Mittelstreu

Leserforum: Zeche zahlen Jüngere und künftige Generationen

Symbolfoto.

Zur Thematik Windpark Wargolshausen und Wülfershausen erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

"Man kann natürlich gegen alles sein. Wer elektrischen Strom haben will, muss aber auch sagen, wie er erzeugt werden soll. Strom wird in Zukunft immer mehr gebraucht: mehr elektrische Geräte, E-Mobilität etc. Wer gegen Photovoltaik- und Windparks ist, vielleicht auch gegen Stromtrassen - selbst wenn sie weitgehend unterirdisch verlegt werden - setzt wohl weiter auf fossile Kraftwerke, weil ja auch Atomkraftwerke die allerwenigsten akzeptieren.

Aber wer will schon mit der damit verbundenen weiteren Klimaerwärmung leben? Die Zeche müssen vor allem die Jüngeren und künftige Generationen zahlen: unsere Böden werden noch mehr austrocknen, das Grundwasser absinken, die Wälder sterben, die Meeresspiegel steigen und viele, viele Menschen in den Küstenregionen ihre Heimat verlieren. Wahrscheinlich machen sie sich dann auf den Weg zu denen, die den Klimawandel wesentlich mit verursacht haben. Dazu zählen auch wir.

Demgegenüber steht die angebliche Gefahr durch Infraschall, der aber nach Stand der Wissenschaft bei Windkraftanlagen keine schädlichen Auswirkungen für die Gesundheit hat, weil er viel zu niedrig ist, um von Menschen wahrgenommen zu werden. Sicher wird durch Windräder die Landschaft verändert. Von unserem Haus aus sehe ich alle zehn Anlagen oberhalb von Mittelstreu. Man kann sie als nicht schön empfinden, aber eine massive Beeinträchtigung meiner Lebensqualität sind sie sicher nicht. Ich freue mich sogar, dass nach langem Kampf wenigstens diese Windräder gebaut wurden, als ein Beitrag zur dringend notwendigen Energiewende.

Ob Solar- und Windparks die Natur mehr beeinträchtigen als eine intensiv betriebene Landwirtschaft, mit all der Dünger- und Pestizid-Problematik, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden. Solarparks wirken sich sogar positiv auf die Artenvielfalt aus. Ob sich die Anlagen wirtschaftlich rechnen, müssen die Investoren wissen.

Ich denke, sie werden nicht gebaut, um Verluste zu machen, aber die Strompreise treiben sie bei der aktuellen Einspeisevergütung nicht nach oben. Mehr Bürgerprojekte wären wohl wünschenswert. Aber wahrscheinlich sind die negativen Erfahrungen mit Widerständen von der Bürokratie und aus der Bevölkerung, wie beispielsweise beim Bürgerprojekt 'Windpark zwischen Streu und Saale' hierbei nicht förderlich."

Helmut Haferkorn

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