Bastheim

Leserforum: Auf alte Regeln besinnen

1. Januar 1979 morgens, 5 Uhr: Norddeutschland versinkt im Schnee. Der Landkreis Rhön Grabfeld wurde von einer Schneefront in der Silvesternacht überrascht. Ich leiste meinen Wehrdienst ab und muss nach Wildflecken in die Rhön. Morgens um 5. Und? Kein Problem, die Straßen sind geräumt, selbst Nebenstrecken gut befahrbar. Keine Vorwarnung, keine Digitalisierung, keine Vorhersagen seit Tagen. Und dennoch freie Fahrt.

8. und 9. Januar 2022 morgens, also früh um 7.30 Uhr: Seit Tagen wird Schnee angekündigt, bis zu 15 Zentimeter. Der Schnee kommt auch, wie im Zeitalter der modernen Techniken und Warnungen, auch tatsächlich an. Pflegekräfte, die dringend gebraucht werden, müssen zur Arbeit. Nur wie? Straßen sind fast unpassierbar, nichts geräumt, außer vielleicht die Autobahn. Bundesstraßen, Staatsstraßen nur sehr schlecht befahrbar. Autos stellen sich quer, schleichen dahin, wenn überhaupt. In einzelnen Ortschaften ist bis Mittag nichts geräumt. Bürger werden angehalten, ihrer Räumpflicht nachzukommen, was diese auch tun. Für die Kommunen gelten scheinbar andere Regeln?

Fazit: Vielleicht sollte man wieder zu den alten Regeln übergehen, im Winter kann es schneien, also schicke ich den Räumdienst raus. Im Zeitalter von Corona werden uns die Schwächen der Digitalisierung, der Vorhersagen, der Reaktionen vor Augen geführt. Ich bin niemand, der sagt: früher war alles besser, das ganz sicher nicht, aber früher konnte man sicher sein, dass dann eingeschritten wurde, wenn es notwendig war und die Kommunen/Landkreise ihre Wege und Straßen befahrbar gehalten haben.

Heute, wo alles schneller und einfacher gehen sollte, klappt vieles nicht. Ach ja, mir ist zudem aufgefallen, dass viele E-Autos mit dem stufenlosen Getriebe besonders Probleme haben. Noch ein Grund, rechtzeitig zu räumen, im Zeitalter der Energiewende. Es müssen nicht 24Stunden alle Straßen frei sein, es muss Prioritäten geben, und manche Gasse muss auch nicht unbedingt schon um 6 Uhr geräumt sein, aber gegen Mittag sollte es möglich sein, dass Straßen passierbar sind und nicht die Schneedecken so festgefahren werden, dass es einer Rutschbahn gleicht. Zumal wenn es dann auch noch darauf regnet

Klaus-Peter Eschenbach
97654 Bastheim