Saal

Rhön-Grabfeld: Schwarzkitteln geht es an die Schwarte

Drückjagden sind derzeit untersagt, werden auf Antrag aber gestattet, wenn ein Hygienekonzept vorliegt.

Gemeinden, vor allem im Bereichen der östlichen Grenzen Deutschlands, kaufen Zäune auf, um im Ausbruchsfall der Afrikanischen Schweinepest betroffene Gebiete abzusperren. Der Staat zahlt Abschussprämien, Schonzeiten sind aufgehoben: Es gibt keinen Zweifel, den Schwarzkitteln geht es an die Schwarte. Ungehemmt haben sich Wildschweine in den vergangenen Jahren vermehrt, nun wird verstärkt Jagd auf sie gemacht – allerdings derzeit unter "Corona-Bedingungen". Im Bereich des Bildhäuser Walds war am vergangenen Wochenende eine große revierübergreifende Drückjagd mit fast 200 Jägern angesetzt.

Mit fast schon militärischer Strategie war das Ereignis vorbereitet worden. Die nördliche Hälfte des um die 50 Quadratkilometer umfassenden Waldes ist in privater Jägerhand und in fünf Jagdreviere aufgeteilt. Der südliche Teil Richtung Golfplatz ist Staatsforst, liegt aber komplett im Landkreis Bad Kissingen. Die Verantwortung für die Drückjagd im Staatswald hat der Forstbetrieb Bad Königshofen mit seinem Leiter Heiko Stölzner. Für die privaten Reviere hatte Manfred Schauer, Jagdberater an der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Bad Neustadt und selbst Revierinhaber bei Saal, die Organisation übernommen.

Lange Anfahrtswege auf sich genommen

Ein Treffpunkt für die Teilnehmer der beiden zeitgleich nebeneinander stattfindenden Drückjagden war auf staatlicher Seite der Parkplatz am Golfplatz. Bei eisigen Temperaturen, leicht Schnee bedecktem Boden und romantischen Sonnenaufgang versammelten sich dort knapp 50 Jäger. Zwei weitere Gruppen trafen sich in der Nähe am Rande des Waldgebiets. Autokennzeichen aus halb Deutschland signalisieren, dass die Waidmänner – vielfach Angestellte von staatlichen Forsteinrichtungen – lange Anfahrtswege auf sich genommen haben.

Bevor die Jäger zu ihren Jagdständen gehen, nimmt Stölzner die Sicherheitsbelehrung vor. "Die Sicherheit der Teilnehmer hat oberste Priorität", beteuert der Betriebsleiter. Während der dreistündigen Jagd dürfen beispielsweise die Jäger ihren zugewiesenen Platz nicht verlassen. Auch die Hygienevorschriften müssen strikt eingehalten werden.

Etwa 30 Hunde sorgen dafür, dass das Wild beunruhigt und "auf die Läufe gebracht" wird. Bejagt wird im wesentlichen Schwarz- und Rehwild. Am Ende beträgt die Strecke im Staatswald 23 Sauen und 41 Rehe. "Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann", meint Stölzner.

Schüsseltreiben musste entfallen

Das traditionelle Legen der Strecke muss aber zum Bedauern von Stölzner wegen der Corona bedingten Ansteckungsgefahr ausbleiben. Auch der gemütliche Teil des Schüsseltreibens muss entfallen, und die Teilnehmer kehren unmittelbar nach der Jagd nach Hause zurück.

Sicherheit geht vor: Das gilt auch für die Vierbeiner.

Die Hygienevorschriften sollen auch ein Grund dafür sein, dass viele Drückjagden von Jagdpächtern abgesagt werden, heißt es in Jägerkreisen. Ohnehin sind Jagden mit starker Beteiligung generell untersagt, wenn sie nicht ausdrücklich genehmigt werden. Zuständig dafür ist Wolfgang Harich von der Unteren Jagdbehörde in Bad Neustadt.

Der Staatsbedienstete habe in dieser Jagdsaison 40 Anträge befürwortet und auch schon einen großen Teil der Abschusszahlen erhalten. Danach bewege sich die Zahl des erlegten Schwarzwildes wieder in Richtung des Rekordniveaus von 2019/20, als mit 4800 Abschüssen der Landkreis in Bayern an zweiter Stelle lag.

Gastronomie fällt als Abnehmer komplett aus

Dabei sind die hohen Zahlen fast etwas verwunderlich. Der Grund: schlechte Verwertungsmöglichkeiten. Die Gastronomie sei als Abnehmer komplett ausgefallen, schildert Manfred Schauer. Der einzige Abnehmer sei ein Wildbrethändler aus dem süddeutschen Raum. Der zahle aber gerade einmal 25 Cent das Kilo, "das ist die Kugel nicht wert". Und trotzdem haben in den Revieren der privaten Jäger im Bereich Saal/Wülfershausen neun Sauen ihr Leben gelassen.

Der Abschuss der Borstentiere lohne sich aber nur, weil der Freistaat neuerdings eine Prämie von 100 Euro je Schwarzkittel zahlt, erklärt Schauer. Damit soll ein Anreiz zur Reduktion des Bestandes gegeben werden. Der Anlass für die Vergütung: Angst vor der Afrikanischen Schweinepest.

Sind die Populationen groß, sei die Ansteckungsgefahr höher. Bisher habe es erst in zwei ostdeutschen Bundesländern Vorfälle gegeben (Brandenburg und Sachsen), aber auch hier ergreifen bereits einige Landkreise Maßnahmen zur Eindämmung der hochinfektiösen Seuche, die für den Menschen ansonsten ungefährlich ist. Wo der Virus entdeckt wird, seien die Folgen jedoch fatal, "dieses Szenario will ich mir gar nicht vorstellen", versichert Stölzner. Daher muss die Jägerschaft am Ball bleiben und zusehen, dass sich die Bestände in einem vernünftigen Rahmen bewegen.