Bad Neustadt

Der Fichte geht es in Rhön-Grabfeld und anderswo schlecht

Riesige Polder zeigen die Situation im Wald nur allzu deutlich, berichten (von links) Hubert Türich, ...

War das Drama, das sich in den Wälder abspielt, für die breite Öffentlichkeit bis vor kurzem kaum mit eigenen Augen wahrzunehmen, so ist es jetzt für jeden nur zu gut sichtbar. Landauf, landab türmen sich gewaltige Holzpolder, die den eindeutigen Beweis liefern, dass mit der Natur etwas nicht stimmt. Am ärgsten trifft es derzeit die Fichte, deren Anteil in den Beständen nun schon beträchtlich abgenommen hat. Fachleute aus dem Forstbereich berichten vom Ausmaß des Baumsterbens, aber auch von einem Hoffnungsschimmer, der sich am Horizont zeigt.

Unübersehbar sind die Holzlagerplätze um die Dörfer in Waldgebieten. Rund 200 000 Festmeter Schadholz sind in den beiden Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen angefallen, berichtet Hubert Türich, Abteilungsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Darin ist noch nicht enthalten, was in den Privatwälder von den Besitzern aufgearbeitet und selbst verwertet worden ist.

Holzpreise sind im Keller

Etwa 60 000 Festmeter – fast ausschließlich Borkenkäferholz – vermarktet die Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön mit ihren 190 Mitgliedern. Das sei jetzt  schon weit über der durchschnittlichen Menge, die sich aber sonst aus allen Baumarten und gesundem Holz zusammensetzte. Die erzielten Preise für Stammholz – also Ware, die noch zu Schnittholz weiterverarbeitet werden kann – liegen etwa bei einem Viertel des Preises, der noch vor drei Jahren gezahlt worden ist. "Damit können die Eigentümer nicht einmal ihre Kosten decken", bedauert Jörg Mäckler, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft.

Dabei haben die Verkäufer sogar noch Glück, denn die Nachfrage sei dank der Globalisierung in diesem Jahr erheblich gestiegen. "Holz geht von Deutschland jetzt sogar nach Amerika." Allerdings komme von den erzielten Exportpreisen bei den Erzeugern nichts an, "der Zwischenhandel, die großen Verarbeitungsunternehmen, verdienen sich eine goldene Nase".

Fichten kontrollieren und beseitigen

Aber es gibt auch Licht am Horizont. Wenn diese Holzmassen einmal verkauft sind, sei die Nachfrage immer noch da, "das Angebot aber nicht mehr". Dann steigen die Preise wieder. Profitieren wird dann derjenige, der seinen Wald in Ordnung hält und noch stehendes Käferholz entfernt, damit im nächsten Jahr die gesunden Bäume nicht gleich wieder befallen werden. "Daher ist es jetzt dringend angeraten, Fichten zu kontrollieren und zu beseitigen, falls notwendig."

Unter den derzeitigen Klimabedingungen werde es jedoch für die Fichte immer schwerer, in der Region zu überleben. Drei trockene Jahre hätten den Bestand so stark geschwächt, dass der Borkenkäfer sich explosionsartig verbreiten konnte. Sollte sich der Wettertrend fortsetzen, werde sich der Exodus noch beschleunigen. Die bisherigen Niederschläge im Herbst reichten bei weitem nicht, um die Lage zu entspannen. Darüber hinaus fingen jetzt auch noch Buche und Kiefer an zu kränkeln.  Bei der Kiefer könnte die Trockenheit sogar noch heikler werden als bei der Fichte, weil das Holz nicht lange gelagert werden kann. "Kiefer kann in kürzester Zeit nur noch als Brennholz verwendet werden", erklärt Mäckler.

Frei gewordene Flächen bepflanzen

Trotz dieser beängstigenden Aussichten appellieren die Forstleute an die Waldbesitzer, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. "Es macht mich betroffen, wenn ich sehe, was in diesem Jahr weltweit an Wäldern zerstört worden ist", stellt Mäckler traurig fest. "Es wäre jetzt daher grundverkehrt, den Wald sich selbst zu überlassen." Wichtig sei es, frei gewordene Flächen wieder zu bepflanzen, ansonsten würden sie in kürzester Zeit verwildern und mit Hecken zuwuchern, die wirtschaftlich und ökologisch kaum einen Nutzen hätten.

Dabei sollen die Waldbesitzer nicht allein gelassen werden. Mit äußerst attraktiven Förderprogrammen werden Neuanpflanzungen finanziell unterstützt. Wichtig sei jedoch, vor dem Pflanzen sich von Fachleuten beraten zu lassen. Beispielsweise seien die Revierförster die richtigen Ansprechpartner, wenn es um die Sortenauswahl geht. Gerade bei den veränderten klimatischen Bedingungen und weil gerade in der hiesigen Region die Standorte starke Unterschiede aufweisen, sollten nur die jeweils geeigneten Baumarten zum Einsatz kommen - Laubbäume seien nach derzeitigem Stand die bessere Option. "Es gibt aber noch keinen Wunderbaum", bedauert Türich, aber jetzt sei Zeit zum Handeln.  

                     

Der Fichte geht es schlecht. Jetzt geht es darum, sie so lange wie möglich am Leben zu halten, daher sei ständige ...