FUßBALL: REGIONALLIGA

Der TSV Aubstadt kann entspannt nach vorne blicken

Zwei Gesichter, die für den Umbruch beim TSV Aubstadt stehen: Unter dem im Sommer zum Cheftrainer beförderten Victor ...

Der TSV Aubstadt feierte im Mai 2019 im 98. Jahr seiner Vereinsgeschichte mit der Meisterschaft in der Bayernliga Nord und dem damit verbundenen Aufstieg in die Regionalliga den größten Erfolg. Im Jubiläumsjahr 2021, das vermutlich nicht angemessen gefeiert werden kann, ist er immer noch Regionalliga-Neuling.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat als einziger Fußballverband die Corona-Saison nicht ab-, sondern nur unterbrochen. Die Spielzeit wurde auf zwei Jahre ausgedehnt und damit der zu erwartenden zweiten Welle Vorschub geleistet. Ein im Frühjahr kontrovers diskutierter Entschluss, der aus heutiger Sicht aber wohl richtig war. Wie viel Fußball wurde denn vom TSV Aubstadt gespielt im Jahr 2020 in dieser Schnittstellen-Liga zwischen Amateuren und Profis? Anpfiff gab es 21 Mal. 13 Mal allerdings nur zu Testzwecken gegen unterklassige Mannschaften, drei Mal im neu erfundenen, am Ende womöglich unvollendeten Ligapokal. Nur fünf Mal in der Regionalliga.

Keine Abstiegsangst mehr beim Liga-Neuling

So wenig, dass an alle Ergebnisse erinnert werden kann: 0:0 am 7. März in Memmingen, ab 11. Oktober bis zum zweiten Lockdown 3:0 gegen Illertissen, 0:4 beim FC Augsburg II, 1:0 gegen Buchbach und 3:6 beim 1. FC Nürnberg II. Diese sieben Punkte zu den 32 aus den 20 Vor-Corona-Spielen addiert macht 39 Punkte und Platz 5. Den Blick nach unten richten nur noch Pessimisten. Der erste Abstiegsrelegationsplatz ist 18 Punkte entfernt. Es sind zwar schon die tollsten Dinge passiert nach einer Winterpause. Doch ernsthaft macht man sich selbst nach der zweiten Winterpause dieser komischen Saison keine Sorgen mehr um den Klassenerhalt.

Sozusagen mitten in der Saison, im Juni/Juli 2020, gab es einen von außen betrachtet völlig unerwartet großen Umbruch im Grabfeld. Untypisch für Aubstadt. Letztendlich befand man sich, was die Spieler-Fluktuation betrifft, im Trend der anderen Vereine. 14 Spieler, fast zwei Drittel des Kaders, gingen, ließ man ziehen oder legte ihnen einen Wechsel nahe. Elf neue Spieler kamen. Allerdings konnten drei von ihnen (Vincent Held, Dominik Weiß und Essa Ganes) bisher kein einziges Spiel bestreiten, da die Spielberechtigung noch nicht vorlag. Was zunächst beunruhigte, war nicht die Verkleinerung des Kaders, sondern, dass die Lücken im Angriff nicht positionsbezogen gefüllt wurden, zumal auch noch Michael Dellinger und Jens Trunk lange verletzt ausfielen.

Regionalliga-Spiele im Herbst machen Mut

Was sich in den sieben Test- und zwei der drei Ligapokal-Spiele bestätigte. Freilich, ein zweiter Martin Thomann (zum FC 05 Schweinfurt) läuft nicht frei herum. Mut machte allerdings das letzte Ligapokal-Spiel, das 0:0 in Schweinfurt. Als es danach vier Mal um Punkte für den Klassenerhalt in der Regionalliga ging, war die Mannschaft da. Gegen die machbaren Gegner Illertissen und Buchbach wurde jeweils gewonnen. Die vermeintliche Baustelle aber mutierte: Die Abwehr ließ sich von Augsburg II und Nürnberg II mit zehn Gegentoren das Fell über die Ohren ziehen. Und dennoch war das letzte Spiel vor dem zweiten Lockdown eines der besten. Am Valznerweiher war man gegen die Club-Fohlen bis zur 89. Minute (3:4) dem Ausgleich nahe. Das Endergebnis (3:6) täuschte am Ende über den tatsächlichen Spielverlauf hinweg.

Zwei Gewinner: Victor Kleinhenz und Marcel Volkmuth

Einen unerwarteten Gewinner gab es auch im Spielerkader. Marcel Volkmuth (22), im Juli 2019 vom Bezirksligisten SV Rödelmaier zum Kader gestoßen, hatte in den ersten 21 Saison-Spielen zusammen gerade einmal 147 Minuten Einsatzzeit. Nach einer überzeugenden Sommer-Vorbereitung stand er in allen vier Punktspielen im Herbst in der Startelf und kam auf 334 Minuten. Doch 2020 war aus einem weiteren Grund ein außergewöhnliches Jahr.

Einen Umbruch gab es nämlich auch im Trainerstab. Die neun Jahre lange nebenberufliche Tätigkeit als hauptverantwortlicher Trainer im gehobenen Amateurfußball (ein Jahr Landesliga, sieben Jahre Bayernliga, ein Jahr Regionalliga) mit Meisterschaften und Relegationsspielen sind nicht spurlos an Josef Francic vorübergegangen. Auch deshalb gab er im Juli 2020, gewissermaßen mitten in der Saison, den Stab an den soeben als Co-Trainer verpflichteten Victor Kleinhenz (29) weiter und trat stattdessen die neu geschaffene Stelle des Sportdirektors an.

Die Verpflichtung dieses jungen Trainers war die erste logische Konsequenz aus seiner eigenen Erfahrung. Francic selbst kam 2011 nämlich als Bezirksoberliga-Trainer nach Aubstadt. Der gebürtige Kroate und inzwischen eingebürgerte Deutsche hält es eben mit den Rhön-Grabfeldern, die auf dem Boden bleiben, wenn sie nach den Sternen greifen. Er stellte die Weichen für die Zukunft mit dem Break, was den Trainer und den Umbau der Mannschaft betraf. „Der Aufstieg in die Regionalliga war herrlich, war schön. Aber die Vereinsführung und ich waren uns einig: Wir sind und bleiben ein Dorfverein und wollten deshalb mit derselben Mannschaft in die Regionalliga starten“, begründet er heute, ein halbes Jahr später.

„Die Spieler, die das geschafft hatten, sollten auch die Möglichkeit bekommen, sich zu zeigen. Plus die üblichen zwei, drei Zugänge, und wir hatten einen sehr breiten Kader.“ Doch es habe sich gezeigt, sagt Francic, dass die Regionalliga etwas anderes sei „und einige Spieler sportlich unglücklich waren. Dann kam die neue Situation auf Aubstadt zu. Dadurch, dass man in unserer Region oder in der eigenen Jugend kaum einen Regionalligaspieler findet, musste man den Radius eben erweitern.“

Weitere Neuzugänge im Winter sind nicht geplant

Es sei absehbar gewesen, dass man nicht in den Abstiegskampf hinein gezogen werden würde und daher wurden einige junge Spieler verpflichtet, die bei Profivereinen ausgebildet wurden. „Den Abgang von Martin Thomann wollten wir mit dem erfahrenen Patrick Hofmann und dem besten Landesliga-Torschützen Vincent Held auffangen. Auf Dellingers Verletzung reagierten wir mit der Verpflichtung von Dominik Weiß. Es wird auch passieren, dass wir vielleicht wieder zwei, drei Abgänge haben werden und positionsbezogen zwei, drei Neue kommen“, sagt Francic. Dann habe man „die gewohnte Kontinuität drin, um in der Regionalliga wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Auf seinen Nachfolger auf der Trainerbank hält Francic große Stücke: „Victor ist ein sehr talentierter Trainer, ihn wollte ich schon länger in meinem Trainerstab. Er muss natürlich auch erst seine Erfahrungen sammeln, zeigt sich aber sehr gut und hat Potenzial nach oben, ebenso wie die Mannschaft auch. Ich finde, wir sind auf einem guten Weg.“ Wann und wie es mit der Vorbereitung weitergehe, könne man derzeit noch nicht sagen. „Wir haben nicht vor, auf dem Spielermarkt noch einmal aktiv zu werden.“ Wenn Dellinger, Trunk, Held, Weiß und Ganes dazustoßen, „sind die im Vergleich zu vor zwölf Monaten wie Neuzugänge. Wenn es sich aber ergibt, dass wir mit jemandem in Kontakt kommen, der uns sportlich verstärkt und uns langfristig helfen kann, muss man sehen.“

Wo sieht Francic den TSV Aubstadt am Saisonende? „Wir haben uns als Neuling den Respekt der Liga erarbeitet, sind Fünfter. Unser Motto lautet: Es darf nichts schlechter werden als es ist. Ich glaube, dass wir in der Restrunde, wann immer sie beginnen wird, eine sehr gute Mannschaft präsentieren werden.“