Bad Neustadt

Der Masterplan

Unsere Heimat hat im Verlauf ihrer Geschichte gelernt, mit Widersprüchen zu leben. Denken Sie nur an den Verkehr. Bad Neustadt - die "Modellstadt für Elektromobilität". Hirngespinste! Schau‘n Sie sich doch um! Im Dauerstau zwischen den gefühlten 100 roten Ampeln verpesten hauptsächlich fette "Verbrenner" die Luft. Wie überall. Stellen altbackene "Hausfrauenpanzer" nicht das Gegenteil von moderner Mobilität dar?

Manchmal bilden wir uns Widersprüche aber auch nur ein, weil wir den "Masterplan" nicht erkennen, der hinter allem steht. Nehmen Sie die Demografie. Wir leben ja bekanntlich in einem Schrumpflandkreis. Bis zum Jahr 2037 erwartet das Landesamt für Statistik bei uns noch einmal einen Bevölkerungsschwund von fast sieben Prozent. Finden Sie es da nicht auch sehr merkwürdig, dass unser schönes Industriestädtchen förmlich aus allen Nähten platzt?

Besonders in Herschfeld. Dort schießen demnächst sechsstöckige Wohnsilos wie Pilze aus dem Boden. Und der geheimnisvolle Investor will nicht genannt werden. Aus gutem Grund! Eine Bürgerinitiative hat sich auch schon wieder formiert. Sie versucht mit den üblichen Argumenten per Bürgerentscheid zu verhindern, dass eine "verdichtete Bebauung" entsteht. Prinzipiell sei man zwar schon dafür, der Zersiedelung entgegenzuwirken. Na klar! Aber eben nicht vor der eigenen Haustür. Wenn das droht, muss der Rotmilan herhalten. Oder das "wertvolle Heckenbiotop".

Wie das Ganze ausgeht, haben wir oft genug erlebt: Wenn es soweit ist, kriegen weniger Wahlberechtigte ihren Hintern hoch, als beim Bürgerbegehren unterschrieben haben. Und die paar Hansel, die kommen, stimmen mehrheitlich für die Wohnsilos. Denn Neustadt braucht Wohnsilos! Neustadt wächst. Und das Umland schrumpft. Auch bei uns grassiert ganz offensichtlich die Landflucht. Wie überall.

Kein Wunder! Eine Studie der "Allianz pro Schiene" bescheinigte Rhön-Grabfeld beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) deutschlandweit den drittletzten Platz. Wenn sich eine junge Familie heute noch traut, in einem randständigen Dorf wie meinetwegen Waldberg ein Haus zu bauen, braucht sie erst ein Zweit- und später ein Drittauto. "Lebenslänglich"! Und das "Klimapaket" wird dafür sorgen, dass der Spritpreis steigt. Und wie!

Die Entwicklung war absehbar. Warum hat der Landkreis dann aber den ÖPNV jahrzehntelang derartig vernachlässigt? Ganz klar: Dahinter steckt Absicht. Natürlich wird es keiner zugeben, aber es gibt einen Masterplan! Und man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um ihn zu durchschauen. Denn sogar unseren meist schon älteren, männlichen CSU-Granden ist längst klar, dass aus ökologischer, aber auch aus ökonomischer Sicht eine Zentralisierung wesentlich nachhaltiger wirkt, als die endlose Strukturförderung der Fläche.

In "Neuscht" braucht nicht jede Familie drei Autos! Es gibt schließlich die NESSI. Und demnächst sogar eine Seilbahn, auch wenn die vermutlich künftige Bürgermeisterin davon angeblich nicht begeistert sein soll. Satt qualmender Holzöfen nutzen moderne Städterinnen umweltfreundliche Gas- oder Fernheizungen. Die Wege zur Arbeit, zum Arzt und zum Shopping sind kurz; Flächen werden verdichtet bebaut und nicht immer weiter zersiedelt. Nur Vorteile!

Mal ehrlich: Warum sollten wir Steuergelder für "Käffer" verplempern, in denen der Hund begraben liegt? Wegen der "Kameradschaft" im Trachtenverein? Wegen der Feuerwehr? Lächerlich! Auch in Bad Neustadt blüht das Vereinsleben. Und die Kultur! Natürlich kann man solche Einsichten einem kommunalwahlberechtigten Ureinwohner nicht unverblümt zumuten. Nein, unsere Granden wissen genau, was sie tun. Deshalb agieren sie lieber "undercover". Man muss sich das vorstellen!