Prima Klima

An Greta Thunberg scheiden sich die Geister. Nicht nur in der Heimat. Während die einen sie zu einer Ikone der Hoffnung hochstilisieren, reagieren die anderen "allergisch". Beim Klima-Gipfel in New York warf die rebellische Göre den Politikern vor, sie wären "immer noch nicht reif genug" zu sagen, wie ernst die Lage sei. Wie steht es mit unseren Granden? Sind sie reif genug? Sind sie vielleicht schon zu reif?

In den letzten Monaten häufen sich in der Heimatzeitung alarmierende Meldungen. Förster, Angler und Landwirte berichten von einer Dürre, wie man sie so noch nie beobachtet hat. Zumindest seit Beginn der Aufzeichnungen. Bäche und Tümpel seien reihenweise ausgetrocknet, tausende Bäume verdorrt. Deprimierend! Da macht Wandern keinen Spaß mehr. Und die Grundwasserspiegel sinken. Sollten die nächsten Sommer wieder so trocken ausfallen - Klima-Profis gehen davon aus - dann wird sich das Erscheinungsbild der Heimat wandeln. Und zwar radikal. Gemessen an heutigen Maßstäben drohen künftigen Generationen fürchterliche Bedingungen.

Aber keine Panik! Sie werden sich schon irgendwie daran gewöhnen. Immerhin hatten sie dank ihrer Helikopter–Eltern ja noch eine behütete Kindheit. In den Sonntagsreden unserer Granden spiegeln sich diese düsteren Prognosen nicht. Da geht es um "Öko-Modellregionen" und Fördermittel. Wie immer. Man gibt sich optimistisch, tut so, als ob es sich bei dem, was sich gerade abspielt, um harmlose Wetterkapriolen handelt. Und die gab's "schon immer". Na klar! Lösungen hat man auch schon: Einfach alle "Verbrenner" durch Elektromotoren ersetzen, einfach Douglasien statt Fichten pflanzen und – ganz wichtig! - sämtliche Lebensbereiche digitalisieren. Dann kann nichts mehr schief gehen. Dann wird die Wirtschaft ewig weiter wachsen.

Lichtgestalten wie Alexander Dobrindt (CSU) wittern schon ein "Klima-Wirtschaftswunder". Nur ein paar Öko-Spinner behaupten, echter Klimaschutz bedeute weniger von allem. Bei der Einweihung neu versiegelter Flächen rund um unser schönes Industriestädtchen wird in herrlichem "CSU-Sprech" regelmäßig daran erinnert, wie wichtig "Verkehrspolitik mit Maß und Ziel" sei. Das heißt: immer noch mehr Autos. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zeigt, wie's geht: Während unsere Nachbarn zielstrebig ihre Bahn-Großprojekte wie den Brenner-Basistunnel durchziehen, hat Bayern die Planung der Anschluss-Trassen schlichtweg verschnarcht.

Sicher, der Verkehrsminister hat mit seiner Pkw-Maut und der Regulierung hipper E-Roller bewiesen, wozu er fähig ist. Wenn er aber öffentlich darüber schwadroniert, dass er, Scheuer, schon immer der Meinung war, dass Güter auf die Bahn gehörten, winden sich sämtliche anwesenden "Ösis" in Lachkrämpfen. "Politik mit Maß und Ziel". Klimaziele sind sicher nicht gemeint. Die verfehlen wir krachend. Nehmen Sie den Windpark bei Wülfershausen. Seine Fertigstellung verschleppt sich Dank Seehofers 10-H-Unfug bis in alle Ewigkeit. Unser fortschrittliches Landratsamt wollte vor Baubeginn sogar noch "Abschaltzeiten" für irgendwelche Vogelviecher durchsetzen. Man muss sich das vorstellen!

Gott sei Dank hat es im Februar am Verwaltungsgericht aber eine herbe Schlappe einstecken müssen. Aber auch darüber schweigen unsere Granden. Sie haben völlig Recht. Wozu den Leuten die Laune verderben? Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen. Und könnte man Klimawandel nicht auch als Chance begreifen? Wie wäre es mit einem "Klima-Erlebnis-Wanderweg" durch die absterbenden Rhöner Wälder? Natürlich! Weisen nicht schon heute viele Schilder auf die Bedeutung von "Totholz" hin? Es schafft Lebensraum für seltene Insekten. Den Borkenkäfer zum Beispiel.