafür, dass hier Feststimmung entsteht. So wird am Freitag die Band „Lucky‘s Good Stuff“ und am Samstag die Kombo „Emergency“ aus Erlangen die After-Racing-Party einläuten.

Einer der Helfer vor Ort ist Harry Mesarosch aus Brünn bei Münnerstadt: „Mich hat schon immer fasziniert, dass bei den 4,2 Kilometern manchmal nur einige Hundertstel entscheiden, wer am Ende Sieger wird.“ Damit am Ende auch wirklich der Fahrer mit dem größten Können gewinnt, finden am Sonntag drei Wertungsläufe statt, wobei das Gesamtergebnis zählt. Für den Samstag sind zwei verpflichtende Trainingsläufe angesetzt.

Los geht es für die Helfer bereits im August des Vorjahres, schließlich müssen die Bands gebucht und die Veranstaltung vorbereitet werden. Dies übernehmen der Präsident des Motorsportclubs Rhön e. V. sowie der ganze Vorstand. Dass das Rennen einen enormen logistischen Aufwand bedeutet zeigt allein schon die Tatsache, dass für die Zeitnahme, die Vernetzung des Rennbüros, der Verkehrsampeln usw. rund neun Kilometer Kabel verlegt werden müssen. Mesarosch ist dabei mit für die Technik verantwortlich, diese muss am Rennwochenende reibungslos funktionieren.

„Eine Besonderheit ist, dass wir beim Rennen einen Radiosender betreiben. Über diesen werden die Fahrer darüber informiert, wann sie starten müssen. Außerdem kann man so auch als Zuschauer den Streckensprecher hören“, so Mesarosch. Hierfür hat man die Genehmigung der Bundesnetzagentur eingeholt, auf der UKW-Frequenz 89,1 kann jeder mithören. Die Antenne der improvisierten Radiostation ist sechs Meter hoch, penibel achtet man hier außerdem auf den Emissionsschutz.

Hoch konzentriert sind beim Rennen nicht nur die Fahrer, sondern auch die 70 Streckenposten, die jeweils in Sichtweite positioniert sind. Da gleichzeitig drei Wagen in rund 30 Sekunden Abstand auf der Strecke unterwegs sind, müssen die Streckenposten sofort die rote Flagge zeigen, falls es zu einem Zwischenfall kommt. Die Fahrer müssen sofort anhalten und bekommen einen Neustart. „Unsere Jungs sind auch auf dem Nürburgring aktiv und allesamt sehr erfahren. Das ist wichtig, damit die Unfallgefahr minimiert wird“, erläutert Mesarosch. Sicherungsfahrzeuge stehen Gewehr bei Fuß, um einen fahruntüchtigen Wagen von der Strecke abzuschleppen und natürlich sind auch immer Sanitäter vor Ort. Bei Regenwetter kann es schon einmal zu Unfällen kommen, diese laufen aber meist glimpflich ab.

Im Rennbüro arbeitet am Wochenende das Team um Sonja Rindt auf Hochtouren. Dass auch das ziemlich aufwändig ist, zeigt die Tatsache, dass Rindt hierzu extra die Ausbildung zur Rennsekretärin absolviert hat. Denn sie muss auf viele Details achten: die Autos müssen entsprechend zugelassen sein, die Fahrer müssen ein ärztliches Attest vorlegen um Ihre Fahrerlizenz zu bekommen, usw. Alles läuft ehrenamtlich ab, alle machen aus reinem Spaß an der Freude mit. „Ohne die örtlichen Vereine, deren Mitglieder uns hier tatkräftig unterstützen, würde das alles nicht funktionieren. Wir sind heilfroh, dass wir hier auch Unterstützung von der Gemeinde erfahren“, sagt Harry Mesarosch, der seit fast 40 Jahren mithilft. Sponsoren wie die Firma Jopp aus Bad Neustadt sorgen dafür, dass man die hohen Kosten für das Bergrennen stemmen kann.

Doch auch um Sauberkeit auf der Strecke ist man bemüht. So werden überall Mülltonnen aufgestellt und das Gebiet nach dem Rennen penibel entrümpelt, denn man will hier alles so verlassen, wie man es vorgefunden hat. „Wir freuen uns schon jetzt auf das Bergrennen“, sagt Harry Mesarosch. Doch bis dahin sind noch einige Arbeiten zu erledigen. „Helfer sind bei uns jederzeit willkommen“.

Die Jopp-Kurve zu meistern fordert von den Fahrern volle Konzentration.
In der Jopp-Kurve ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Es kann auch schon einmal passieren, dass ein Rad abhebt.
Fahrzeuge der unterschiedlichsten Klassen nehmen am Hauenstein-Bergrennen teil.
uz hauenstein rennbüro
Vera Fertig (vorne) und Sonja Rindt verkörpern das Empfangskomitee im Rennbüro.