Wülfershausen

ABC-Schützen in Wülfershausen lernen mit der digitalen Tafel

Wie ein riesiger Fernseher wirkt das Smartboard in der 1. Klasse der Grundschule in Wülfershausen.

Die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen im Landkreis Rhön-Grabfeld schreitet stetig voran. Gut die Hälfte der 19 Grundschulen verfügt schon über eine Ausstattung, die den technischen Anforderungen gerecht wird. Darunter auch die Grundschule in Wülfershausen, die nach langer Umbau- und Sanierungsphase erst zu Beginn dieses Schuljahrs wieder in Betrieb gegangen ist.

Alle Räume sind mit Internet- und Netzwerkanschlüssen ausgestattet, in den Klassenräumen wird mit Smartboard und Dokumentenkamera gearbeitet. Eine herkömmliche Tafel steht nur noch in einem Nebenraum. Wie aber kommen Lehrkräfte und Erstklässler mit der Technik zurecht? Antworten gab es bei einem Besuch im Klassenzimmer der ABC-Schützen in Wülfershausen.         

Das Smartboard, wie die digitale Tafel genannt wird, ist gewöhnungsbedürftig wie alles Neue. Zu fest darf man mit dem Zeigefinger nicht aufdrücken, sonst - so hat es jedenfalls den Anschein - macht das Ding, was es will. Dann wird die dort aufgezeichnete "5", deren Umrisse jedes der Kinder des besseren Verständnisses wegen mit dem Finger nachfährt, plötzlich riesengroß oder hüpft nach rechts aus dem Bild raus. Anfängernutzer von Smartphones kennen diese Probleme mit der Haptik.

Zuvor hatte die Lehrerin die 5 mit den Kindern ausführlich mit Zahlen aus Holz in einem Stuhlkreis behandelt und sie damit im wahrsten Sinne des Wortes auch begreifbar gemacht, was trotz Digitalisierung immer noch die wichtigste Methode ist. 

Des besseren Verständnisses wegen malen die Kinder der 1. Klasse die gerade vorgestellte Zahl 5 nach - auf dem ...

Die Möglichkeiten, die sich durch die Technik bieten, bereichert allerdings den Unterricht. Wie etwa nach dem Spaziergang ins Freie, als die Buben und Mädchen wieder im Klassenzimmer Blätter und Früchte malen sollten, die sie beobachtet hatten. "Die haben wir uns dann auf dem Smartboard noch mal genauer angesehen", sagt Lehrerin Corinna Hartmann. Man müsse dabei aber aufpassen, dass die Kinder das Smartboard nicht als eine Art Fernseher wahrnehmen, sondern als ein Medium, um Wissen zu erlangen. 

Etwa die Hälfte der Wülfershäuser 21 ABC-Schützen spielt daheim mit einem Tablet 

Gut die Hälfte der 21 ABC-Schützen hat zu Hause ein Tablet, wie eine kleine Umfrage unter den Kindern ergab. Meist sind es Jungs, die das Gerät nutzen, um damit zu spielen. Bei den meisten ist die Nutzung durch die Eltern zeitlich reglementiert, nur einzelne gaben an, dass dies bei ihnen nicht der Fall sei. Bewegung ist aber auch wichtig. Einige verbringen einen Teil der Freizeit in einem Verein, wie der Wasserwacht. Nebenbei bemerkt, mit dem Begriff "Tageszeitung" oder Zeitung konnte niemand etwas anfangen.      

Digital ist nicht alles: Wer im wahrsten Sinne des Wortes begreift, tut sich mit dem Verstehen leichter.

Für Lehrerin Corinna Hartmann bedeutet die neue Form einen deutlichen Mehraufwand in der Vorbereitung ihrer Unterrichtsstunden, weil doch Arbeitsmaterial zunächst von ihr digitalisiert werden muss. Noch vermisst sie fertige Vorlagen für den Unterricht.

Für die Kinder habe sich aber im Grunde nicht viel geändert, sagt die Grundschullehrerin, die sich vorstellen kann, das Smartboard auch zu Power-Point-Präsentationen etwa an Elternabenden zu nutzen. Am liebsten arbeitet die Pädagogin mit der digitalen Tafel im Zusammenhang mit der Dokumentenkamera, wie die Geräte heißen, die ein wenig an die früheren Overhead-Projektoren erinnern.

Ob die Digitalisierung in der Grundschule tatsächlich notwendig ist, vermag die Lehrerin nicht abschließend zu beantworten. Die Corona-Pandemie habe uns aber gelehrt, dass es wichtig ist, die Technik kennenzulernen; man müsse eben Schritt für Schritt vorgehen.      

Mit diesem Bild auf dem Smartboard hatte Grundschullehrerin Corinna Hartmann ihre Klasse zum Schuljahresbeginn ...

Die Hälfte der Grundschulen im Landkreis ist schon gut in Sachen Digitalisierung ausgestattet

Gut die Hälfte der Grundschulen im Landkreis ist auf dem Stand der Einrichtung in Wülfershausen, macht Ansgar Zimmer, einer der beiden Geschäftsführer  der Interkomm-IT, die sich um die digitale Ausstattung kümmert. "Wir sind mitten in der Realisierungsphase", sagt er. 

In Wülfershausen hätten eh Baumaßnahmen angestanden, da sei die Verlegung der Kabel natürlich auch einfacher gewesen. Andere Schulen kämen erst in den Herbstferien dran. Für viele Lehrer und Lehrerinnen sei die Digitalisierung in der Schule noch Neuland. Mittlerweile gebe es aber auch sehr gute Fortbildungsmöglichkeiten. Das gehe eben nicht alles von heute auf morgen.