Tischtennis: Bundesliga

Süßes oder Saures für den TSV Bad Königshofen?

Filip Zeljko gelang es nicht, den Vizeweltmeister Mattias Falck (links) im Dezember 2019 zu besiegen. Foto: Rudi Dümpert

Vor sechs Wochen fand das letzte Heimspiel (3:1 gegen Grenzau) des TSV Bad Königshofen in der Tischtennis-Bundesliga statt. An diesem Sonntag (Beginn: 15 Uhr) gibt sich der SV Werder Bremen in der Shakehands-Arena ein Stelldichein. Drei Wochen sind vergangen seit dem Doppelspieltag mit zwei Niederlagen, 2:3 in der Liga in Bergneustadt und 0:3 im Pokal beim Post SV Mühlhausen.  Die aktuelle Lage macht es nötig, den SV Werder Bremen zu schlagen, den man bisher auswärts zwei Mal und daheim ein Mal besiegen konnte. Es gibt mehrere Indizien dafür, dass es ein Duell auf Augenhöhe, Sechster (6:8) gegen Neunter (4:10), werden könnte.

Ein Vizeweltmeister schlägt auf

Herausragender Akteur, und das in optischer Hinsicht sowie aufgrund des größten Erfolgs seines Lebens, der Silbermedaille bei den letzten TT-Weltmeisterschaften in Budapest 2019, ist der Schwede Mattias Falck (29). Drei Wochen vor diesem Triumph wurde er von Werder Bremen für die folgende Saison verpflichtet. Es war das Schnäppchen der Vereinsgeschichte für die Nordlichter. Falck ist immer noch die Nr. 9 der Weltrangliste, was jenem Erfolg keineswegs widerspricht.

Der 1,90-m-Hüne ist in mehreren Zusammenhängen alternativ. Vor seiner Hochzeit hieß er noch Mattias Karlsson. Er bezeichnet sich als heimatverbundenen Weltreisenden. Manchmal sieht es etwas ungelenk aus, wenn er beim Aufschlag den Körper nahezu unter den Tisch falten muss. Gegen Bad Königshofen hat er bisher in vier Vergleichen keines seiner Einzel verloren. Mit ihm kam 2019 auch der Kasache Kirill Gerassimenko, mit dem sich Kilian Ort schon öfter duellieren musste: knapp ausgeglichen. Der Rumäne Hunor Szöcs und der Paraguayer Marcelo Aguirre komplettieren den Bremer Kader.

Kilian Ort verspricht viele Rallyes

Dass die Bremer letzte Saison und auch diese nicht an ihre Erfolge der vorherigen Spielzeiten anknüpfen konnten, sieht Kilian Ort darin begründet, "dass Szöcs und Aguirre nicht sehr viel gewinnen konnten. Bremen hat seit zwei Jahren nicht mehr gegen uns verloren, weil der Falck immer zwei Punkte macht und der Gerassimenko auch immer gut drauf ist gegen uns." Bremen sei "kein Gegner, der uns gut liegt. Deshalb brauchen wir auch die Unterstützung der Fans. Es wird viele Rallyes geben und für die Zuschauer einiges geboten sein. Wir werden alles reinlegen, weil wir wissen, dass es das letzte Spiel bis Mitte Dezember und das vorletzte Heimspiel bis Weihnachten ist. Daheim werden wir uns ja erst am 21. Dezember wieder vorstellen können."

Von den drei TSV-Cracks, die diese Woche das WTT Contender Turnier in Tunis spielten, kam Kilian Ort am ehesten zurück. Im Einzel schlug er den Ungarn Adam Szudi 3:1 und unterlag dann seinem ehemaligen TSV-Teamkollegen Joao Geraldo (Portugal) mit 2:3 und 10:12 im fünften Satz. Mit Tobias Hippler scheiterte er an den Indern Desai/Gnanasekaran mit 2:3, wieder 10:12 im Fünften. Filip Zeljko zog mit Siegen über den Franzosen Akkuzu, den Russen Ismailov und den Inder Thakkar (alle 3:1) in die Hauptrunde ein. Im Achtelfinale gelang ihm ein 3:0 gegen den Brasilianer Ishy. Der TSV-Neuzugang Maksim Grebnev erreichte ebenfalls mit drei Siegen über den Belgier Lambiet (3:0), Tobias Hippler und Joao Geraldo (je 3:1) das Hauptfeld. Hier schaltete er den schwedischen TT-Kronprinzen Truls Möregard (3:2) aus, verpasste den Einzug ins Viertelfinale durch ein 1:3 gegen Patrick Franziska.

Wie wird die Aufstellung aussehen?

Was bedeuten diese Erfolge, außer für das Selbstvertrauen von Zeljko und Grebnev, für die Chancen des TSV? Wie wird überhaupt die Aufstellung durch den Headcoach Koji Itagaki aussehen? Geht er nach der aktuellen Form vor oder nach den Erfahrungen, die seine Spieler mit ihrem möglichen Gegner schon gemacht haben? "Die Vorfreude in Bad Königshofen ist natürlich riesengroß", berichtet der eine Geschäftsführer der GmbH, Udo Braungart. "Die Spieler, Helfer, Funktionäre und Fans, alle sind heiß, endlich wieder ein Heimspiel zu haben. Wir erwarten eine tolle Kulisse."

Jedes Spiel ist ein Endspiel

Und der andere, Andy Albert: "Es ist ein Fifty-Fifty-Spiel, ich behaupte sogar ein Endspiel, denn jedes Spiel ist in dieser Saison ein Endspiel. Die Liga ist so ausgeglichen wie noch nie. Es kann diesmal zwei etablierte Vereine mit dem Abstieg treffen. Da ist jedes Spiel, jeder Punkt, jeder Satzgewinn wichtig, wenn am Ende abgerechnet wird. Die Mannschaft weiß, um was es geht, wir auch. Wir hoffen, dass wir mit Unterstützung des Publikums unseren Heimvorteil nutzen können."

Das indes wird wohl nur dann gelingen, wenn Mattias Falck zum ersten Mal ein Einzel gegen einen Königshöfer nicht gewinnt. Er, vielleicht auch die Aufstellung beim TSV, wird darüber entscheiden, ob es Saures oder Süßes für Bad Königshofen gibt.