Jahresrückblick

Geröllfelder
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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

langsam geht in der Heimat ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Jahr zu Ende. Zeit für einen Rückblick, der ganz der Stadt und dem Landkreis gewidmet sein soll. „Urbi et orbi“ gewissermaßen. Josef Demar brachte es in der „Weihnachnachtssitzung“ des Kreistags auf den Punkt: „Wirtschaftlich geht es unserem Landkreis so gut wie nie zuvor.“ Und das ist doch das Allerwichtigste. „Die Zukunft braucht Veränderung“ ergänzte der Landrat, ließ aber offen, ob er dabei auf den voranschreitenden Klimawandel oder das Ergebnis der Landtagswahl anspielte.

Bei der hat die CSU im Landkreis bekanntlich über fünf Prozent verloren. Es war das schlechteste Ergebnis aller Zeiten. Die Verantwortung dafür trägt bekanntlich ganz alleine Horst Seehofer. Und Markus Söder. Das kommt davon, wenn man einen Nationalpark verspricht und dann vor ein paar Hobby-Holzhackern einknickt! Von wegen „mit blauem Auge davon gekommen“ – eine Nasenbeinfraktur! Und das war erst der Anfang. In den „bildungsnäheren Regionen“ des Südens waren die Ergebnisse noch niederschmetternder.

Keine Panik: Zukunft braucht Veränderung! Aber komisch ist das schon: Warum ändert sich in einem Landkreis, dem es so gut geht wie nie zuvor, das seit Generationen tradierte Wahlverhalten? Nehmen die Bürger unbewusst ein fernes Donnergrollen wahr? Sensible Wesen, z.B. Katzen, werden ja auch schon Tage vor einem Erdbeben unruhig. Vielleicht macht uns ja der Klimawandel nervös? An ihn müssen wir uns gewöhnen. Das nervige Thema bestimmt zunehmend unseren Alltag.

Einen so schönen Sommer haben selbst die Ältesten noch nicht erlebt. In der „bayerischen Sahelzone“ fiel nicht mehr Regen als in Jordanien. Landwirte jammern; Bäche und kleine Flüsse wie die Bahra trocknen völlig aus. Ein Fischsterben setzt ein; Wälder verdorren. Nur Schädlinge wie Borkenkäfer oder Wildschweine profitieren von der neuen „Heißzeit“. Durch die fehlende Verdünnung erreicht die Nitratbelastung im Grundwasser neue Rekordwerte. In Sulzfeld werden im August vom VSR- Gewässerschutz in einem Brunnen 300 Milligramm pro Liter gemessen. Man könnte das Zeug glatt als Blumendünger verkaufen.

Wie gesagt: Unserem Landkreis geht es so gut wie nie zuvor. In Ortsteilen von Hendungen und Hollstadt tauchen im Sommer plötzlich „coliforme Keime“ (Fäkalbakterien) im Trinkwasser auf. Eklig! Seither wird tüchtig gechlort. Verschwörungstheoretiker haben auch schon die Schuldigen ausgemacht: Die Landwirte. Die von ihnen ausgebrachten Fäkalien aus der Massentierhaltung würden durch die Trockenrisse der Böden bis ins Grundwasser durchsickern, behaupten sie. Dabei ist nichts bewiesen! Offiziell heißt es, dass ganz zufällig in vielen Teilen Bayerns alle alten Leitungen gleichzeitig undicht geworden sind. Kann ja auch sein! Aber die Einschläge kommen näher: Im Mai löste ein schwerer Hagelsturm in Ginolfs eine Schlammlawine aus, die Teile der Ortschaft verwüstete. Im September fegte ein Unwetter die Kirchturmspitze von Stadelschwarzach weg.

Aber es gab 2018 auch viele Entwicklungen, die Mut machen. Auch beim Klimaschutz. Dort strebt die Heimat eine Vorreiterrolle an. Nachdem ein paar Gegner den Bau der Windparks bei Wülfershausen jahrelang verschleppt hatten, rückten im November die Bagger wieder an. Der neue bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat bekanntlich ein Faible für dezentrale Energieversorgung. Er bringt frischen Wind in die Energiewende! Bis 2030 soll der Anteil an erneuerbaren Energien von 38 auf 65 Prozent steigen. Wir schaffen das!

Sogar unser Landratsamt fügt sich mittlerweile dem Fortschritt. Natürlich muss man aber auch die Sorgen der Kritiker ernst nehmen. Falls die neuen Windräder bei Wülfershausen im nächsten Jahr tatsächlich scharenweise geschütztes Federvieh vom Himmel holen – was noch nie beobachtet wurde! – kann es natürlich nicht sein, dass der Landkreis gleichzeitig Millionen an Steuergeldern für den Vogelschutz abkassiert. Er sollte in diesem Fall großzügig auf die entsprechenden Fördermittel verzichten. Pfeif doch auf den Rotmilan! Dafür haben sich bei uns Wildkatze, Luchs und Wolf angesiedelt. Und bedroht nicht gerade der Klimawandel tausende von Tierarten und den Lebensraum von Millionen Menschen? Na also.

Auch die Elektromobilität dient letztlich dem Klimaschutz. Leider ging es in diesem Premium-Bereich auch 2018 nur sehr schleppend voran. Schuld daran dürfte wohl die neue Elektro-NESSI sein, die seit Januar auf der Linie 2 unterwegs ist. Mehr oder weniger! Denn häufig musste das in China gefertigte Statussymbol von einem Diesel-Lkw abgeschleppt werden. Ein kläglicher Anblick! Im November sahen bestürzte Passanten – darunter auch Kinder – wie man das teure Teil auf einem Tieflader abtransportierte. Das schreckt ab!

Könnte die Stadt solche Aktionen nicht nachts durchführen? Zumindest sollte der Havarist vor jeder Bergung mit einer Plane mit der Aufschrift „Modellstadt für Elektromobilität“ getarnt werden. Oder man macht die Not gleich zur Tugend und spannt beim nächsten Totalausfall zwei alte Brauereigäule vor. Noch ein Alleinstellungsmerkmal! Die Viecher könnten den Problem-Bus dann samt Passgieren umweltfreundlich zum „Campus“ hochzerren. Neuschwanstein lässt grüßen.

Ach ja, der „Campus“! Im Dezember wurde das neue Klinikum im Rahmen einer schlichten, aber würdigen Feier endlich eröffnet. Bald zieht auch die Kreisklinik auf den „Siechenberg“. Was dann wohl aus dem noch gar nicht so „alten“ Klinikgebäude wird? Bevor man es einfach wegrupft wie das Königshöfer Krankenhaus, könnte man darin ja noch ein Kulturzentrum (KuZe) installieren. Warum nicht! Es wäre dann neben Kloster Wechterswinkel (KuZe 1.0) und dem alten Gefängnis (KuZe 2.0) die dritte derartige Einrichtung (KuZe 3.0). Wir sind ein Kulturvolk!

Das Management des Klinikkonzerns hat klare Visionen: Sein „ganzheitliches“ Campus-Konzept soll in ganz Deutschland Schule machen. Warum nicht in ganz Europa; warum nicht in der ganzen Welt? Natürlich! Google, Amazon und Rhön-AG – mehr braucht es nicht. Datenschutz durch Monopolisierung. Und der Mensch steht im Mittelpunkt. Wenn ein überregulierender Staat nicht ständig bremsen würde, könnte diese Vision längst Realität sein.

Im Ortsteil Herschfeld forderten im November ein paar „Nörgler“, den überbordenden Klinikverkehr durch „bauliche Maßnahmen“ zu hemmen und dafür auf eine geplante Ampel zu verzichten. Das soll Mitarbeiter und Besucher dazu „motivieren“, auf die bislang eher schwach befahrene NES 20 auszuweichen. Allerdings würde sich ihre Fahrzeit dann um drei Minuten verlängern. Unzumutbar! Meint unser Bürgermeister. Er behauptete vor der Presse, dass die betroffenen Straßen in Herschfeld „immer der Erschließung (des Klinikums) dienen werden“. Ein klares Bekenntnis zum innerörtlichen Durchgangsverkehr!

Unser Stadtoberhaupt setzt Prioritäten: Das Recht auf eine dreiminütige Fahrzeitverkürzung steht über dem Wohl der Anwohner. Freie Fahrt für freie Bürger! Eine moderne Einstellung. Sicher, an den betroffenen Straßen liegen eine Kirche, ein Friedhof, eine Tagespflege, ein Kindergarten, eine Grundschule und viele Wohnhäuser. Na und? Die Fahrbahn auf der Falltor- und Kirchstraße wird verbreitert – und nicht verschmälert. Basta! Stadtplanung nach Gutsherrenart. Alle Herschfelder – auch Senioren und Kinder! – müssen Opfer für das Allgemeinwohl bringen.

In architektonischer Hinsicht war 2018 ein echter „Bringer“. Unser schönes Industriestädtchen wurde tatsächlich noch schöner. Man darf gespannt sein, welcher Neubau wohl diesmal als „Bauwerk des Jahres“ mit Architekturpreisen ausgezeichnet wird. Das neue Campus-Parkhaus vielleicht? Es stellt die repräsentative Hauptansicht der Klinik dar. Durch seine prominente Lage und die nächtliche Dauerbeleuchtung ist es sogar vom Sternenpark Rhön aus noch gut zu erkennen.

Oder doch der „Pappophag“, jenes 82x47x42 Meter große Pappkarton-Monstrum, das 2018 zum alles überragenden Wahrzeichen Bad Neustadts avancierte. Es überzeugt nicht nur durch schiere Größe, sondern auch durch eine Stringenz, die ein ungeschultes Auge leicht als „primitiv“ verkennt. Aber unser Bürgermeister lässt sich nicht täuschen! Er empfindet die Konstruktion als „ästhetisch gut gelöst“. Immerhin lockert ja ein Glasstreifen die Fassade auf. Einer! Kleine Ursache – große Wirkung. Na also. Wir alle müssen Opfer bringen, damit es unserem Landkreis von Jahr zu Jahr immer besser geht. Besser als je zuvor. Kommende Generationen werden es uns danken. Man muss sich das vorstellen.

In diesem Sinn: Frohe Weihnachten für Sie und Ihre Familie!